Lästig: Diese Falle zieht Wespen magisch an

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LästigDiese Falle zieht Wespen magisch an

Mit seiner Mixtur hat Dominik Landwehr ins Schwarze getroffen. Die Wespen, die es ansonsten auf seine Trauben abgesehen hatten, wurden magisch angezogen. Ein Experte klärt auf, ob man Wespen überhaupt töten darf.

von
Leo Butie

Die Mischung im Suppenteller ist vielleicht sogar etwas zu beliebt bei den Wespen.

Dominik Landwehr

Darum gehts

  • Ein Video einer selbst gemachten Wespenfalle sorgt auf Facebook für Diskussionen.
  • Der Macher wollte damit die Wespen von seinen Trauben fernhalten.
  • Er war selbst erstaunt, wie gut es funktionierte.
  • Wespen sind ein wichtiger Teil des Ökosystems.
  • Einen kleinen Teil zu töten, sei aber nicht gravierend.

Eine Masse an Wespen hat sich im Suppenteller angesammelt. Die Mixtur, die sich im Teller befindet, zieht die Tiere fast magisch an. Auf dem Video sieht man, wie immer mehr Wespen hinfliegen und anschliessend ertrinken.

Eine solch effiziente Falle zu erschaffen, war gar nie die Idee des Machers. «Ich habe den Teller als alternative Futterquelle hingestellt», so Erfinder Dominik Landwehr. In seinem Garten wachsen Trauben, die ansonsten von den Wespen verzehrt werden. Er habe nur die Tiere von den Trauben fernhalten wollen.

Durch Ausprobieren ist er auf das sehr erfolgreiche Rezept gestossen. «Man weiss ja, dass Wespen Fleisch und Süsses lieben», sagt Landwehr. Zu Beginn war es eine Mischung aus Süssmost und Zucker, das habe bereits sehr gut funktioniert. Die Geheimwaffe sei aber Fleischbouillon. Nach der Zugabe der Fleischkomponente seien besonders viele Wespen angezogen worden.

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Mit einer Mixtur aus Süssmost, Zucker und Fleischbouillon schaffte es Dominik Landwehr, massenhaft Wespen anzulocken.

Mit einer Mixtur aus Süssmost, Zucker und Fleischbouillon schaffte es Dominik Landwehr, massenhaft Wespen anzulocken.

Privat
Dank dem milden Winter haben dieses Jahr viele Wespenköniginnen überlebt, die somit auch mehr Wespenkolonien gründen konnten.

Dank dem milden Winter haben dieses Jahr viele Wespenköniginnen überlebt, die somit auch mehr Wespenkolonien gründen konnten.

Getty Images/iStockphoto
Nur die Gemeine und die Deutsche Wespe werden von süssen oder eiweisshaltigen Nahrungsmitteln angezogen.

Nur die Gemeine und die Deutsche Wespe werden von süssen oder eiweisshaltigen Nahrungsmitteln angezogen.

KEYSTONE

Mit Stützen ausgebessert

Ein Video der Falle hat Landwehr auch auf Facebook gepostet und dafür böse Kommentare erhalten. Es wurde kritisiert, dass er damit massenhaft Tiere tötet, weil sie ertrinken. Mit der hohen Resonanz auf sein Video habe er nicht gerechnet. «Ich habe die Falle aber dementsprechend angepasst und Steine als Stützen in die Schale gegeben», erzählt Landwehr. Er habe die Tiere ja nicht primär töten wollen. Sein Ziel, dass seine Trauben in Ruhe gelassen werden, sei auch so erreicht.

Wespen werden als Nützlinge unterschätzt

Es sei unbedenklich, wenn einige dieser Wespen zu Tode kommen, sagt Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums St. Gallen. «Auch falls mal ein Nest ausgeräuchert wird, ist es nicht gravierend», meint Bürgin. Die Zahl der Sozialen Wespenarten, beispielsweise die Gemeine Wespe oder die Deutsche Wespe, ist stabil. Dies sind die Wespenarten, die den Menschen lästig werden und für unangenehme Stiche sorgen. «Doch auch diese Arten sind ein wichtiger Teil des Ökosystems», so Bürgin.

Man sollte trotzdem nicht aktiv auf Wespenjagd gehen, denn einige Arten sind in der Schweiz gefährdet. «Bei anderen Wespenarten, die solitär leben, ist die Artenzahl zurückgegangen», sagt Bürgin. «Solche Wespen sind auf einen bestimmten Mörtel oder auf eine bestimmte Pflanze spezialisiert. Wenn diese fehlt, geht auch die Artenzahl zurück», sagt Biologe Jonas Barandun von Ökonzept. Sie werden kaum vom Mensch wahrgenommen, da diese zurückgezogen leben und sich nicht für menschliche Lebensmittel interessieren.

Nur eine Wespenart dürfe man in der Schweiz nicht töten. «Die Hornisse ist die einzige Wespenart, die in der Schweiz geschützt ist», weiss Barandun.

Milder Winter, viele Wespen

Immer wieder ist zu hören, dass in der Schweiz eine Wespenplage herrsche. Dies stimmt nur bedingt. Es trifft vor allem auf die Sozialen Wespen zu, beispielsweise die Gemeine Wespe oder die Deutsche Wespe. Dank dem relativ milden Winter konnten viele Wespenköniginnen überleben, weshalb mehr Wespenkolonien gegründet wurden. Die Deutsche und die Gemeine Wespe werden von süsser und eiweisshaltiger Nahrung angelockt und kommen so dem Menschen manchmal zu nahe. Dass diese Arten zahlreich herumschwirren, stimmt also.

Wespen gelten als nützliche Schädlingsbekämpfer. Ein grosses Wespenvolk verspeist an einem Hochsommertag etwa ein halbes Kilogramm Fliegen, Bremsen, Stechmücken und Schädlinge.

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