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Pandemie vs. Weiterbildung«Diese Begründung ist doch ein Witz»

Laut einem Informanten finden trotz Pandemie bei der Kantonspolizei St. Gallen Weiterbildungen mit engem körperlichen Kontakt statt. Er findet das bedenklich. Die Polizei sagt, das müsse im Sinne der öffentlichen Sicherheit eben sein.

von
Jeremias Büchel
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Ein Mitarbeiter der Kapo St. Gallen ist wegen Weiterbildungskursen während der Pandemie unzufrieden (Symbolbild) 

Ein Mitarbeiter der Kapo St. Gallen ist wegen Weiterbildungskursen während der Pandemie unzufrieden (Symbolbild)

Leo Butie/20min
An den Kursen wurde auch Erste Hilfe-Trainings gemacht. Das war für den Informanten in Ordnung, da die Puppen desinfiziert werden und Abstände eingehalten. (Symbolbild)

An den Kursen wurde auch Erste Hilfe-Trainings gemacht. Das war für den Informanten in Ordnung, da die Puppen desinfiziert werden und Abstände eingehalten. (Symbolbild)

polizeischule-ostschweiz.ch
Auch Übungen am Taser fand er noch ok, da dort der Abstand ebenfalls eingehalten wurde. (Symbolbild)

Auch Übungen am Taser fand er noch ok, da dort der Abstand ebenfalls eingehalten wurde. (Symbolbild)

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Darum gehts

  • Ein Informant beschwert sich über Weiterbildungskurse der Kapo SG.

  • Dabei seien in einem geschlossenen Raum Übungen mit engem Körperkontakt durchgeführt worden.

  • Während den Übungen wurden Schutzmasken getragen.

  • Der Leser findet das dennoch verantwortungslos.

  • Die Kapo entgegnet, es gehe bei den Kursen um die Sicherheit der Mitarbeiter.

  • Ausserdem müsse zur Einhaltung der öffentlichen Sicherheit gewisse Trainings regelmässig wiederholt werden.

Kürzlich führte die Kantonspolizei St. Gallen interne Weiterbildungen mit 20 bis 30 Personen aus diversen Regionen des Kantons durch. Ein Informant, der sich anonym an 20 Minuten wandte, empfindet das in Zeiten der Pandemie als suboptimal: «Die Gastronomie bleibt geschlossen, mehr als zehn Personen dürfen sich nicht treffen, auf Kontakte sollte man verzichten, aber die Kapo führt Ausbildungskurse durch.» Das sei doch ein Witz, meint er weiter. Begründet werde die Durchführung des Kurses mit dem Argument «Aufrechterhaltung der Einsatzbereitsschaft». Für ihn unverständlich, da die Ausbildung vor drei bis fünf Monaten schon einmal durchgeführt worden sei.

Enger Kontakt bei Übungen

Stein des Anstosses ist für den Informanten ist der Ausbildungsteil «Persönliche Sicherheitsinstruktion (PSI)». Dabei sei man für rund 90 Minuten mit 10 – 15 Personen in einem engen Raum, mache Sport und komme ins Schwitzen. «Man trainiert Griff- und Hebeltechniken sowie Verteidigungstechniken.» Dabei werde kein Abstand eingehalten, dafür werden Schutzmaschen, Brillen und lange Bekleidung getragen. «Doch wenn während der anderthalb Stunden nur ein Positiver im Raum ist, ist das doch sehr fragwürdig». Die Person erklärt sich die Durchführung der Kurse damit, dass die Kursleiter sonst wohl keine Arbeit hätten.

Ausbildungen für Sicherheit notwendig

Die Kantonspolizei St. Gallen sagt auf Anfrage, dass im Frühling nach Ausbreitung des Corona-Virus alle Ausbildungen mit Körperkontakt, wozu insbesondere Teile der sicherheitspolizeilichen Ausbildungen gehören, bei ihnen vorerst abgesagt wurden. «Als klar wurde, dass die Pandemie noch länger anhalten wird, wurde entschieden, die absolut notwendigen Ausbildungen wieder durchzuführen», so der Leiter Kommunikation Hanspeter Krüsi. «Dieser Entscheid umfasst unter anderem die Ausbildungen, die der Erhaltung der Einsatzbereitschaft unseres Korps und letztlich der Sicherheit unserer Mitarbeitenden dienen», so Krüsi weiter. In den angesprochenen Ausbildungen würden Dinge geübt, die man nicht nur einmal lernen könne; es sei wichtig, das Erlernte regelmässig zu wiederholen und zu üben. Es gehe in diesem Zusammenhang um Automatismen, die einer ständigen Repetition bedürfen. Nur so würden sie «blind beherrscht» und die Führung der Kantonspolizei könne die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Mitarbeitenden ihren Dienst an der Bevölkerung unter Wahrung der eigenen Sicherheit ausüben können.

Keine Coronafälle bekannt

Überall dort, wo sich mehrere Personen zu Ausbildungen zusammenfinden, seien gewisse Ansteckungsgefahren vorhanden. «Wir haben aber bei allen Ausbildungen ein umfassendes Schutzkonzept, das durch die Instruktoren überwacht und von allen Teilnehmenden eingehalten werden muss», sagt Krüsi. Es sei kein einziger Fall einer Ansteckung während einer solchen Ausbildung bekannt geworden.

Übrigens werde das nicht nur im Korps der Kantonspolizei St.Gallen so umgesetzt, sondern auch in den meisten Schweizer Polizeikorps. «Diese Haltung wird insbesondere von allen Kommandanten des Ostschweizer Polizeikonkordats mitgetragen», sagt Krüsi.

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