134 Milliarden im Koffer: «Diese Geschichte klingt sehr abenteuerlich»

Aktualisiert

134 Milliarden im Koffer«Diese Geschichte klingt sehr abenteuerlich»

Falls die Staatsanleihen, die zwei Japaner in die Schweiz schmuggeln wollten, echt sind, ist Bill Gates den Titel «reichster Mann» auf einen Schlag los. Doch die Zweifel mehren sich. Ein Problem in der Wahrheitsfindung: Es gibt kaum Banker, die die Ausstellung dieser alten Wertpapiere miterlebt haben.

von
Cyprian Zajac

In der Geschichte um die Beschlagnahmung von US-Staatsanleihen (Treasury Bonds) mehren sich Ungereimtheiten. Besonders die zehn Kennedy-Bonds über je 1 Milliarde Dollar erscheinen dubios. 20 Minuten Online erhielt bei mehreren Schweizer Banken die identische Antwort: «Wir haben vor dieser Beschlagnahmung noch nie etwas von Kennedy-Bonds gehört».

Anlagestratege Marco Huwiler von der Clariden Leu vermutet, dass diese Staatsanleihen aus den 60er Jahren stammen müssten, daher der Name des damaligen Präsidenten. Jedoch gibt es einige Aspekte, die sehr abenteuerlich klingen. Zudem beläuft sich die maximale Laufzeit für amerikanische Staatsanleihen in der Regel auf 30 Jahre. Diese Kennedy-Bonds hätten damit das Ende der Laufzeit schon lange erreicht.

Keine Daten zu den Bonds vorhanden

«Der Umstand, dass die amerikanische und italienische Regierung die Echtheit dieser Papiere seit 10 Tagen nicht bestätigen können, scheint mir seltsam», meint Huwiler. Weiter müssten für diese Bonds auch irgendwelche Finanzdaten bei Finanznachrichtendiensten wie Bloomberg vorhanden sein – man findet dort aber nichts. «Um neuere Bonds kann es sich nicht handeln, weil Treasuries schon lange nicht mehr physisch ausgestellt werden», sagt Huwiler.

Was hatten die Japaner vor?

Gemäss dem Clariden-Leu-Anlagestrategen können Besitzer von Staatsanleihen diese bei einer Bank in einem Depot hinterlegen. Die Papier würden dann als Sicherheit für einen Kredit dienen. Branchenkenner betonen aber, dass derartige Kredite erst gewährt werden, wenn die Echtheit der Obligationen im Herkunftsland einwandfrei überprüft wurde.

Schweizer Banken sind zudem vorsichtig, wenn der Wert von eingeführten Geldern den Gegenwert von 10 000 Franken übersteigt. Dann sind sie verpflichtet, die Herkunft der Gelder einwandfrei zu dokumentieren. Falls alles korrekt ist, fragt sich, was die Japaner mit dem viele Geld wollen. Innert Tagen wären sie zu den reichsten Männern der Welt aufgestiegen. Ihr Vermögen würde jenes von Bill Gate um mehr als das Dreifache übertreffen. Der Wert dieser US-Staatsanleihen würde ausreichen, um 90 Mal die Zürcher Westumfahrung zu finanzieren.

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