Aktualisiert 08.08.2016 17:02

#FürDichDiese Babys machen umstrittene Polit-Werbung

Um für die Initiative Grüne Wirtschaft zu werben, sollen Sympathisanten Babyfotos auf eine Plattform laden. Für die Gegner ein No-go.

von
J. Büchi
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In einer Mitmach-Kampagne rufen die Grünen dazu auf, Babyfotos zu posten und ein persönliches Statement für die Initiative «Grüne Wirtschaft» abzugeben.

In einer Mitmach-Kampagne rufen die Grünen dazu auf, Babyfotos zu posten und ein persönliches Statement für die Initiative «Grüne Wirtschaft» abzugeben.

ZVG
«Wir wollen mit der Kampagne darauf aufmerksam machen, dass auch die kommenden Generationen ein Anrecht auf intakte Lebensgrundlagen haben», so Kampagnenleiterin Carla Hoinkes.

«Wir wollen mit der Kampagne darauf aufmerksam machen, dass auch die kommenden Generationen ein Anrecht auf intakte Lebensgrundlagen haben», so Kampagnenleiterin Carla Hoinkes.

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Die Bilder erscheinen auf einer Online-Plattform. Zudem können auf der Seite auch personalisierbare Geburtsanzeigen bestellt werden.

Die Bilder erscheinen auf einer Online-Plattform. Zudem können auf der Seite auch personalisierbare Geburtsanzeigen bestellt werden.

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Frischgebackene Eltern informieren ihre Freunde und Verwandten in einer Geburtsanzeige üblicherweise über den Namen, das Gewicht und das Geburtsdatum ihres Babys. Oft bringen sie auch ihre Freude über den jüngsten Familienzuwachs zum Ausdruck. Eine politische Botschaft an dieser Stelle ist hingegen eher ungewöhnlich.

Genau dazu rufen die Befürworter der Initiative «Grüne Wirtschaft» jedoch auf: Personalisierbare Geburtsanzeigen im Postkartenformat sind Teil ihrer heute startenden Pro-Kampagne. Ausserdem werden Mütter und Väter auf einer Website dazu animiniert, unter dem Slogan «#FürDich» mit ihren eigenen Baby- und Kinderfotos und einem persönlichen Statement für ein Ja zu werben. «Teile das Bild mit deinen FreundInnen», so die Aufforderung.

«Wir wollen mit der Kampagne darauf aufmerksam machen, dass auch die kommenden Generationen ein Anrecht auf intakte Lebensgrundlagen haben», so Kampagnenleiterin Carla Hoinkes. 57 Prozent der Menschen, die 2050 leben werden, seien heute minderjährig oder noch nicht geboren. «Auch um sie geht es in dieser Abstimmung.» Die Initiative, die im September an die Urne kommt, verlangt, dass der ökologische Fussabdruck der Schweiz bis im Jahr 2050 auf «eine Erde» gesenkt wird.

Kinder haben Recht am eigenen Bild

Natalie Rickli (SVP), Co-Präsidentin des Gegenkomitees, sagt: «Datenschutzrechtlich ist es wohl nicht unproblematisch, falls Babyfotos mit vollem Namen und mit einem politischen Statement versehen ins Netz gestellt werden.» Denn in der Schweiz hat jede Person das Recht am eigenen Bild – das gilt auch für Babys. «Man muss die Kinder also eigentlich immer fragen, ob sie mit der Veröffentlichung einverstanden sind», sagte Medienexperte Laurent Sédano von Pro Juventute unlängst zu 20 Minuten.

Allerdings sei dies das Problem der Initianten, so Rickli. «Viel wichtiger scheint mir zu betonen, dass die heutigen Babys in einer Schweiz aufwachsen sollen, in der Freiheit und Eigenverantwortung herrscht.» Während unser Land im Umweltbereich ohnehin fortschrittlich sei, gefährde die Initiative den Wohlstand des Landes. «Gibt es ein Ja, droht künftig jeder Lebensbereich reglementiert zu werden – von der Auswahl der Feriendestination bis hin zum Essen auf dem Teller.»

«Ver­rei­sen Sie in die Fe­ri­en, so­lan­ge Sie noch kön­nen»

Darauf spielt auch die Gegenkampagne an, die bereits vor Monatsfrist lanciert wurde. Auf Social Media warnt das Nein-Komitee davor, dass Kaffee und warm Duschen der Vergangenheit angehören, sollte die Initiative angenommen werden. Economiesuisse warnt zudem in einem Blogeintrag: «Ver­rei­sen Sie in die Fe­ri­en, so­lan­ge Sie noch kön­nen.» Weil die Regulierungen das Reisen unattraktiv machten, bleibe den Schweizern bald nichts anderes mehr übrig, als sich mittels Virtual-Reality-Brille an einen schönen Strand zu wünschen.

Pro-Kampagnenleiterin Hoinkes spricht von «purer Angstmacherei». Die Initiative setze bei der Produktion an, nicht beim Konsumverhalten. Die Datenschutz-Bedenken gegenüber ihrer eigenen Kampagne lässt sie nicht gelten: «Wie bei allen anderen Social-Media-Plattformen liegt es im Ermessen der Eltern, welche Bilder sie posten und ob sie dies unter ihrem vollen Namen tun.» Wer wolle, könne seine Unterstützung für kommende Generationen auch mittels Symbolbild kundtun – etwa in Gestalt eines Teddybären.

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