Angst vor Infrastruktur-Kollaps - Diese Länder verkürzen Quarantäne wegen Omikron
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Angst vor Infrastruktur-Kollaps Diese Länder verkürzen Quarantäne wegen Omikron

Weltweit steigen die Corona-Infektionszahlen wegen der hochansteckenden Omikron-Variante massiv an. Was, wenn deswegen ein relevanter Teil der Bevölkerung gleichzeitig in Quarantäne gehen muss? Einige Länder treffen bereits Massnahmen.

von
Karin Leuthold
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Angesichts der sich rasant ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus mit zahlreichen Neuinfektionen haben mehrere Länder die Isolationsdauer bei Ansteckung verkürzt.

Angesichts der sich rasant ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus mit zahlreichen Neuinfektionen haben mehrere Länder die Isolationsdauer bei Ansteckung verkürzt.

Malte Krudewig/dpa
Dadurch, dass Millionen Menschen an ihren Arbeitsplätzen ausfallen, droht dem öffentlichen Leben der völlige Zusammenbruch  - vom Gesundheitswesen ….

Dadurch, dass Millionen Menschen an ihren Arbeitsplätzen ausfallen, droht dem öffentlichen Leben der völlige Zusammenbruch - vom Gesundheitswesen ….

Thomas Banneyer/dpa
… bis Polizei, Feuerwehr, öffentlicher Verkehr oder in der Wirtschaft.

bis Polizei, Feuerwehr, öffentlicher Verkehr oder in der Wirtschaft.

Hauke-Christian Dittrich/dpa

Darum gehts

  • Viele Länder – vor allem in Europa – verzeichnen so viele Corona-Infektionen wie noch nie.

  • Müssen Millionen Menschen gleichzeitig in Quarantäne, wäre neben dem Gesundheitssystem auch die kritische Infrastruktur schwer belastet.

  • Fünf Länder haben bereits die Quarantäneregeln herabgesetzt, zwei weitere debattieren darüber.

Die Zahl der Neuinfektionen nimmt seit Wochen in fast ganz Europa rapide zu - in einigen Fällen trotz einer sehr hohen Impfquote. Damit werden die Quarantänefälle auch immer mehr. Millionen Menschen fallen derzeit an ihren Arbeitsplätzen aus, dem öffentlichen Leben - vom Gesundheitswesen bis Polizei, Feuerwehr oder öffentlicher Verkehr - droht der völlige Zusammenbruch.

Soll die Quarantänezeit verkürzt werden? Diese Frage stellen sich die wissenschaftlichen Beiräte mehrerer Regierungen. Mit den Erkenntnissen, wonach die neue Virusvariante Omikron zwar ansteckender sei, aber offenbar einen eher milden Krankheitsverlauf habe, haben einige bereits eine Entscheidung getroffen. Andere debattieren noch. Ein Überblick:

Portugal

Die portugiesischen Gesundheitsbehörden verkürzen die vorgeschriebene Quarantänezeit für mit dem Coronavirus infizierte, symptomfreie Personen von zehn auf sieben Tage. Enge Kontaktpersonen positiver Fälle müssen ebenfalls weiterhin in Quarantäne, allerdings für maximal sieben Tage, wie am 30. Dezember von der Generaldirektion für Gesundheit mitgeteilt wurde. Die portugiesische Tageszeitung «Diario de Notícias» berichtete, dass die Inselgruppe Madeira die vorgeschriebene Isolationszeit auf fünf Tage verkürzt habe.

Spanien

In Spanien ist eine verkürzte Corona-Isolation nach Ansteckung seit dem 29. Dezmeber beschlossene Sache. Bei einer Corona-Infektion ohne Symptome wird die verordnete Isolationsdauer von zehn auf sieben Tage verkürzt. Die Verkürzung gilt auch für nicht geimpfte Menschen mit einem noch nicht bestätigten Verdacht auf eine Corona-Ansteckung, etwa für die Kontaktpersonen eines Infizierten. Geimpfte, die Kontakt zu einem Infizierten hatten, müssen sich in Spanien nicht isolieren.

USA

Die US-Gesundheitsbehörde CDC entschied am 27. Dezember, die empfohlene Isolationsdauer nach einer Corona-Infektion von zehn auf fünf Tage zu verkürzen. Grund seien wissenschaftliche Erkenntnisse, dass die meisten Ansteckungen früh im Krankheitsverlauf stattfinden – in der Regel in den ein bis zwei Tagen vor dem Auftreten der Symptome und in den zwei bis drei Tagen danach, so die CDC.

Israel

Israel lockerte am 28. Dezember, einen Monat nach der Entdeckung der Omikron-Variante im eigenen Land, die Quarantäne-Regeln für Geimpfte. Wer vollständig gegen Corona geimpft ist und in Kontakt mit einem Infizierten kommt, muss nur noch in Quarantäne, bis ein negatives Testergebnis vorgelegt werden kann. Zudem müssten Betroffene zehn Tage lang Orte mit vielen Menschen und den Kontakt zu besonders gefährdeten Personen meiden.

Bisher war eine Quarantäne von mindestens sieben Tagen für alle Personen vorgeschrieben. Dies gilt künftig nur noch für Ungeimpfte. Als vollständig geimpft gilt in Israel, wer in den vergangenen sechs Monaten seine zweite Impfung oder bereits die Booster-Impfung erhalten hat.

Argentinien

Argentinien kündigte am 29. Dezember eine Reduzierung der Quarantäne von vollständig geimpften Infizierten von zehn auf sieben Tage an. Geimpfte, die Kontakt zu einem Infizierten hatten, aber keine Symptome aufweisen, müssen sich laut Gesundheitsministerin Carla Vizzotti nur noch fünf Tage lang isolieren.

Italien

Italien gehört zu den Ländern, die noch keine Entscheidung über eine allfällige Quarantäne getroffen haben. Dennoch wollen Corona-Experten die Situation der Dreifach-Geimpften bald leichter machen. Aktuell müssen diese eine Quarantäne von sieben Tagen absitzen, neu könnte für sie die Isolation drei bis fünf Tage dauern.

Für Nino Cartabellotta von der Stiftung Gimbe ist der Fall klar: «Jeder Positive kann im Durchschnitt zehn oder 15 enge Kontakte gehabt haben». Bei Menschen, die bereits den Booster bekommen haben, bestehe eine geringe Ansteckungsgefahr, wie er der Nachrichtenagentur ANSA sagt. Den Entscheid über die verkürzte Isolationszeit dürfte die italienische Regierung erst nach den Neujahrsfeiertagen treffen.

Deutschland

Auch der deutsche Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach prüft offenbar eine Verkürzung der Quarantänedauer bei Kontakt mit Infizierten. Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt derzeit bei einer Ansteckung mit der Omikron-Variante, dass sich Infizierte und ihre Kontaktpersonen für 14 Tage isolieren beziehungsweise in Quarantäne begeben sollen. Das schliesst auch Geimpfte und Genesene ein. Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung beschäftigt sich nun auf Bitten Lauterbachs mit einer Anpassung der Quarantänedauer.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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