Aktualisiert 31.05.2020 21:11

In kleinen StädtenDiese illustren Interessenten wollen 35 Globus-Filialen kaufen

Die neuen Globus-Besitzer wollen kleine Läden abstossen und auf Luxus-Warenhäuser setzen. Als mögliche Käufer infrage kommen der Ex-Chef von Globus, ein Bündner Modeunternehmer und eine Kleiderkette. Sie könnten die rund 35 Filialen zum Schnäppchenpreis bekommen.

von
Fabian Pöschl
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Die neuen Globus-Besitzer planen eine neue Verkaufsrunde.

Die neuen Globus-Besitzer planen eine neue Verkaufsrunde.

Foto: BZ
Sie wollen 35 Globus-Filialen in kleinen Städten verkaufen, möglicherweise auch verschenken.

Sie wollen 35 Globus-Filialen in kleinen Städten verkaufen, möglicherweise auch verschenken.

BZ
Die neuen Besitzer wollen nur noch auf Luxus-Warenhäuser setzen.

Die neuen Besitzer wollen nur noch auf Luxus-Warenhäuser setzen.

BZ

Darum gehts

  • Die neuen Globus-Besitzer wollen einen Teil der Filialen in kleinen Städten abstossen.
  • Drei Interessenten gelten als mögliche Käufer.
  • Ein Experte schätzt, wie realistisch ihre Kaufabsichten sind.

Vor zwei Wochen hat die Migros den Verkauf der Globus-Gruppe finalisiert. Käufer sind die Signa Holding aus Österreich und die thailändische Central Group. Nun planen die neuen Besitzer eine weitere Verkaufsrunde. Sie wollen sich von rund 35 Filialen trennen, die sich meist in kleineren und mittelgrossen Städten befinden, wie die «Handelszeitung» schreibt. Diese sogenannten Fachformate sind etwa ehemalige Herren-Globus-, Schild- oder Navyboot-Läden.

Die neuen Besitzer wollen sich demnach nur noch auf die sechs bis acht prestigeträchtigsten Globus-Standorte konzentrieren, wo sie sich genügend Kaufkraft für ein luxuriöses Warenhaus versprechen. «Unser Hauptfokus liegt vermehrt auf unseren Warenhäusern», bestätigt eine Globus-Sprecherin gegenüber 20 Minuten. Was das für die reinen Fashion-Formate bedeutet, könne das Unternehmen noch nicht sagen. Die rund 35 Fachformate machten im vergangenen Jahr nur rund 100 bis 120 Millionen Franken der 763 Millionen Franken Gesamtumsatz der Globus-Gruppe aus.

Für Matthias Geissbühler, Chief Investment Officer von Raiffeisen Schweiz, war schon bei der Übernahme klar, dass die neuen Besitzer nur an den Filetstücken an Toplage interessiert sind, wie er zu 20 Minuten sagt. Mit der Corona-Krise, die den Detailhandel zum Stillstand brachte, seien die neuen Besitzer unter zusätzlichem Finanzierungsdruck.

Geissbühler geht davon aus, dass Signa die überzähligen Filialen verscherbelt, möglicherweise sogar verschenkt. Ein Grund dafür ist der teure Betrieb mit lange laufenden und teuren Mietverträgen. Die neuen Käufer müssten dann nur für das Warenlager Geld ausgeben. In dem Bericht werden drei illustre Interessenten für die rund 35 Filialen erwähnt:

Pearl Lady Fashion

Der Bündner Finanzinvestor Andrin Vital Waldburger (59) wollte Globus schon als ganze Gruppe von der Migros übernehmen. Mit seiner Gruppe Pearl Lady Fashion besitzt er 18 Modeläden. Dazu gehören etwa der Textilgrosshändler Pico One, der das Label Street One in der Schweiz vertritt, die Zürcher Boutiquen Fidelio und Tierra sowie der Onlinehändler Fashion Vestis.

Gegenüber der «Handelszeitung» bestätigte Waldburger sein Interesse an einem Teil der Globus-Filialen. Im mittleren Segment, in dem früher Schild positioniert war, gebe es weiterhin einiges Potenzial. «Waldburger würde wohl je nach Standort der Ex-Globus-Filiale ein passendes Format seiner Marken auswählen», sagt Geissbühler. Waldburger sei ein geeigneter Käufer, falls sich die Globus-Besitzer auf den Verkauf einzelner Filialen einliessen und nicht wie zu erwarten alle Läden in einem Gesamtpaket abstossen wollten. Denkbar sei aber auch, dass Globus manche der kleinen Filialen schliesse. Oder der neue Käufer übernimmt alle 35 Filialen, um umgehend einige von ihnen dichtzumachen.

PKZ

Die Urdorfer PKZ-Gruppe (Paul Kehl Zürich) gehört ebenfalls zu den Interessenten, wie sie auf Anfrage bestätigt. Zum rund 140-jährigen Unternehmen gehören die Modehausketten PKZ Men, PKZ Women, Paul Kehl und Blue Dog.

Die Gruppe wolle aber nur eine beschränkte Anzahl Filialen im einstelligen Bereich kaufen. «PKZ ist mit ihrer Medium-Premium-Strategie nicht an Standorten in Kleinstädten interessiert», sagt Geissbühler. Die Kette wolle Lücken in der Landkarte mit Filialen füllen, wofür sich ausgewählte Globus-Filialen gut eignen würden. «Globus-Filialen sind wie Kleidergeschäfte eingerichtet und damit ideal für andere Kleiderketten», so Geissbühler. Wegen der geringen Anzahl an Filialen, die PKZ übernehmen würde, wäre ein Deal aber wohl schwierig.

Thomas Herbert

Als weiterer Interessierter gilt Ex-Globus-Chef Thomas Herbert. Für den bald 50-Jährigen dürfte es eine Herzenssache sein. Herbert war schon in der Lehre bei Globus und hatte auch bei der Übernahme für die ganze Globus-Gruppe mitgeboten. Heute sitzt Herbert im Verwaltungsrat von Globus. Für eine Stellungnahme war er nicht erreichbar.

Raiffeisen-Experte Geissbühler sieht die Variante mit dem Ex-Chef als Käufer als die unrealistischste. «Thomas Herbert wollte Globus als Gruppe übernehmen und weiterführen. Ich glaube nicht, dass er nur einzelne Filialen an zweitklassigen Standorten kaufen will», sagt Geissbühler. Ausserdem müsste Herbert eine neue Marke aufbauen, was mit grossem Aufwand verbunden wäre, so Geissbühler.

Geissbühler bringt als weitere Käufer grosse Mode-Player wie H&M sowie die Inditex-Gruppe, zu der Zara und andere Formate gehören, ins Spiel.

20 Prozent

Migros soll Globus-Käufer 200 Mio. Rabatt gewähren

Für eine Milliarde Franken hat die Migros Globus an die Signa-Gruppe und Central Group verkauft. Laut einem Bericht des Finanzblogs «Inside Paradeplatz» von vergangener Woche erhalten die Käufer nun viel Rabatt: Statt einer Milliarde seien es noch 800 Millionen Franken. Das wären also 20 Prozent Rabatt – 200 Millionen Franken weniger. Seitens der Migros wollte man den Bericht nicht kommentieren. Sprecher Marcel Schlatter sagte lediglich zu 20 Minuten: «Am vertraglich vereinbarten und unterzeichneten Verkauf von Globus hat sich nichts verändert.» Über die Modalitäten des Vertrags habe man bekanntlich Stillschweigen vereinbart. Und er fügte an: «Die europäischen Wettbewerbsbehörden haben dem Verkauf von Globus zugestimmt.»

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21 Kommentare
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Was soll das

02.06.2020, 08:36

Bravo! Weiter so. Gute Schweizer Firmen an Ausländer verkaufen, als ob's nicht genügend Reiche im eigenen Land gäbe, die die Möglichkeit hätten diese beliebten Geschäfte zu übernehmen.Klar, es müsste dies und das etwas abgespeckt werden, Sortimente reorganisiert etc. Nur jammern, und immer gegen Ausländer, EU schimpfen ist nur dumm, wenn die dann gut genug wären um unsere Firmen aufzukaufen, damit der/die Schweizer ihre Tasche füllen können.Wozu?

Globi Globus

01.06.2020, 21:52

Globus viel zu Teuer. Sorry Ex.Migros Tochter.

Martial2

01.06.2020, 19:04

@Claire Gérardin: wir sind froh wenn solchen Kommentaren ausbleiben...