Aktualisiert 09.03.2020 16:17

Kreuzlingen TGEinsamer Briefeschreiber wird mit Mails überhäuft

Ein 23-Jähriger hat am Wochenende in Kreuzlingen acht Briefe verteilt. Darin erzählt er, wie einsam er ist. Die Resonanz auf seine Geschichte ist riesig.

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Eine Leser-Reporterin hat am Samstag gegen 14 Uhr im Seeburgpark in Kreuzlingen einen Brief gefunden.

Eine Leser-Reporterin hat am Samstag gegen 14 Uhr im Seeburgpark in Kreuzlingen einen Brief gefunden.

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Sie habe ihn gelesen und danach liegen lassen. «Nicht jeder ist so selbstbewusst, andere anzusprechen und Freundschaften aufzubauen», so die 27-Jährige. Und so bleibe man unsichtbar für den Rest der Welt. Sie könne deshalb die Einsamkeit des Briefeschreibers verstehen.

Sie habe ihn gelesen und danach liegen lassen. «Nicht jeder ist so selbstbewusst, andere anzusprechen und Freundschaften aufzubauen», so die 27-Jährige. Und so bleibe man unsichtbar für den Rest der Welt. Sie könne deshalb die Einsamkeit des Briefeschreibers verstehen.

Leser-Reporter
Der Brief sei wie ein Hilfeschrei nach Aufmerksamkeit.

Der Brief sei wie ein Hilfeschrei nach Aufmerksamkeit.

Leser-Reporter

Mit Briefen, die er an verschiedenen Orten in Kreuzlingen auslegte, wollte ein 23-Jähriger gegen seine Einsamkeit angehen. Er erzählt darin, wie er seit sieben Jahren in Kreuzlingen lebe, doch niemand kenne ihn und er kenne niemanden. Zahlreiche Versuche, mit anderen ins Gespräch zu kommen, scheiterten in der Vergangenheit. Er schaffe es einfach nicht, Anschluss zu finden. Er habe auch schon Fremden, die betrunken waren, angeboten sie gratis nach Hause zu fahren, nur um mit jemandem sprechen zu können. Durch die Briefe hoffe er, mit anderen in Kontakt zu treten und dass sich daraus vielleicht eine Art Brieffreundschaft ergibt.

Bei der Umfrage zum Artikel gaben 33 Prozent der Teilnehmer an, dass sie sich auch oft einsam fühlten. 43 Prozent fühlen sich manchmal einsam. Insgesamt haben rund 4500 Personen an der Umfrage teilgenommen (Stand 09.03.2020/14.30 Uhr).

Hunderte E-Mails

Auch in den Kommentaren geben zahlreiche Leser an, dass sie das Gefühl der Einsamkeit kennen. Leser Brock Lesnar schreibt: «Nun, mir geht es mit 26 Jahren genauso. Leider kann ich keine Freundschaften aufbauen, weil ich nicht vertrauen kann.» Auch Felix Heinzer kennt das Gefühl. Er schreibt: «Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich habe das Gleiche erlebt in meinem Leben».

Andere sprechen dem 23-Jährigen Mut zu und wünschen ihm alle Gute. Lussy schreibt: «Ich wünsche dem jungen Herrn, dass sich jemand meldet, ich denke Einsamkeit macht traurig und krank».

Und es wird sein Mut gelobt: «Erst fand ich das so traurig. Aber eigentlich hat der junge Mann Strategien und Ideen! Und er möchte etwas an seiner Situation ändern und versucht das recht kreativ. Ich wünsche ihm viel Glück», schreibt User BRZPF. Und Steffi schreibt: «Diese Geschichte berührt mein Herz. Ein toller, mutiger Mann. Du bist nicht allein, vielen geht es wie dir. Ich wünsche dir nur das Allerbeste!»

Wieder andere geben ihm Tipps gegen die Einsamkeit wie etwa den Beitritt in Vereine, den Besuch einer Hundeschule oder das Mitmachen bei der Feuerwehr.

Der 23-Jährige selbst erzählt, dass ihn auch schon hunderte E-Mails erreicht hätten. Mit mehreren Personen stehe er in intensiverem Kontakt. «Sie kommen aus meiner Nähe und haben auch einen Hund», sagt er. Mit einer Person habe er sich bereits verabredet, um gemeinsam mit den Hunden spazieren zu gehen.

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