Muttenz BL: «Diese Landschaft muss unversehrt bleiben»
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Muttenz BL«Diese Landschaft muss unversehrt bleiben»

Rettet Vera Weber die Rütihard? Die einflussreiche Fondation Franz Weber kämpft nun an der Seite der Muttenzer Bevölkerung gegen den Salzabbau im Naherholungsgebiet.

von
lha

Die Rütihard wird als «Oase der Ruhe und Biodiversität» geschätzt. (Video: IG Rettet die Rütihard)

Ob Zweitwohnungsinitiative oder das Ozeanium in Basel, die Fondation Franz Weber weiss, wie man Kämpfe gewinnt. Jetzt schliesst sich die Stiftung dem Kampf der Muttenzer Bevölkerung gegen den Salzabbau auf der Rütihard an. Über 6000 Einwohner der Gemeinde haben letztes Jahr eine Petition gegen den Salzabbau unterschrieben. Die vor allem landwirtschaftlich genutzte Fläche ist ein beliebtes Naherholungsgebiet der Basler Vorortsgemeinde.

Unter den Äckern schlummern mächtige Salzvorkommen, die Schweizer Salinen AG haben bereits mit ersten Sondierbohrungen angefangen. 29 Bohrlöcher wären gemäss Plänen der Interessensgemeinschaft auf dem Gebiet Rütihard vorgesehen. Das wäre ein massiver Eingriff in die Natur. Schon die beiden Sondierbohrungen haben regen Baustellenverkehr zur Folge.

«Man kann noch alles stoppen»

«Die Rütihard darf nicht durchlöchert werden, diese Landschaft muss unversehrt bleiben», sagt Vera Weber, Präsidentin der Fondation Franz Weber. Ihre Stiftung hat der IG Rettet die Rütihard nach einer Anfrage spontan die Unterstützung zugesagt. Dies, im Gegensatz zu anderen bekannten Naturschutzorganisationen. Die Schutzwürdigkeit des Naherholungsgebiets, das an ein Naturschutzgebiet angrenzt, steht für Weber ausser Frage. «Es ist eine Oase der Ruhe und reich an Biodiversität.»

Die Artenvielfalt sei dank vielfältiger Lebensräume auf der Rütihard besonders gross, schreibt die IG. Zudem sei die Kulturlandschaft eine grüne Lunge. Die Ackerflächen absorbierten gleich viel CO2 wie eine gleich grosse Waldfläche.

Der breite Widerstand gegen die Salzbohrungen hat den Gegnern immerhin Zeit verschafft und einen Dialogprozess mit den Schweizer Salinen sowie der Einwohner- und Bürgergemeinde initiiert. «Man kann noch alles stoppen», sagt Weber. Die Schweizer Salinen planen eigentlich, ab 2025 mit dem Abbau der Salzvorkommen auf der Rütihard anfangen zu können. Die Konzession dazu haben sie schon seit Jahren.

Weniger Streusalz wegen Klimaerwärmung

Für die Salinen ist die Rütihard ein zentrales Abbaugebiet zur langfristigen Sicherung der Salzversorgung in der Schweiz. Weber hält dies für überflüssig. «Durch die Klimaerwärmung braucht es gar nicht mehr so viel Streusalz. Die heutigen Vorräte reichen noch für 70 Jahre», sagt sie.

Die Schützenhilfe der Fondation Franz Weber ist für den Muttenzer Widerstand gegen den Salzabbau auf der Rütihard ein weiterer Etappensieg. Die Stiftung kann mindestens ihre Erfahrung in solchen Verfahren einbringen. «Das ist für uns ganz wichtig», sagt Landwirt Ruedi Brunner, der die IG Rettet die Rütihard initiierte.

Weber kann Verbandsbeschwerde erheben

Die Fondation hat bereits angekündigt, nötigenfalls von ihrem Verbandsbeschwerderecht Gebrauch zu machen. Dies berechtigt gesamtschweizerische Umweltorganisationen gegen Projekte Einsprache oder Beschwerde zu erheben. Für Umweltorganisationen ist dies seit dessen Einführung in den 1960er-Jahren zu einem mächtigen Instrument entwickelt. 2018 wurde knapp ein Drittel der 49 Verbandsbeschwerden gutgeheissen.

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Die Muttenzer Rütihard ist ein beliebtes Naherholgungsgebiet vor den Toren Basels. Die Kulturlandschaft grenz an mehrere Naturschutzgebiete. Die Schweizer Salinen wollen hier ab 2025 Salz abbauen.

Die Muttenzer Rütihard ist ein beliebtes Naherholgungsgebiet vor den Toren Basels. Die Kulturlandschaft grenz an mehrere Naturschutzgebiete. Die Schweizer Salinen wollen hier ab 2025 Salz abbauen.

IG Rettet die Rütihard
Landwirt Ruedi Brunner will sein Land nicht kampflos aufgeben und erteilt den Plänen der Schweizer Salinen eine Absage: «Hier wird nicht gebohrt.»

Landwirt Ruedi Brunner will sein Land nicht kampflos aufgeben und erteilt den Plänen der Schweizer Salinen eine Absage: «Hier wird nicht gebohrt.»

Leonardo Del Zenero
Bis zu 30 Bohrstationen planen die Salinen, um die üppigen Salzvorkommen unter der Rütihard abzubauen. Für viele ist das ein zu massiver Eingriff in die Natur.

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zvg

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