Aktualisiert 22.04.2014 12:41

Russlands langer ArmDiese Fotos sollen beweisen, dass Putin lügt

Die USA legen Fotos vor, die die Präsenz russischer Soldaten in der Ostrukraine beweisen sollen. Der Kreml dementiert. Der Propagandakrieg ist in vollem Gange.

von
gux

Ist da etwas dran – oder zeigt es lediglich eine neue Stufe im ausufernden Propagandakrieg der Ukraine-Krise? Die USA präsentieren in einem elfseitigen Dokument mehrere Fotos, die beweisen sollen, dass Russland entgegen seinen Beteuerungen Soldaten in der Ukraine stationiert. Mit den Worten der USA: «Die Fotos beweisen, dass einige der bewaffneten Kämpfer in der Ostukraine russische Militärs oder Offiziere des russischen Geheimdienstes sind.» Sie hätten die Aufnahmen von der Regierung in Kiew erhalten, sagte eine Sprecherin des US-Aussenministeriums.

Auf den Fotos sind den Angaben zufolge sogenannte besorgte Bürger auf der Krim und in der Stadt Slawjansk abgebildet, die gleiche Uniformen tragen und jeweils mit Panzerfäusten vom Typ RPG-30 ausgerüstet sind. Diese Waffen gehören zur Ausrüstung der russischen Spezialeinheit Speznas.

«Würden russische Elitesoldaten einen solchen Bart tragen?»

Ein anderes Foto soll aus dem Jahr 2008 sein und von einem Einsatz in Georgien stammen. Es zeigt einen bärtigen Mann mit Abzeichen der russischen Spezialeinheiten. Der gleiche Mann ist offenbar auch auf einer weiteren Aufnahme zu sehen, die vor kurzem gemacht worden sein soll und die Erstürmung der Polizeistation im ostukrainischen Kramatorsk durch prorussische Kräfte dokumentiert.

Ein drittes Foto zeigt denselben Mann in Slawjansk. Es fragt sich, ob diese Bilder echt sind und wie stark ihre Beweiskraft wirklich ist – oder wie Spiegel.de fragt: «Würden russische Elitesoldaten tatsächlich einen solchen eher zauseligen Bart tragen?»

Sicher ist: Die Ukraine-Krise ist längst zum Propagandakrieg verkommen. Wer die Berichterstattung im russischen Fernsehen verfolgt, bekommt den Eindruck, dass die Ukraine kurz vor dem Zusammenbruch steht. Und auch die Übergangsregierung in Kiew versucht immer wieder mit Fotos und Videos zu belegen, dass sich unter die prorussischen Aufständischen russische Spezialeinheiten und Agents Provocateurs gemischt haben.

Der Oberst, der auch ein Friedhofswächter war

Wie unübersichtlich die Nachrichtenlage in der Ostukraine mitunter ist, zeigt Spiegel.de an folgendem Beispiel: Letzte Woche stürmten bewaffnete Männer in Horliwka bei Donezk eine Polizeiwache. Einer von ihnen habe sich auf einem Video als Offizier der russischen Armee ausgegeben. Später hiess es dann aber, der Mann sei der frühere Leiter des Friedhofs von Horliwka – oder auch Mitglied der ostukrainischen Mafia.

Das Gerücht, wonach Russland seit Ausbruch der Unruhen heimlich Spezialeinheiten nach Kiew entsandte, hält sich jedenfalls ebenso lang, wie Putin es in regelmässigen Abständen dementiert. Eindeutige und über jeden Zweifel stehende Beweise hierfür gibt es bislang keine. Die Angst der prowestlichen Aktivisten vor Russlands langem Arm aber ist zweifellos echt.

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