Trendwende: Diese Folgen hat der SNB-Entscheid für Sparer und Hauskäuferinnen

Aktualisiert

TrendwendeDiese Folgen hat der SNB-Entscheid für Sparer und Hauskäuferinnen

Um die Preisteuerung zu bekämpfen, hebt die Nationalbank den Leitzins kräftig an und schwächt damit die Wirtschaft. Jetzt werden Investitionen teurer.

von
Fabian Pöschl
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Die Nationalbank kündete am Donnerstagmorgen eine kräftige Erhöhung des Leitzinses um 0,75 Prozentpunkte an.

Die Nationalbank kündete am Donnerstagmorgen eine kräftige Erhöhung des Leitzinses um 0,75 Prozentpunkte an.

REUTERS
Damit will SNB-Präsident Thomas Jordan die Preisteuerung bekämpfen.

Damit will SNB-Präsident Thomas Jordan die Preisteuerung bekämpfen.

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Damit will er die Preisteuerung bekämpfen.

Damit will er die Preisteuerung bekämpfen.

imago images/Andreas Haas

Darum gehts

  • Die Nationalbank hört auf mit Negativzinsen.

  • Sie hebt den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent an.

  • Jetzt dürfte es bald wieder Zinsen aufs Sparkonto geben.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat wie von Expertinnen und Experten erwartet die Ära der Negativzinsen beendet. SNB-Präsident Thomas Jordan kündigte am Donnerstagmorgen eine Erhöhung des Leitzinses um 0,75 Prozentpunkte auf 0,5 Prozent an. Die Leitzinsänderung gilt ab Freitag.

20 Minuten sagt, was der SNB-Entscheid jetzt für Folgen für die Schweiz und für deinen Alltag hat:

Aktien

Bei Aktien droht keine Panik. Der Markt habe die Anhebung schon eingepreist, sagt Philipp Burckhardt, Portfolio Manager und Fixed Income Strategist bei der Bank Lombard Odier IM. Generell mögen Aktienmärkte aber keine Zinserhöhung, weil Kredite dadurch teurer werden. Das führt zu weniger Investitionen, was schlecht fürs Wachstum der Firmen und deren Aktien ist, so Burckhardt.

Euro-Franken-Kurs

Der Schweizer Franken dürfte kaum reagieren, da die SNB den Leitzins wie erwartet erhöhte, sagt Brian Mandt, Chefökonom der Luzerner Kantonalbank.  Er erwartet, dass die Anhebung weitgehend neutral für Aktien bleibt. Der Franken ist aber schon so stark wie nie gegenüber dem Euro. Für Firmen in der Exportbranche ist es dadurch ohnehin schwierig, mit den Preisen der Konkurrenz im Ausland mitzuhalten. Für Konsumentinnen und Konsumenten sind Ferien im Euro-Ausland dafür günstiger. Allerdings sei dort die Preisteuerung zum Teil so hoch, dass der Unterschied gering ausfallen dürfte, sagt Philipp Burckhardt.

Bankkonto

«Mit der Zinserhöhung dürfte es wieder bald Zinsen aufs Sparkonto geben», sagt Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin, zu 20 Minuten. Zumindest einen Teil der Zinserhöhung würden die Banken weitergeben müssen, so Philipp Burckhardt. Zuerst werden laut Burckhardt aber eher die grossen Bankkunden profitieren. Wann die Zinserhöhungen bei den meisten Banken kommen, ist allerdings unklar. Der Konsumentenschutz fordert deshalb eine rasche und deutliche Erhöhung der Zinsen sowie eine Gebührensenkung. Bereits vorgeprescht ist die Bank WIR mit einem Zins aufs Sparkonto von 0,15 statt 0,05.

Kredite

Bevor es einen Zins aufs Bankkonto gibt, erhöhen die Banken die Zinsen auf Kredite. Auch Immobilienkredite werden laut Karsten Junius teurer, womit die Finanzierung schwieriger wird. «Das ist auch der Sinn der Nationalbank. Sie macht alles schwieriger und schwächt so die Wirtschaft, um die Inflation zu bekämpfen», so Junius. Ein höherer Hypothekarzins dürfte auch dazu führen, dass weniger gebaut wird und mit dem knapperen Angebot die Mieten steigen könnten.

Versicherungen

Für Versicherungen ist der SNB-Schritt ein Problem, weil sie sich zu einem hohen Anteil mit Investitionsgeschäften finanzieren, sagt Philipp Kaupke, Versicherungen- und Bankenexperte und Partner bei Simon-Kucher & Partners in Zürich. Da Investitionen teurer werden und gleichzeitig die Inflation zu höheren Schadenssummen für die Versicherungen führten, drohen jetzt höhere Versicherungsprämien.

Schweizer Wirtschaft

Die höheren Kredite beeinträchtigten künftig den privaten Konsum und Investitionen, sagt Brian Mandt. Die teurere Schuldenfinanzierung hat laut Raiffeisen-Experte Geissbühler eine Bremswirkung auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Angesichts der ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Lage werde das Risiko einer Wirtschaftskrise dadurch grösser. «Man sieht bereits, dass viele Ökonomen ihre Wachstumsprognose nach unten anpassen», so Geissbühler.

Inflation

Die Inflation bleibt laut Brian Mandt auf hohem Niveau und nimmt erst im Verlauf des nächsten Jahres ab. «Um die Inflation zu bekämpfen, braucht die SNB weitere Zinsschritte», sagt Karsten Junius. Erst bei einem Zinsniveau von einem bis zwei Prozent werde die Wirtschaft derart abgeschwächt, dass die Inflation sinke. SNB-Präsident Thomas Jordan rechnet mit 3 Prozent Inflation in diesem Jahr und schliesst weitere Zinserhöhungen nicht aus.

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