04.05.2018 12:58

Allein in einer Männerdomäne

Diese Frau erfand den Rosé-Champagner

Kaum ein Getränk erfrischt an heissen Tagen so schön wie ein Glas Rosé-Champagner. Erfunden wurde der Edel-Apéro vor genau 200 Jahren. Von einer Frau.

von
Lucien Esseiva
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Ein Gläschen Rosé-Champagner gilt vielen als der feinste Apéro an einem heissen Sommertag.

Ein Gläschen Rosé-Champagner gilt vielen als der feinste Apéro an einem heissen Sommertag.

Photo by Vitchakorn Koonyosying on Unsplash
Doch kaum jemand weiss, dass das Getränk, wie wir es heute kennen, erst vor 200 Jahren von einer Frau erfunden wurde.

Doch kaum jemand weiss, dass das Getränk, wie wir es heute kennen, erst vor 200 Jahren von einer Frau erfunden wurde.

Veuve Clicquot
Pinken Champagner gab es zwar schon einige Jahre zuvor, doch damals nutzten die Kellereien Holunderbeeren zur Färbung. Die Beeren gaben aber nicht nur Farbe, sondern auch einen süsslichen Geschmack. Gar nicht nach dem Goût von ...

Pinken Champagner gab es zwar schon einige Jahre zuvor, doch damals nutzten die Kellereien Holunderbeeren zur Färbung. Die Beeren gaben aber nicht nur Farbe, sondern auch einen süsslichen Geschmack. Gar nicht nach dem Goût von ...

Photo by Davids Kokainis on Unsplash

Wir schreiben das Jahr 1805. Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin verliert mit nur 27 Jahren ihren Ehemann und sieht sich gezwungen, das Geschäft ihres verstorbenen Gatten zu übernehmen. Die Rede ist nicht von einem Tante-Emma-Laden, sondern vom schon damals ­bedeutenden Champagnerhaus Veuve Clicquot in Reims.

Madame Clicquot zögert keine Sekunde, nimmt das Erbe an und das Zepter in die Hand. Als eine der ersten Businessfrauen ihrer Zeit drückt sie Veuve Clicquot mit viel Innovationskraft ihren Stempel auf. 1810 lanciert sie den ersten Vintage-Champagner der Geschichte, 1816 erfindet sie den Rütteltisch und verhilft so dem bislang trüben Champagner zu seiner Klarheit, und genau vor 200 Jahren landet sie einen ihrer grössten Coups, als sie den Rosé-Champagner neu erfindet.

Holunderbeeren raus – Rotwein rein

Pinken Champagner gab es zwar schon vorher, doch wurden zur Färbung Holunderbeeren verwendet. Die damit verbundene Süsse des Champagners war nicht nach Madame Clicquots Geschmack, und so fing sie an, mit einer Mischung aus Champagner und Rotweinen aus ihrem Weinberg in Bouzy zu experimentieren. Mit Erfolg – die Rosé-d'Assemblage-Methode wird bis heute angewendet und ist eine hochkomplexe Angelegenheit, wie Veuve-Clicquot-Kellermeister Dominique Demarville bei einem ­Besuch in Reims erklärt: «Mein zwölfköpfiges Team und ich suchen vier Monate lang nach der perfekten Balance aus Rot- und Weissweinen.»

Dafür werden zwischen Oktober und Januar täglich ­Mischungen verkostet und bei Nichtgefallen minimal angepasst. So lange, bis Demarville zufrieden ist. Je nach Qualität der Weine werden dem Champagner zwischen 12 und 14 Prozent Rotwein zugegeben. Das oberste Ziel? «Höchste, gleichbleibende Qualität», sagt Demarville. Madame Clicquot hätte ihre Freude dran.

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