St. Gallen: Diese farbigen QR-Codes helfen sehbehinderten Menschen
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St. GallenDiese farbigen QR-Codes helfen sehbehinderten Menschen

Bunte QR-Code-ähnliche Tags sollen in Zukunft das Leben von sehbehinderten Personen leichter gestalten. Nach dem Scannen der farbigen QR-Codes bekommen Nutzerinnen und Nutzer Informationen zum Hören. Damit können sie sich beispielsweise in Gebäuden und öffentlichen Plätzen orientieren.

von
Shannon Zangger
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Die QR-Codes lassen sich über eine weite Distanz lesen und das bei jedem Lichtverhältnis. Aus diesem Grund sind sie auch so bunt gestaltet.

Die QR-Codes lassen sich über eine weite Distanz lesen und das bei jedem Lichtverhältnis. Aus diesem Grund sind sie auch so bunt gestaltet.

20 Min/Shannon Zangger
Mit dieser App für das Smartphone soll der Alltag für sehbehinderte Personen in Zukunft deutlich vereinfacht werden.

Mit dieser App für das Smartphone soll der Alltag für sehbehinderte Personen in Zukunft deutlich vereinfacht werden.

20 Minuten/ Shannon Zangger
So sehen die neuen QR-Codes für sehbehinderte Menschen aus. Sie lassen sich bei jedem Lichtverhältnis scannen und das bei einem Winkel von 160 Grad auf einen Abstand von bis zu 20 Meter.

So sehen die neuen QR-Codes für sehbehinderte Menschen aus. Sie lassen sich bei jedem Lichtverhältnis scannen und das bei einem Winkel von 160 Grad auf einen Abstand von bis zu 20 Meter.

20 Min/Shannon Zangger

Darum gehts

  • Die sogenannte «Navi-Lens» soll künftig das Leben von sehbehinderten Personen in der Schweiz vereinfachen.

  • Die Nutzenden beschaffen sich durch die App mit den gescannten Codes akustisch Informationen, mit denen sie sich orientieren können.

  • Noch steht das Projekt in der Schweiz in den Startlöchern.

Der Schweizer Zentralverein für das Blindenwesen (SZ-Blind) hat ein digitales Hilfetool eingeführt, welches sehbehinderten Personen den Alltag erheblich erleichtert. Das Hilfetool funktioniert über eine App und bunte QR-Codes. Werden diese Codes gescannt, gibt das Smartphone Informationen in gesprochenen Worten wieder: «Eingang SZ-Blind drei Meter und sechs Treppenstufen hinauf», spricht eine Stimme aus dem Handy als Nina Hug, Co-Leiterin Marketing und Kommunikation des SZ-Blind, den QR-Code beim Eingang des Gebäudes liest. Mit solchen Hinweisen sollen blinde und sehbehinderte Personen sich besser im Alltag orientieren können.

Madrid geht als Vorbild voraus

Im Vergleich zu einem normalen QR-Code hat der sogenannte «Navi-Lens»-Code diverse Vorteile. Den farbigen Code muss man nicht sehen und aus unmittelbarer Nähe scannen, wie man das etwa vom QR-Code des Corona-Zertifikates kennt. Die farbigen Codes können auch im Dunkeln und bei einem Winkel bis zu 160 Grad sowie einer Distanz von mehr als zehn Metern gelesen werden, sogar Distanzen bis 20 Meter sollen laut Hersteller möglich sein. Die Kamera muss nur ungefähr in die Richtung der Codes gehalten werden. «Die Idee kommt aus Madrid, wo ein ähnliches System in der ganzen Stadt flächendeckend angeboten wird», so Nina Hug.

In der Schweiz steht das Projekt noch in den Startlöchern und es sind noch kaum QR-Codes in der Öffentlichkeit vorhanden. Lediglich in Lenzburg AG sind solche Codes in der Öffentlichkeit zu sehen. Zudem in gewissen Geschäftsstellen von SZ-Blind, wie etwa in St. Gallen.

SBB Verbindungen lassen sich abhören

«Ich finde es super, dass ich Informationen erhalte, die weiter weg sind, als meine Tast-Distanz mit dem Stock. Ich erhalte genaue Angaben, wie viele Meter ich von einem Ziel entfernt bin und kann so meinen Weg besser einschätzen», sagt ein blinder Nutzer in St. Gallen. Die QR-Codes lassen sich leicht umprogrammieren und können für mehrere Gebäude gebraucht werden. «Es lassen sich auch live Daten einfügen, wie zum Beispiel der Fahrplan der SBB, so werden einem die Verbindungen von der App akustisch ausgesprochen», Nina Hug. Das System ist standardmässig auf Englisch eingestellt, wird vom SZ-Blind auf Deutsch und durch einen automatischen Übersetzter in weitere Sprachen, wie zum Beispiel Spanisch oder Chinesisch übersetzt.

Kelloggs nutzt gleiche Technologie

Der Müslihersteller Kelloggs wird ab dem Jahr 2022 alle europäischen Produktverpackungen mit diesen «Navi-Lens»-Codes versehen und so blinden und sehbehinderten Personen Informationen wie Nährwerte oder Verfallsdatum zu den Produkten zugänglich zu machen. 

Die neue Technologie hat auch Nachteile. So reduziert sich die Akkulaufzeit der Handys bei der Nutzung der App rasch. Diese benötigt etwa vergleichbar viel Strom wie Google Maps. «Ein Mitglied vom Verein hat mir erzählt, dass er ständig sein Handy braucht für die Arbeit und sonstige Navigationen, damit er auch von der App Gebrauch machen kann, nimmt er immer einer Powerbank mit sich», sagt Nina Hug weiter. Zudem ist die Einrichtung und Installation der Codes aufwendig. Ausserdem müssen die Nutzenden für die Verwendung der App durchaus technisch versiert sein. Es werden jedoch Kurse angeboten, die Blinden und sehbehinderten Personen den Umgang mit dem Smartphone erleichtern.

Demonstration des Tools bei dem SZ-Blind Standort in St. Gallen

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