08.07.2020 03:00

#FakePandemicDas denken Erkrankte über Corona-Skeptiker

Nur ein Grippe oder ein Freipass zur Zerstörung der Demokratie: Covid-19-Patienten sagen, was sie von der Corona-Skepsis halten.

von
Daniel Waldmeier

Keine Erfindung: Corona-Patientin Laura Mejias (25) äussert sich zu den Corona-Skeptikern.

20 Minuten

Darum gehts

  • 1686 Personen starben in der Schweiz an Corona.
  • Einige Infizierte überlebten knapp. Sie haben einen langen Leidensweg hinter sich.
  • Für die Behauptung, es handle sich bei der neuen Lungenkrankheit nur um eine Grippe, haben sie kein Verständnis.

In den sozialen Netzwerken kursieren unter Hashtags wie #FakePandemic oder #Fearporn zuhauf Posts von Corona-Skeptikern. Einige wittern im Notrecht den Versuch, die Meinungsfreiheit einzuschränken, eine Diktatur zu installieren und die Bevölkerung durchzuimpfen. Andere glauben, Corona gebe es schon lange. Die Erkrankung sei nicht schlimmer als eine Grippe, die Weltgesundheitsorganisation und Bill Gates dramatisierten die Situation aus Eigeninteresse. Doch was sagen Menschen zu diesen Theorien, die das Virus schlimm erwischt hat?

«Ein Hohn für uns Covid-Patienten»

Marcus Hasler (69) aus dem Kanton Aargau lag ab dem 22. März zwei Wochen lang im Koma. Nach der Rückkehr aus den Ferien wurde er positiv auf Covid-19 getestet. Er zog sich zehn Tage ins Gartenhaus zurück – bis er dem Tod nahe war. Er landete auf der Intensivstation des Kantonsspitals Aarau, verlor 11 Kilogramm Gewicht. Noch immer leidet er an den Folgen: Das Schlimmste sei die Müdigkeit, der Geschmackssinn sei weg. «Ich kann eine Peperoncini essen – und merke nichts.»

«Die steigenden Fallzahlen bereiten mir Sorge. Vor allem, weil es immer noch Leute gibt, die sagen, es sei nur eine Grippe. Wer die heimtückische Krankheit hatte, würde nie so sprechen. Wenn ich die Corona-Skeptiker sprechen höre und demonstrieren sehe, ist das ein Hohn für alle Patienten mit einem schweren Verlauf. Und für die Hinterbliebenen, deren Angehörige es nicht geschafft haben. Ein Reporter wurde an einer Demonstration gefragt, warum er eine Maske trage. Wenn ich solche Dinge höre, frage ich mich, was solche Leute studieren.

Ich glaube nicht, dass der Bund und Kantone die Massnahmen beschlossen haben, um die Meinungsfreiheit einzuschränken, wie das die Verschwörer behaupten. Sobald es möglich war, haben alle Staaten so schnell wie möglich die Massnahmen wieder gelockert. Wenn ich Fotos von Partys sehe, bei dem die Gruppen ihre Köpfe zusammenstecken, ist das aus der Sicht eines Erkrankten unverständlich. Die Politik ist das eine – aber wir haben es mit unserem Verhalten selbst in der Hand, die unkontrollierte Verbreitung des Virus zu verhindern.»

Der Aargauer Marcus Hasler sprang dem Tod von der Schippe.

Der Aargauer Marcus Hasler sprang dem Tod von der Schippe.

Tele M1

«Leute leiden und sterben»

Die Genferin Laura Mejias (25) steckte sich im März wohl am Flughafen an – und entwickelte schwere Symptome. Obwohl sie keinerlei Vorerkrankungen hat und topfit ist, hatte sie Atemnot, starke Gliederschmerzen und verlor den Geschmackssinn. Es geht ihr besser, doch auch sie leidet noch immer unter den Nachwirkungen, etwa wenn sie Sport macht.
«Ich verstehe es, dass einige sagen, Covid-19 sei nicht schlimmer als eine Grippe, weil die Krankheit nicht bei allen einen schweren Verlauf nimmt. Aber die Leute, die es sagen, haben das Virus nur mit schwachen Symptomen erlebt. Darum glaubt man Leuten wie mir nicht, die es hart traf. Zu den Verschwörern sage ich: Das Virus ist kein Spass, es ist keine Lüge, sondern existiert wirklich. Es gibt Leute, die daran sterben, die leiden, die ihren Job verlieren.

Auch ich finde die Massnahmen des Bundesrates nicht sinnvoll – aber weil sie halbbatzig sind. Wir müssen 1,5 Meter Abstand halten, dürfen aber in den Club gehen, wo wir alle aufeinander hocken. Im ÖV müssen wir eine Maske tragen, aber im Coop oder der Post braucht man keine mehr. Das wird die Verbreitung nicht verhindern. Wer etwa behauptet, die Regierungen nutzen Corona, um eine Diktatur zu installieren, irrt. Wir sind eher frei. Vielmehr regiert das Geld: Man macht alles wieder auf und riskiert, dass sich das Virus wieder verbreitet. Selbst ich kann nicht sicher sein, dass ich immun bin. Ich habe Angst vor einer zweiten Welle.»

«Wer mitmacht, handelt feige»

Marco Solari (76), der Präsident des Filmfestivals Locarno, wurde am 10. März notfallmässig ins Spital eingeliefert – mehrere Tage lang lag er auf der Intensivstation, während neben ihm Menschen starben. Er überlebte, die Bilder vergisst er aber nicht mehr. Inzwischen organisiert er wieder das Festival, einen 100-Meter-Lauf macht er aber nicht mehr. Zu den Corona-Leugnern hat er eine deutliche Meinung.

«Es gibt in der Geschichte furchtbare Katastrophen, die geleugnet werden. Auch die Verleugnung der Corona-Pandemie grenzt an geistige Demenz. Es gibt keine Worte, die stark genug wären, um die Äusserungen von einigen Frustrierten zu geisseln. Wenn ich den Unsinn höre, der in (zu) vielen Blogs und sozialen Medien verbreitet wird, frage ich mich, ob sie die Krankheit erst selbst erleben müssen. Die schrecklichen Bilder aus Bergamo, als die Leichen mit dem Camion abtransportiert wurden, haben sich ins Gedächtnis gebrannt. Wer sagt, das alles sei halb so schlimm gewesen, verhöhnt die Toten. Ich verschwende nicht die Zeit, um mich mit dem Unsinn zu befassen. Früher blieb das Gerede am Stammtisch, jetzt wird es grenzenlos weiterverbreitet. Wer hier mitmacht – oft noch unter einem Pseudonym – handelt feige.»

Marco Solari ist wieder auf dem Damm.

Marco Solari ist wieder auf dem Damm.

KEYSTONE

Armando Norinha (60) wurde am 8. März ins Spital eingeliefert, 17 Tage lang musste er dort bleiben. Eine Woche lang lag er auf der Intensivstation. Auch der Bruder wurde ins künstliche Koma versetzt und kämpfte um sein Leben. Heute geht es beiden wieder gut.

«Die Leute, die Corona leugnen, haben es nicht am eigenen Leib erfahren. Wenn man im Spital liegt, gibts nur noch zwei Optionen: Entweder es wird besser, oder man stirbt langsam. Schlimm daran ist, dass es keine Medikamente gibt, die zuverlässig wirken. Wer Corona verharmlost, ist respektlos gegenüber den Ärzten und dem Pflegepersonal, die am Ende die Arbeit haben.»

Armando Norinha (60).

Armando Norinha (60).

zvg

Arzt warnt vor «dramtischen Einschnitten durch drohende Notstandsverlängerung»

«Corona is a fantasy», schreibt ein Allgemeinfacharzt in einem E-Mail an die Medien. Coronaviren seien schon in den Vorjahren herumgegangen. Im März 2020 seien «schwerwiegende Fehlbeurteilungen gemacht» worden. Das könne passieren. Aber: «Hören wir sofort auf damit und verscheuchen die Angst», schreibt der Arzt. Eine bessere Abwehr durch Schlaf, gute Laune und Vitamin D3 seien die ersten logischen Massnahmen. Der Arzt hat auch einen offenen Brief an die Parlamentarier der eidgenössischen Räte geschrieben. Darin heisst es unter anderem, das Coronavirus sei «harmloser als eine normale Grippe». Er fordert das Parlament auf, die Überführung der Corona-Notverordnungen des Bundesrates in ein Bundesgesetz abzulehnen. Es grenze «an Fahrlässigkeit, das bestehende Notstandsrecht bis 2022 zu verschärfen. Er fürchtet sich vor massiven Einschränkungen etwa der Pressefreiheit oder warnt vor einer Impfpflicht. Lebe man in der Angst weiter, habe das dramatische wirtschaftliche, psychische oder soziale Folgen. «Wahrheit und Verhältnismässigkeit sind dringen nötig.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
155 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Wahnsinn

09.07.2020, 14:38

Leute, man kann sich sehr wohl sein Immunsystem gegen Corona mit hochwertigen Mikronährstoffen hochfahren!

Genug

08.07.2020, 06:59

Ihr wird nur noch eine Meinung zugelassen. Ich warte auf den Tag x!

Jojo

08.07.2020, 06:52

Stofmasken helfen nichts Bitte Leute kein Backterie halten die auf mit einer Stofmaske könnt ihr gleich keine tragen. Ihr schützt so weder euch noch Mitmenschen