23.06.2015 18:43

White SupremacistsDiese Gruppen haben den Charleston-Killer inspiriert

Dylann Roof wurde vom Council of Conservative Citizens zum Mordanschlag auf eine Schwarzenkirche angeregt. Solche Gruppen tauchen immer wieder auf.

von
sut
1 / 20
Dylann Roof, der 21 Jahre alte Massenmörder von Charleston, posiert für seine rassistische Website mit einer brennenden Flagge. Der Killer hasste die «Stars and Stripes».

Dylann Roof, der 21 Jahre alte Massenmörder von Charleston, posiert für seine rassistische Website mit einer brennenden Flagge. Der Killer hasste die «Stars and Stripes».

Dylann Roof (Website)
Stattdessen bevorzugt er die Südstaaten-Flagge. Die Kampffahne der Konföderierten im amerikanischen Bürgerkrieg ist bei Anhängern der alten Sklavenordnung beliebt.

Stattdessen bevorzugt er die Südstaaten-Flagge. Die Kampffahne der Konföderierten im amerikanischen Bürgerkrieg ist bei Anhängern der alten Sklavenordnung beliebt.

Dylann Roof (Website)
Hier gibt sich der Rassist wie ein Kolonialherr, wiederum mit der Flagge mit den gekreuzten Sternenbändern.

Hier gibt sich der Rassist wie ein Kolonialherr, wiederum mit der Flagge mit den gekreuzten Sternenbändern.

Dylann Roof (Website)

«Ich war nie mehr derselbe wie vorher» – so beschreibt der Massenmörder Dylann Roof, wie ihn der Besuch einer rassistischen Website radikalisierte. Laut seinem Online-Manifest habe dem heute 21 Jahre alten Killer die Organisation «Council of Conservative Citizens» (Rat konservativer Bürger, CofCC) die Augen geöffnet.

Roof sagt, er habe das Web durchsucht, um die Empörung zu verstehen, die die Tötung des schwarzen Teenagers Trayvon Martin durch den Nachbarschaftswächter George Zimmerman 2012 in Florida ausgelöst hatte. Auf der CofCC-Website fand er eine Liste von Morden durch schwarze Täter an weißen Opfern. Diese Statistik, schreibt Roof im Manifest, habe ihn in seiner Überzeugung bestätigt: «N… sind dumm und gewalttätig.»

Rassistischer Terrorist

Der frustrierte junge Arbeitslose, erfolglos im Beruf und in der Liebe, fand eine geistige Heimat bei einer der bekanntesten Gruppen von White Supremacists. Mit diesem Ausdruck werden in den USA Weiße bezeichnet, die von der Überlegenheit ihrer Rasse überzeugt sind und sich gegen deren «Gefährdung» durch andere – Dunkelhäutige, Juden, Asiaten – wehren. Immer wieder versuchen solche rassistischen Terroristen, den Lauf der Geschichte mit Gewalttaten umzukehren.

Im Rechtsaußen-Konzert ist der CofCC nicht die hässlichste Stimme. Das Southern Poverty Law Center (SPLC) untersuchte dieses Jahr etwa die rassistische Website Stormfront. Sie kam zum Ergebnis, dass in den vergangenen fünf Jahren fast hundert Menschen von «einsamen Wölfen» getötet wurden, die das Stormfront-Forum besuchten. Zu den Fans der Seite zählte auch Anders Behring Breivik, der 2011 in Norwegen 69 Jugendliche massakrierte.

Gleiche Positionen wie Roof

Der CofCC gibt sich vergleichsweise gesittet. Aber die Organisation teilt die rassistische Überzeugung des Killers von Charleston. Nach der Ermordung der neun Kirchgänger in Charleston schrieb sie: «Wir verurteilen Roofs abscheuliche Tötungen. Aber diese lenken nicht davon ab, dass einige der von ihm ausgedrückten Positionen legitim sind.»

Die 1985 gegründete Organisation hatte laut SPLC zu ihren besten Zeiten 15.000 Mitglieder. Die meisten US-Bürger lernten sie 1998 kennen, als mehrere republikanische Politiker aus dem US-Süden dabei ertappt wurden, wie sie an ihren Versammlungen Reden hielten. Die Beteuerungen, sie hätten von der Hass-Ideologie der Gruppierung nichts gewusst, klangen unglaubwürdig.

Kandidaten in der Klemme

Noch heute bekunden manche konservativen Südstaatler Mühe, sich von den Supremacists zu distanzieren. Drei Präsidentschaftskandidaten haben Geldspenden vom CofCC-Mann Earl Holt erhalten. Alle drei – die Senatoren Ted Cruz aus Texas, Rand Paul aus Kentucky und der Ex-Senator Rick Santorum aus Pennsylvania – wollen das Geld zurückerstatten oder einem guten Zweck zuführen.

Südstaaten-Politiker riskieren, ihre Karriere zu schädigen, wenn sie den in ihrer Region verbreiteten Glauben an die angeblich guten alten Zeiten vor dem amerikanischen Bürgerkrieg kritisieren, eine Epoche, in der die Sklavenhaltung legal war. Roofs Bluttat hat die Frage aufgeworfen, ob South Carolina die beim Capitol wehende Südstaaten-Flagge entfernen soll. Immerhin sagte Gouverneurin Nikki Haley am Montag, die Flagge gehöre ins Museum. Noch zaudern aber viele Republikaner.

Ob der CofCC den rassistischen Terroranschlag von Dylann Roof überleben wird, ist unklar. Sein Gründer Gordon Lee Baum starb im März 74-jährig. Sollte seine Organisation untergehen, werden aber andere an seine Stelle treten: Rassismus zu predigen, ist in den USA legal, und das Internet ist allzeit bereit.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.