«Gegen Diskriminierung» - Restaurant Seehuis in Giswil OW schliesst Innenräume

«Gegen Diskriminierung»Restaurant Seehuis in Giswil OW schliesst Innenräume

Für öffentlich zugängliche Einrichtungen wie Restaurants und Fitnesscenter braucht es ab Montag ein Zertifikat. 20 Minuten berichtet laufend vom ersten Tag der neuen Schutzmassnahmen.

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Newsdesk

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Montag, 13.09.2021

Seehuis in Giswil schliesst Innenräume

Das Restaurant Seehuis in Giswil OW schliesst aufgrund der neu geltenden Zertifikatspflicht seine Innenräume. Auf Terrassen gilt nach wie vor keine Zertifikatspflicht. Auf seiner Webseite schreibt das Seehuis: «Egal ob (un)geimpft, (nicht) getestet, genesen, gesund, männlich, weiblich, divers, gross, klein, dick oder dünn, (Nicht-)Raucher, alt, jung, (un-)sportlich, blond, braun, rot, schwarz oder weiss, mit oder ohne Zertifikat: Auf unserer gemütlichen Terrasse sind alle herzlich willkommen.»

Das Seehuis sei «gegen Diskriminierung» und schliesse darum die Restaurant-Innenräume für alle bis auf Weiteres.

Präsidenten des NR und SR wollen Zertifikatspflicht für Politiker

Auch im Bundeshaus soll die Zertifikatspflicht rasch eingeführt werden. So haben die Präsidenten der beiden Ratskammern – Alex Kuprecht (Ständerat) und Andreas Aebi (Nationalrat), beide SVP – beschlossen, heute Montag zum Sessionsbeginn ein Eilverfahren in die Wege leiten.

Für die Zertifikatspflicht braucht es auch bei Annahme eine Gesetzesänderung. Somit würde die Pflicht rechtlich frühestens ab der dritten Sessionswoche gelten, schreibt die «NZZ». National- und Ständeräte brauchen gemäss der jetzt noch geltenden Regelung kein Covid-Zertifikat, um ins Bundeshaus zu kommen.

Tierpark Dählhölzli hebt Beschränkungen auf

Der Berner Tierpark Dählhölzli hebt aufgrund der ab heute geltenden Zertifikatspflicht einige bisher geltende Beschränkungen auf.

  • Kommentierte Fütterungen bei Seehund und Papageitaucher werden wieder durchgeführt.

  • Die Urwaldvoliere ist wieder geöffnet.

  • Die Maskenpflicht ist in allen Tierhäusern aufgehoben.

  • Der mehrmalige Eintritt in den Dählhölzli-Zoo ist wieder möglich (bitte das Zertifikat und den Ausweis wieder vorweisen).

  • Alle Einbahnsysteme werden aufgehoben.

  • Der Weg zwischen Seehunde und Elch ist wieder für alle zugänglich.

  • Das Besucherlimit im Vivarium wird in einem ersten Schritt auf 200 Personen angehoben.

Live im Gym, Bundeshaus und im Restaurant

20 Minuten berichtet am Montagvormittag in einer Live-Sendung aus dem Studio, aus dem Bundeshaus und vom Flughafen über die Einführung der erweiterten Zertifikatspflicht.

Carlo Eichenberger vom Ladies Gym hat bisher gute Erfahrungen mit der Änderung gemacht: «Wir haben bisher keine Probleme. Am Morgen sind normalerweise ohnehin die älteren Kundinnen da und da sind die meisten geimpft.»

Im Bundeshaus ist bei der Herbstsession, die heute beginnt, kein Zertifikat nötig. «Wir sind ein normaler Arbeitsort», sagt Barbara Steinemann (SVP). «Das Bundeshaus ist kein Restaurant und auch kein Zoo.

Die SP befürwortet dagegen die Zertifikatspflicht im Bundeshaus. «Wir haben uns in der Fraktion selber eine Zertifikatspflicht auferlegt», sagt Sarah Wyss (SP). Sowohl die SP- als auch die SVP-Frau haben selber ein Zertifikat.

Sozialwissenschaftler Marko Kovic sagt dazu: «Es wäre wichtig, denn Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben auch eine Vorbildfunktion.»

Am Zürcher Hauptbahnhof wurde im Vorfeld mit einem grossen Ansturm auf das Testcenter gerechnet. «Wir haben heute einen grossen Andrang», sagt Timothy von Landskron von der Apotheke Dr. Stoffel, die die Testungen durchführt. Die Kapazitäten wurden darum erweitert.

Noch nicht viel mit dem Zertifikat zu tun hatte Simon Walser im Restaurant Portofino. Das hat mit dem schönen Wetter zu tun – draussen gilt die Zertifikatspflicht nicht – und damit, dass die Mittagszeit erst beginnt. Walser sieht der neuen Schutzmassnahme zuversichtlich entgegen. «Wir geben unser Bestes», sagt er. «Die Polizei war noch kurz da und hat uns daran erinnert.»

Restaurant im Rheintal schliesst wegen Zertifikatspflicht

Das Restaurant Braui in Berneck SG hat wegen der neu eingeführten Zertifikatspflicht beschlossen, sein Lokal per 13. September zu schliessen. Das Wirtepaar, Eltern von SVP Nationalrat Mike Egger, entschied sich, in den Vorruhestand zu gehen.

«Die Philosophie, alle Gäste gleichermassen bedienen zu können, kann mit der Zertifikatspflicht nicht mehr weitergelebt werden». so Mike Egger zu 20 Minuten. Es hätte familienintern jemanden gegeben, der sich eine Übernahme des Restaurants hätte vorstellen können, doch mit den derzeit geltenden Corona-Bestimmungen seien die Unsicherheiten dafür zu gross und das Risiko einfach zu hoch.

Die Familie will nun bis Ende Jahr alle Möglichkeiten prüfen, wie es mit dem Braui-Areal weitergehen könnte.

Sitzstreik vor Uni Bern

Am Montagmorgen machten Studierende aber auch Anhänger und Anhängerinnen der Gruppierungen «Mass-Voll» und «Freunde der Verfassung» vor dem Hauptgebäude der Universität Bern ihrem Ärger Luft. Rund 50 Personen protestierten mit einem Sitzstreik gegen die aktuelle Regelung der Universität Bern: Dort gilt zwar bei wiederkehrenden Lehrveranstaltungen auf Bachelor- und Masterstufe keine Zertifikatspflicht, jedoch für die Nutzung von Leseplätzen sowie einzelne Uni-Anlässe wie Besprechungen, Weiterbildungs-Events, Workshops und Sitzungen und Treffen von Studierenden oder Uni-Mitarbeitenden.

20m

«Ich bin sogar bereit eine Maske zu tragen, aber es kann nicht sein, dass ich gezwungen werde, mich auf eigene kosten alle drei Tage testen zu lassen – das kann ich mir nicht leisten», begründete ein junger Mann seinen Protest. Andere sprachen von einer Verletzung des Rechts auf Bildung. Die Kantonspolizei Bern war mit rund zehn Personen vor Ort und beobachtete den Protest aus der Ferne.

Widerstand angekündigt

Für den heutigen Tag haben Hunderte Betriebe angekündigt, sich den neuen Regeln nicht zu beugen. 20 Minuten begleitet dich durch den Tag mit Liveschaltungen aus der ganzen Schweiz. Nimmt die Nachfrage bei Testzentren zu? Wie sieht es dort aus, wo Zertifikate kontrolliert werden? Und welche Bilanz ziehen Unternehmen nach dem ersten Tag der neuen Massnahmen – verfolge hier laufend alle Updates.

Das gilt

An der Pressekonferenz vom Mittwoch, 8. September, informierte der Bundesrat über die Ausweitung der Zertifikatspflicht. Um eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden, treten ab Montag, 13. September folgende Regeln in Kraft:

  • Die ausgeweitete Zertifikatspflicht gilt für Personen ab 16 Jahren und ist vorerst befristet bis zum 24. Januar 2022 gültig.

  • An Veranstaltungen in Innenräumen gilt eine Zertifikatspflicht (z.B. Konzerte, Theater, Kino, Sportveranstaltungen und Privatanlässe wie Hochzeiten in öffentlich zugänglichen Lokalen).

  • Von der Zertifikatspflicht ausgenommen sind religiöse Veranstaltungen sowie Anlässe zur politischen Meinungsbildung bis maximal 50 Personen.

  • Bei Veranstaltungen im Freien gelten die bisherigen Regeln: Für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen besteht eine Covid-Zertifikatspflicht, kleinere Veranstaltungen im Freien können selber über eine Beschränkung entscheiden.

  • Die Zertifikatspflicht gilt ab Montag, 13. September neu auch in Innenräumen von Bars, Restaurants, Zoos, Kinos, Fitnesscenter, Hallenbäder und Casinos ect.

  • Wer sich ohne Zertifikat an diesen Orten aufhält, kann mit einem Betrag von 100 Franken gebüsst werden.

  • Einrichtungen, die die Pflicht missachten, drohen Bussen von bis zu 10’000 Franken oder gar die Schliessung der Betriebe.

  • Auf Terrassen von Restaurants beispielsweise ist weiterhin kein Zertifikat nötig.

Für die kommenden Herbstferien soll ein wirksames Einreiseregime etabliert werden. Wie das genau aussehen soll und ob es wieder zu einer Einreisequarantäne kommt, klären Bund und Kantone in den nächsten Woche.

Gewalt nimmt zu

Seit der Ankündigung der Zertifikatspflicht häufen sich Gewalt und Vandalismus von Massnahmen-Gegnern. In den letzten Tagen attackierten Massnahmen-Gegner einen Journalisten, beschmierten ein Restaurant mit Blut, stürmten ein Spital und drohten mit einem Amoklauf. Sozialwissenschaftler Marko Kovic warnt vor der «gewaltbereiten Speerspitze» der Massnahmen-Gegner.

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