Aktualisiert 22.01.2019 08:58

Mutter ist entsetzt

Diese Fotos eines Lehrers sind für die Schule okay

Ein Primarlehrer postet Halbnacktbilder von sich auf Instagram. Eine Mutter empört sich. Die Schulleitung steht hinter der Lehrkraft.

von
20M
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An einer Zürcher Primarschule arbeitet ein Lehrer, der auf Instagram Bilder von sich postet, auf denen er halbnackt zu sehen ist.

An einer Zürcher Primarschule arbeitet ein Lehrer, der auf Instagram Bilder von sich postet, auf denen er halbnackt zu sehen ist.

Seinen gut 20'000 Followern zeigt er sich auf Dutzenden von homoerotischen Fotos. Beispielsweise so, wie Gott ihn schuf – sein bestes Stück von einigen Bananen bedeckt.

Seinen gut 20'000 Followern zeigt er sich auf Dutzenden von homoerotischen Fotos. Beispielsweise so, wie Gott ihn schuf – sein bestes Stück von einigen Bananen bedeckt.

Das findet D. N.*, deren Tochter die Schule besuchte, nicht akzeptabel. Auf Facebook hat sie einen entrüsteten Post abgesetzt, der rege diskutiert wird: «Mich interessiert nicht, was der Lehrer in seiner Freizeit macht. Aber das sind Pornobilder. Wenn es um unsere Kinder geht, kenne ich kein Pardon!»

Das findet D. N.*, deren Tochter die Schule besuchte, nicht akzeptabel. Auf Facebook hat sie einen entrüsteten Post abgesetzt, der rege diskutiert wird: «Mich interessiert nicht, was der Lehrer in seiner Freizeit macht. Aber das sind Pornobilder. Wenn es um unsere Kinder geht, kenne ich kein Pardon!»

An einer Zürcher Primarschule arbeitet ein Lehrer, der auf Instagram Bilder von sich postet, auf denen er halbnackt ist. Seinen gut 20'000 Followern zeigt er sich auf Dutzenden von homoerotischen Fotos, die er mit #instagay und #beardedhomo versieht. Beispielsweise so, wie Gott ihn schuf – sein bestes Stück von einigen Bananen bedeckt. Auf einem anderen Foto greift er sich in die Unterhose und leckt sich rosa Creme von den Lippen.

Das findet D. N.*, deren Tochter die Schule besuchte, nicht akzeptabel. Auf Facebook hat sie einen entrüsteten Post abgesetzt, der rege diskutiert wird: «Mich interessiert nicht, was der Lehrer in seiner Freizeit macht. Wenn es um unsere Kinder geht, kenne ich kein Pardon!» Zu 20 Minuten sagt sie: «Das sind Pornobilder.» Ein Lehrer sollte ein Vorbild für die Kinder sein, so die junge Mutter. Facebook hat D. N. mittlerweile blockiert, weil die Bilder des Mannes, die sie zum Post stellte, gegen die Benutzerrichtlinien verstossen würden.

Eine 13-jährige Freundin ihrer Tochter habe ihr die Fotos auf Instagram gezeigt. Die Mädchen hätten den Lehrer einfach ausgelacht. Sie aber sei schockiert gewesen. «Wie sollen die Kinder so Respekt vor dem Lehrer aufbauen können?» Deshalb hat sie Ende letzten Jahres einen Brief an die Schulleitung geschrieben.

«Ein initiativer und kreativer Lehrer»

Nun erhielt sie Antwort. Im Schreiben stellt sich die Schulleitung hinter den Lehrer. Seine Arbeit überzeuge, schreiben Schulleitung und Schulpflege in einem gemeinsamen Brief an die entrüstete Mutter. Auf Tätigkeit ihrer Lehrpersonen in Neben- oder Zweitberufen nehme die Schulleitung keinen Einfluss, solange diese ihrer Arbeit nicht grundsätzlich zuwiderliefen. Auf Anfrage von 20 Minuten bekräftigt die Schule diese Haltung: «Als Primarschulpflege beurteilen wir unsere Lehrpersonen entsprechend ihrer Arbeit an unser Schule. Wir sind froh, einen so initiativen und kreativen Lehrer an unserer Schule beschäftigen zu können.»

N.D. ist von der Schulleitung «wahnsinnig enttäuscht»: «Für mich hat das nichts mit Kreativität zu tun, das ist Pornografie», so die junge Mutter. Zahlreiche Eltern aus derselben Gemeinde würden ihre Meinung teilen, einige seien richtiggehend wütend. «Von der Schulleitung hätte ich erwartet, dass sie den Lehrer zumindest dazu bringen, sein Profil auf privat zu stellen, damit unsere Kinder diese Bilder nicht mehr sehen», erklärt D.N.

«Er tut sich keinen Gefallen»

Christian Hugi, Präsident des Zürcher Lehrerverbands, sagt, rechtlich gesehen habe die Schulleitung der Primarschule richtig reagiert: «Es gibt keine offiziellen Vorgaben, wie sich ein Lehrer in der Öffentlichkeit zu präsentieren hat.» Zudem trete der Betroffene auf Instagram nicht als Lehrperson, sondern als Model und Fotograf auf.

Dennoch sagt Hugi: «Als Lehrer sollte man sensibel mit dem eigenen Auftreten in der Öffentlichkeit umgehen. Der junge Mann tut sich mit den Bildern keinen Gefallen.» Der Primarlehrer war für 20 Minuten am Montag nicht zu erreichen. Nach verschiedenen Kontaktanfragen stellte der Lehrer am Abend sein Instagram-Profil auf privat.

*Namen der Redaktion bekannt

Das meint ein Experte

Herr Wampfler, wie beurteilen Sie den Social-Media-Auftritt des Lehrers?

Grundsätzlich haben auch Lehrer ein Anrecht auf ein Privatleben. Heikel wird es aber, wenn sich dieses nicht mit dem Rollenbild eines Lehrers vereinbaren lässt. Das ist hier fraglich.

Inwiefern halten sie diese für grenzwertig?

Wäre der Account privat, wäre alles kein Problem. Die digitalen Medien bringen aber häufig das Problem des «Context Collapse» mit sich. Das heisst, auch wenn der Mann nicht als Lehrer, sondern als Model postet, sind die Fotos durch ihre Öffentlichkeit für die Schüler zugänglich und diese nehmen ihn nun mal als Lehrperson wahr.

Wie gehen Schüler mit solchen Fotos um?

Primarschüler sind noch nicht in der Lage, die sexualisierte Seite der Erwachsenen wahrzunehmen. Die Bilder sind für sie kaum einordbar und irritierend. Gut möglich, dass sie aus Überforderung darüber lachen.

*Philippe Wampfler ist Social-Media-Experte und Lehrer

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