Erstes digitales Modehaus der Welt - Diese Kleider waren innert Minuten ausverkauft – obwohl du sie nicht anziehen kannst
Diese Jacke von The Fabricant könnte dir gehören. Aber nur digital.

Diese Jacke von The Fabricant könnte dir gehören. Aber nur digital.

The Fabricant
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Erstes digitales Modehaus der WeltDiese Kleider waren innert Minuten ausverkauft – obwohl du sie nicht anziehen kannst

The Fabricant hat das weltweit erste Kleid verkauft, das nur im Internet existiert – für fast 9’000 Franken. Wir haben mit Head of Content Michaela Larosse über die Zukunft der Mode gesprochen.

von
Johanna Senn

8’630 Franken. So viel Geld war eine Kundin bereit, für ein Kleid zu bezahlen, das es in physischer Form nicht gibt. Im März 2019 verkaufte The Fabricant mit dem Iridescence Dress das erste Kleid weltweit, das nur im Internet existiert. Das Modehaus hat sich der digitalen Mode verschrieben. Also Stücken, die nur in der digitalen Welt, jenseits von realem Stoff, Nadel und Faden, existieren.

Die Nachfrage nach den digitalen Kleidungsstücken ist gross: Die neueste Kollektion von The Fabricant war in weniger als 10 Minuten ausverkauft. Wir haben mit Michaela Larosse, Head of Content bei The Fabricant gesprochen.

20 Minuten Lifestyle: Wie würdest du digitale Mode einem Kind beschreiben?Michaela Larosse: Digital Fashion ist eine coole Möglichkeit, sich chic zu machen, aber nicht wie mit den Kleidern, die du im realen Leben trägst, wo erst noch Baumwolle gepflanzt und das Material gewoben werden muss. Bei Digital Fashion geht es um Kleidungsstücke, die du in Games wie Fortnite, Animal Crossing oder sonst irgendwo im Internet tragen kannst. Du kannst alles sein, was du willst.

Wer trägt digitale Mode?
Vor allem die Gen-Z und junge Millenials, die ihre virtuelle Identität ausdrücken, indem sie die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verwischen.

Wieso habt ihr ein digitales Modehaus gegründet?Kerry Murphy, unser Gründer, ist Filmemacher und Experte für Virtual Effects und hat miterlebt, wie Technologie den Abfall in der Filmindustrie reduziert und für mehr Kreativität sorgt. Diesen Pfad wollte er auch in der Modewelt ebnen. Wir wollen Marken und Menschen helfen, unlimitierte Möglichkeiten zu entdecken und dabei nichts als Daten zu verschwenden und höchstens die Vorstellungskraft auszubeuten.

Wieso wird Digital Fashion in Zukunft immer wichtiger?Wir alle führen ein digitales Leben. Dazu kommt: Die digitale Modebranche wird sich positiv auf die Umwelt auswirken. Bei der digitalen Mode gibts keine physische Herstellung, Verpackung, Lieferfahrzeuge oder Verschwendung natürlicher Ressourcen. Sie ist von Natur aus nachhaltig.

Wie sieht der Prozess von der Idee zum Kleidungsstück aus?Unser Produktionsprozess erfolgt in 4 Schritten: Erst besprechen wir das Konzeptdesign, die Muster- und Materialanforderungen und so weiter. Dann entwerfen wir die Kleidungsstücke in einer 3D-Software und passen sie mit Hilfe einer 3D-Modedesign-Software an einen digitalen Avatar an.

Schliesslich simulieren wir das Kleidungsstück in Bewegung und ergänzen Beleuchtung und Umgebung. Dabei verwenden wir Software aus der Visual-Effects-Branche.

Und wie lange dauert das?Die Produktion einer einfachen Visualisierung kann 2 bis 3 Tage dauern, während ein anspruchsvolleres Projekt Wochen in Anspruch nehmen kann.

Wie viel kosten eure Kleidungsstücke?Unsere Fähigkeiten und der Zeitaufwand spiegeln sich in den Preisen wider. Ein von uns entworfenes Stück namens Iridescence, wurde für 9500 Dollar ersteigert. Dass es das erste Stück digitaler Couture überhaupt war, hat sich natürlich auf den Preis ausgewirkt.

Wie rechtfertigt ihr diesen Preis für etwas, das nicht real ist?Wir investieren dieselbe Detailarbeit und haben den gleichen Respekt vor dem Material. Zufällig besteht dieses Material halt aus Daten. Unsere Kleidungsstücke existieren ausserhalb der etablierten Vorstellungen davon, was Couture ist aber unser Team besteht aus genauso hochqualifizierten digitalen Handwerkerinnen und Handwerkern. Dazu kommen gewisse Aspekte, die in der traditionellen Mode auch mitspielen wie Seltenheit oder Sammelbarkeit. Die Mentalität der Sneaker- oder Denim-Liebhaber gilt auch in der digitalen Welt.

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