25.08.2020 17:43

MDMA, Xanax, Gras und Co. Diese Drogen kann man bald gratis in Luzern testen lassen

Bald eröffnet das Projekt Drogeninformation Luzern seine Tore. Konsumenten können dort ihre Drogen testen lassen und erhalten eine Beratung.

von
Nathan Keusch
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Der Verein Kirchliche Gassenarbeit Luzern eröffnet am 14. September eine Drug-Checking-Station an der Murbachstrasse.

Der Verein Kirchliche Gassenarbeit Luzern eröffnet am 14. September eine Drug-Checking-Station an der Murbachstrasse.

KEYSTONE
Ecstasy-Pillen sehen meist harmlos aus. Was aber genau drin ist, kann man als Konsument kaum wissen.

Ecstasy-Pillen sehen meist harmlos aus. Was aber genau drin ist, kann man als Konsument kaum wissen.

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Sind die Pillen gestreckt oder zu hoch dosiert, kann dies beim Konsum unschöne Nebenwirkungen mit sich ziehen.

Sind die Pillen gestreckt oder zu hoch dosiert, kann dies beim Konsum unschöne Nebenwirkungen mit sich ziehen.

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Darum gehts:

  • Ab September wird in Luzern ein Drug Checking angeboten.
  • Konsumenten können die genaue Zusammensetzung ihres Stoffs untersuchen lassen.
  • Neben chemischen Drogen soll auch gestrecktes Gras getestet werden.
  • Das DILU startet sein Pilotprojekt mit einem überschaubaren Angebot.

Wer sich vom Dealer ein paar Pillen oder Trips für die nächste Fete geholt hat, aber keine Lust auf böse Überraschungen hat, kann sich seinen Stoff in Zukunft auch in Luzern an der Murbachstrasse testen lassen. Der Verein Kirchliche Gassenarbeit startet am 14. September das dreijährige Pilotprojekt Drogeninformation Luzern (DILU), das ein Drug Checking Service anbieten wird.

Das Angebot des DILU soll anonym und kostenlos sein. Freizeitkonsumierende sollen ihre Substanzen in Zukunft vorgängig auf ihre genaue Zusammensetzung untersuchen lassen können, um die damit verbundenen Risiken besser abschätzen zu können.

«Grundsätzlich gibt es keinen Konsum ohne Risiko», warnt Nadine Hasler, stellvertretende Projektleiterin des DILU. Deshalb sei mit dem Drogentest auch immer ein Beratungsgespräch verbunden. «Wir klären die Leute über die Inhaltsstoffe auf und sensibilisieren sie darauf, ihren Konsum in einem geschützten Setting durchzuführen.» Falls sich bei einem solchen Gespräch ein problematischer Umgang mit gewissen Substanzen zeigt, werden Klienten mögliche Beratungsstellen aufgezeigt.

Auch Gras kann getestet werden

Das DILU werde in erster Linie auf chemische Drogen wie MDMA spezialisiert sein. Aber auch gestrecktes Gras soll getestet werden können. Das gefährliche Marihuana verbreitet sich in letzter Zeit in der Schweiz. Hasler: «Wir gehen auf den Trend von synthetischen Cannabinoiden ein.» Die Analyse von psychoaktiven Pflanzen sei aber um einiges schwieriger als bei rein chemischen Produkten. Hasler rät Menschen, die Cannabis konsumieren den Joint nach zwei, drei Zügen beiseite zu legen und 15 Minuten zu warten. Falls extreme Reaktionen auftauchen sollte nicht weiter geraucht werden.

Ein weiterer Trend, dem das DILU entgegenwirken möchte, ist der Missbrauch von Medikamenten wie Xanax oder codeinhaltigen Hustensäften. Gerade wenn Konsumenten von rezeptpflichtigen Präparaten auf Angebote aus dem Schwarzmarkt wechseln, könne dies Gefahren bergen: «Die Substanzen vom Schwarzmarkt haben oft andere Inhaltsstoffe oder eine andere Dosierung. Damit kommt die Gefahr einer Überdosis ins Spiel», sagt Hasler. Medikamente vom Schwarzmarkt sollen ebenfalls getestet werden können. Eine Liste mit den testbaren Substanzen findet man hier.

Start mit kleinem Angebot

Alle 14 Tage sollen Konsumenten jeweils am Montag ihre Proben vorbeibringen können. Drei Tage später sollen sie telefonisch über die Zusammensetzung der Probe informiert werden. Das Drug Checking startet mit einem relativ kleinen Angebot in Luzern. Alle zwei Wochen können fünf Tests durchgeführt werden. Eine genaue Analyse psychoaktiver Substanzen sei aufwändig und teuer. Dazu arbeite das DILU mit dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Basel zusammen, sagt die Geschäftsleiterin der Gassenarbeit Luzern, Franziska Reist.

Aber nicht nur der Aufwand, sondern auch die Nachfrage bestimmt das Angebot: «Wir erwarten am Anfang keine eingerannten Türen», erklärt Hasler. Sie weiss, dass ein Drug Checking etwas Zeit braucht, damit die Drogenszene dem Angebot vertraut. «Die Leute müssen merken, dass das Angebot vollkommen anonym ist und man nicht gleich von der Polizei eingepackt wird, wenn man seine Drogen bei uns testen lässt.» Nachdem eine anfängliche Berührungsangst abgebaut sei, würden die Leute ihren Stoff gerne testen lassen. Dies zeigt laut Hasler der grosse Bedarf, den das Drogeninformationszentrum in Zürich seit einiger Zeit verspürt.

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128 Kommentare
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Polymaniac

26.08.2020, 03:34

Ich mische sowieso immer Speed mit Benzos. Und gebe noch ein paar Tropfen Acid dazu. Das neutralisiert sich gegenseitig. Lackmustest ergibt jedenfalls pH=7.

Komisch

26.08.2020, 03:31

Wenn sich schon jeder legal mit Alkohohl die Kante geben kann, sollten Xanax und Valium gratis abgegeben werden!

KeinJunk

25.08.2020, 21:35

Wer bezahlt die ( gratis ) Tests, und wo, und wie werden die ( Daten ) ausgwertet?