Schildkröte ahoi!: Diese Baderatte hat einen Panzer
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Schildkröte ahoi!Diese Baderatte hat einen Panzer

Im Rhein in Basel ist am Freitagnachmittag ein exotischer Gast aufgetaucht. Ob das Tier ausgesetzt wurde oder einfach ausgebüxt ist, bleibt offen.

von
Simon Beeli

Leserreporter Selim Benayat liegt mit einem Freund am Basler Rheinufer an der Sonne und geniesst das süsse Nichtstun, als er im Wasser ein Tier auftauchen sieht. «Ich dachte, boah, ist das eine Schildkröte?» Nach der anfänglichen Überraschung schaut er nochmals genau hin: «Ich fand es schon merkwürdig, dass eine Schildkröte einfach so den Rhein runter schwimmt», erzählt der Molekular- und Mikrobiologiestudent aus Basel gegenüber 20 Minuten Online. Dennoch ist er sich ziemlich sicher, dass es sich um ein solches Exemplar handeln muss.

Kurz darauf taucht das Tier wieder unter und schwimmt gemütlich richtung Rheinmitte. Doch Benayat macht sich seine Gedanken: «Wie kommt das Tier zwischen der Mittleren Brücke und der Johanniterbrücke in den Rhein?» Sollte es auf der Seite von Grossbasel ins Wasser gegangen sein, dann wohl nur unter Einwirkung eines Menschen. «Dort ist es ziemlich steil, ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Schildkröte von selbst den Weg ins Wasser findet», mutmasst er. Vielmehr glaubt er, das Tier könnte schon weiter oben, irgendwo in der Nähe von Rheinfelden, ins Wasser gegangen sein. «Dort sind die Ufer viel flacher und wilder. Ich könnte mir vorstellen, dass eine Schildkröte dort ein ideales Nahrungsumfeld vorfindet.»

Schildkröten werden häufig ausgesetzt

Robert Zingg, Kurator am Zürcher Zoo, bestätigt auf Anfrage, dass der exotischen Gast im Rhein eine Wasserschildkröte sein muss. «Um welche Art es sich handelt, ist auf dem Bild nicht feststellbar, aber es ist sicher keine einheimische Art.» Zingg glaubt, dass das Tier entweder ausgebüxt ist oder von Menschen ausgesetzt wurde. «Schildkröten entweichen immer wieder aus Freilandgehegen oder werden ausgesetzt. Insbesondere Schmuckschildkröten wurden in grosser Zahl als Jungtiere importiert und in den Handel gebracht. Kaum werden sie grösser und die Haltung komplizierter, werden die Tiere im Stich gelassen.»

Auch Tanja Dietrich, Mediensprecherin vom Zoo Basel, sieht das ähnlich: «Die Leute kaufen sich die Schildkröten, wenn sich noch klein und herzig sind. Kaum werden sie grösser und sind ausgewachsen, werden sie ausgesetzt.» Das Aussetzen solcher Tiere ist verboten und bedeutet eine Faunenverfälschung. «Wenn jemand die Tiere nicht mehr selber betreuen kann, gehört es zur Verantwortung des Halters, für sie eine geeignete Unterbringung zu suchen. Die Zoos können nicht alle Tiere bei sich aufnehmen», so Zingg.

Dass es sich um eine freilebende Schildkröte handelt, die im Rhein einen Schwumm wagte, schliesst der Senior Curater des Zürcher Zoos aus: «Es gibt in der Schweiz schon ein paar Standorte, wo die Europäische Sumpfschildkröte zu Hause ist. Sie bewohnt aber kleinere Gewässer und nicht so grosse Flusssysteme. Der Rhein ist in diesem Abschnitt nicht gerade ideal für diese Tiere.»

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