28.07.2019 11:41

Radioaktiver FalloutDiese Inseln strahlen stärker als Tschernobyl

Die zahlreichen Kernwaffentests der USA im Pazifik wirken bis heute nach: Die radioaktive Verseuchung ist noch immer extrem hoch.

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Auf den ersten Blick sieht es hier paradiesisch aus. Doch der Schein trügt, denn die Inseln gehören zum Bikini-Atoll.

Auf den ersten Blick sieht es hier paradiesisch aus. Doch der Schein trügt, denn die Inseln gehören zum Bikini-Atoll.

Wikimedia Commons/Ron Van Oers/CC BY-SA 3.0-igo
Die Inseln des Atolls, das rund 3000 Kilometer nordöstlich von Neuguinea liegt ...

Die Inseln des Atolls, das rund 3000 Kilometer nordöstlich von Neuguinea liegt ...

Screenshot Google Maps
... wirken zwar absolut traumhaft, mit langen Sandstränden und blauen Lagunen ...

... wirken zwar absolut traumhaft, mit langen Sandstränden und blauen Lagunen ...

Wikimedia Commons/PD

Als wären die Folgen der Atombomben-Abwürfe über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki 1945 nicht schlimm genug gewesen, zündeten die USA bis zum Jahr 1992 noch rund 1000 weitere Nuklearwaffen: 210 in der Atmosphäre, 815 unterirdisch und 5 unter Wasser – alle zu Testzwecken.

Rund 70 dieser Atomtests fanden zwischen 1946 und 1958 auf dem zu den Marshall-Inseln gehörenden Bikini- und dem benachbarten Enewetak-Atoll statt.

Stärkste thermonukleare Waffe der USA

Unter anderem wurde hier am 1. März 1954 mit Castle Bravo die stärkste amerikanische thermonukleare Waffe getestet (siehe Video unten). Die freigesetzte Energie entsprach 15 Megatonnen TNT – mehr als das Tausendfache der Atombombe von Hiroshima.

Die immense Wucht zeigte sich sofort: Castle Bravo pulverisierte eine in der Nähe geschaffene künstliche Insel und riss einen Krater von 1,5 Kilometer Durchmesser und 75 Meter Tiefe in das Atoll. Und die Umwelt leidet laut Forschern bis heute.

Grenzwerte deutlich überschritten

Wie das Team um Emlyn Hughes von der Columbia University in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichtet, hinterliess Castle Bravo auch stark radioaktiven Fallout. Dieser ist bis heute nachweisbar und übertrifft zum Teil sogar die Werte von Tschernobyl und Fukushima.

Diese Inseln strahlen stärker als Tschernobyl

Während des Kalten Kriegs testeten die USA auch reihenweise Kernwaffen im Pazifik. Der radioaktive Fallout ist heute noch extrem hoch.
(Video: nsarchive)

Castle Bravo hatte infolge falscher Berechnungen fast dreimal soviel Sprengkraft wie erwartet. (Video: Youtube/nsarchive)

Anders ausgedrückt: Die heute noch nachweisbare Konzentration radioaktiver Isotope liegt noch immer weit über den Grenzwerten, die die USA seinerzeit mit den Marshall-Inseln vereinbart hatten – dies sowohl im Gewässer als auch in Früchten an Land (siehe Box).

Nicht den gleichen Fehler noch einmal machen

Aus Sicht der Forscher bedeutet das: Menschen sollten sich auf den Marshall-Inseln nicht zu lange aufhalten – und die bisherigen Schätzungen, wonach die Eilande spätestens 2040 wieder bewohnbar sein sollten, müssen nach hinten korrigiert werden.

Schon einmal hatte man die einstigen Bewohner, die vor den ersten Atomtests umgesiedelt worden waren, in ihre Heimat zurückkehren lassen. Doch damals zeigte sich: Obwohl die letzten Tests bereits einige Jahre zurücklagen, war die Strahlenbelastung noch immer viel zu hoch, als dass sich Menschen ihr aussetzen sollten. Entsprechend mussten die gerade erst wieder hergezogenen in den 1970er-Jahren erneut wegziehen.

Atombombentest im Eniwetok-Atoll, 1958

Operation Hardtack-1 – Nutmeg 51

Nicht nur im Bikini-Atoll, auch im benachbarten Eniwetok-Atoll wurden Kernwaffen gezündet – wie hier während der Operation Hardtack-1. (Video: LLNL)

Abgetauchte Forscher

Für ihre Arbeit tauchten Hughes und seine Kollegen unter anderem direkt in den von Castle Bravo verursachten Krater und sammelten dort rund 130 Sedimentproben ein. In diesen wiesen sie verschiedene radioaktive Isotope wie Plutonium-239 und -240, Americium-241 und Bismut-207 nach.

Weitere untersuchten die Wissenschaftler Proben von auf dem Atoll wachsenden Früchten. Dabei konzentrierten sie sich auf die Feststellung der Konzentrationen von Caesium-137. Wie die im Krater festgestellten Isotope lagen auch sie teilweise über den internationalen Sicherheitsvorgaben. (Bild: United Stated Departement of Energy/PD)

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