Internationaler Vergleich: Diese Länder haben den Atomausstieg hinter sich
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Internationaler VergleichDiese Länder haben den Atomausstieg hinter sich

Während Grossbritannien und die USA weiter auf Kernkraft setzen wollen, sind die meisten unserer Nachbarländer bald atomlos unterwegs.

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Am 27. November stimmt die Schweiz darüber ab, definitiv aus der Kernenergie auszusteigen und bereits nächstes Jahr drei der fünf Schweizer Atomkraftwerke abzuschalten. So stehen wir im Europa-Vergleich da:

Österreich

Noch bevor in Österreich das erste Atomkraftwerk in Betrieb genommen werden konnte, stellte sich die Bevölkerung 1978 in einer Volksabstimmung gegen die Kernkraft. Der Entscheid wurde 1997 erneuert, als das österreichische Parlament einstimmig beschloss, die Anti-Atom-Politik des Landes fortzusetzen. Dass viele Atomkraftwerke der Nachbarländer nahe der österreichischen Grenze stehen, sorgte immer wieder für Konflikte.

Italien

Nach dem Atomunglück von Tschernobyl hatten auch die Italiener keine Lust mehr auf Atomstrom. Sie stimmten 1987 für den Ausstieg, alle vier Atomkraftwerke Italiens wurden stillgelegt. Silvio Berlusconis Versuch, wieder in die Kernkraft einzusteigen, scheiterte 2011, kurz nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Bei einer erneuten Volksabstimmung stimmten 94,1 Prozent gegen einen Wiedereinstieg.

Deutschland

Auch in Deutschland bewirkte Fukushima ein Umdenken. Bereits drei Tage nach Beginn der Katastrophe gab die Bundesregierung ein dreimonatiges Atom-Moratorium bekannt, danach den Atomausstieg bis zum Jahr 2022. 8 der 17 Kraftwerke wurden noch 2011 abgeschaltet. Bereits im Jahr 2000 hatte die rot-grüne Regierung den Atomausstieg beschlossen, die Nachfolgeregierung kippte den Entscheid aber wieder.

Frankreich

Unsere Nachbaren im Westen gehören zu den Atom-Fans. Ganze 58 Kernkraftwerke stehen in Frankreich, ein Ausstieg ist nicht vorgesehen. Trotzdem soll die Zahl der Atommeiler bis im Jahr 2025 um 20 reduziert werden, und der Anteil von Atomstrom soll von 75 Prozent auf 50 Prozent gesenkt werden.

Auch das Kraftwerk Fessenheim, das 2014 notfallmässig wegen Überflutung abgestellt werden musste, soll spätestens 2018 vom Netz gehen.

Grossbritannien

Auch die Briten denken nicht daran, aus der Atomenergie auszusteigen. Aktuell sind 16 AKW in Betrieb, acht neue sind in Planung. 2015 beschloss die britische Regierung, Kernenergie wieder staatlich zu fördern.

USA

In den USA stehen 100 Reaktoren, 33 davon sind permanent stillgelegt. Zudem befinden sich vier Kraftwerke im Bau. Die Menge an produziertem Atomstrom nimmt jedoch seit Jahren ab. Dies nicht aus Sicherheitsbedenken, sondern weil die Preise für Erdgas dermassen gefallen sind, dass sich Investitionen in Kernenergie nicht mehr lohnen.

Russland

Trotz der Tschernobyl-Katastrophe werden in Russland immer noch 18 Prozent des Stroms durch Kernenergie erzeugt. Es sind insgesamt 34 Kernreaktoren in Betrieb, sechs Reaktoren werden zurzeit gebaut. Zwölf Reaktoren wurden bereits stillgelegt. Alle russischen Kernkraftwerke werden vom staatlichen Unternehmen Rosenergoatom betrieben.

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Könnte früher vom Netz genommen werden als geplant: Blick über den Rhein und das Dorf Full-Reuenthal auf den Kühlturm des Kernkraftwerks Leibstadt. (Archivbild)

Könnte früher vom Netz genommen werden als geplant: Blick über den Rhein und das Dorf Full-Reuenthal auf den Kühlturm des Kernkraftwerks Leibstadt. (Archivbild)

Keystone/Gaetan Bally
Der Bundesrat will erneuerbare Energien fördern: Das grösste Windkraftwerk der Innerschweiz im Entlebuch bei der Alp Lutersarni. (30.8.2013)

Der Bundesrat will erneuerbare Energien fördern: Das grösste Windkraftwerk der Innerschweiz im Entlebuch bei der Alp Lutersarni. (30.8.2013)

Keystone/Sigi Tischler
Hat Ausbaupotenzial: Fotovoltaik-Anlage auf dem Mont Soleil im Berner Jura nutzt die Energie der Sonne. (20. April 2007)

Hat Ausbaupotenzial: Fotovoltaik-Anlage auf dem Mont Soleil im Berner Jura nutzt die Energie der Sonne. (20. April 2007)

Keystone

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