Nicht nur Banken: Diese Branchen halten unsere Wirtschaft fit
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Nicht nur BankenDiese Branchen halten unsere Wirtschaft fit

Die Banken tragen nur rund vier Prozent zur Wertschöpfung in der Schweizer Wirtschaft bei. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen ist das wenig.

von
Sabina Sturzenegger

Die Wertschöpfung der Schweizer Banken sinkt. Ende 2012 betrug sie noch 35 Milliarden Franken, was einem Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) von sechs Prozent entspricht. Neue Zahlen der Konjunkturforschungsstelle Liechtenstein zeigen nun, dass der Anteil des Bankensektors am BIP nur noch vier Prozent beträgt.

Dies berichtete das Wirtschaftsmagazin «Eco» des Schweizer Fernsehens SRF. Ein Blick in die Statistik zeigt aber auch: Es gibt in der Schweiz viele Wirtschaftszweige, die mehr Wertschöpfung erzeugen als der Bankensektor. Und es gibt viele Branchen, die ebenso viel zum Bruttoinlandprodukt beitragen, wie die Banken.

Industrie und Handel führend

Gemäss den Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) steuert das verarbeitende Gewerbe, also die gesamte Industrie in der Schweiz, mit 18,2 Prozent den grössten Anteil ans BIP bei. Darunter fällt auch die Pharmaindustrie mit einer Bruttowertschöpfung von vier Prozent.

Der Bereich Handel, zu dem auch der Detail- und Autohandel zählen, trägt mit 16 Prozent ebenfalls einen hohen Anteil zum BIP bei. Der Detailhandel macht 4,5 Prozent aus. Nach der öffentlichen Verwaltung (10,4 Prozent) fällt auch das Gesundheits- und Sozialwesen mit einem Anteil von 6,5 Prozent am BIP noch ins Gewicht. Das Baugewerbe weist gemäss BFS einen Wertschöpfungsanteil von 5,7 Prozent aus.

Wer ist wichtiger für die Wirtschaft?

Werner Messmer, Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes, stört sich deshalb daran, dass die Banken «nach wie vor die politische Agenda dominieren», wie er gegenüber «Eco» erklärte. Damit ist die Diskussion um die wirtschaftliche Bedeutung der Banken für unser Land lanciert: Sind die Banken gar nicht so wichtig für die Schweizer Wirtschaft?

Mathias Binswanger, Volkswirtschaftsprofessor an der Fachhochschule Nordwestschweiz relativiert: «Der Bankensektor ist und bleibt ein wichtiger Wirtschaftszweig in der Schweiz.» Der Finanzsektor trage hierzulande immer noch sehr viel mehr zur Wertschöpfung bei als in anderen Ländern.

Wertschöpfung pro Mitarbeiter

«Zudem», erklärt Binswanger, «ist die Wertschöpfung pro Beschäftigtem in der Finanzindustrie überdurchschnittlich hoch.» Hier zeigt die Statistik des Bundes: Ein Vollzeitbeschäftigter in der Finanzbranche erzielt über 200'000 Franken an Wertschöpfung. Eine deutlich höhere Wertschöpfung pro Beschäftigtem weist mit über 500'000 Franken die Pharmabranche aus. Ähnlich gelagert wie die Finanzdienstleistungen sind die Telekombranche und die Forschung.

Für eine Aussage zur Wichtigkeit der Wirtschaftszweige müsse man auch beachten, welche Branche am meisten Arbeitsplätze schaffe, sagt Binswanger. «Aus dieser Warte sind die Bildung und der Gesundheitssektor die führenden Wirtschaftszweige in der Schweiz, obwohl sie nicht die höchste Wertschöpfung ausweisen», erklärt er.

Nur ein Faktor

Alles in allem gelte es für eine Volkswirtschaft, einen guten Mix der Branchen zu erzielen, sagt Binswanger. «Erst die Kombination von Branchen wie den Banken, die eine hohe Wertschöpfung pro Beschäftigtem erzielen und beschäftigungsintensiven Branchen wie dem Gesundheitswesen ermöglicht es, Wachstum mit Vollbeschäftigung zu erreichen.»

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