Polizei räumt Sitzbänke vor Bahnhof: «Diese Leute sind der Stadt einfach ein Dorn im Auge»
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Polizei räumt Sitzbänke vor Bahnhof«Diese Leute sind der Stadt einfach ein Dorn im Auge»

Die Sitzbänke vor dem Bahnhof Basel SBB wurden allesamt entfernt. Diese seien ein regelrechter Treffpunkt geworden, begründet die Kantonspolizei die Demontage. Wiederholt kam es dort auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

von
Oliver Braams

Keine Sitzgelegenheit, keine Probleme: Vor dem Bahnhof wurden Bänke demontiert, zuvor kam es dort regelmässig auch zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.

20 Minuten

Darum gehts

  • Am Montag wurden vor dem Bahnhof Basel SBB sämtliche Sitzbänke demontiert.

  • Der überdachte Platz ist ein Treffpunkt für Armutsbetroffene, Menschen mit Suchtproblemen und Bettler.

  • Die Polizei begründet die Massnahme damit, dass sich dort permanent Gruppen bildeten und Corona-Massnahmen missachtet wurden.

Seit Montag gibt es vor dem Basler Bahnhof SBB keine Sitzbänke mehr. Wie Bajour berichtete, wurden diese im Auftrag der Basler Kantonspolizei demontiert und wegtransportiert. Ein Instagram-User, der dem Medium ein Video davon zuspielte, kritisiert diese Art der «Problembewältigung». Die Bänke sind nämlich ein beliebter Treffpunkt von Menschen in prekären Lebenssituationen. Allerdings kommt es deswegen auch immer wieder zu Konflikten. Vor allem seit auch osteuropäische Bettler dort Platz für sich beanspruchen.

Mitte Januar filmte 20 Minuten-Leser Martin G. eine Schlägerei zwischen zwei Personen vor dem Haupteingang zum Bahnhof Basel SBB. «In Corona Zeiten haben die Obdachlosen einen noch schwereren Stand als auch schon», kommentierte er die Situation gegenüber 20 Minuten. Die Kantonspolizei Basel-Stadt habe in den vergangenen Wochen aufgrund von Meldungen aus der Bevölkerung sowie eigenen Beobachtungen wiederholt zum Vorplatz des Bahnhofs SBB ausrücken müssen. «Darunter auch wegen Meldungen von Streitereien», wie Toprak Yerguz, Sprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements, auf Anfrage sagt.

«Kaum war die Patrouille weg, kam es wieder zu Gruppenbildungen»

Toprak Yerguz, Mediensprecher Justiz- und Sicherheitsdepartement Basel-Stadt

Das sei aber nicht der Grund für die Entfernung der Sitzbänke vor dem Haupteinang des Bahnhofs. «Sie wurden provisorisch abmontiert, da sie sich zu regelrechten Treffpunkten mit hohem Zulauf entwickelt haben», so Yerguz.

Angesichts der dortigen Situation haben die Polizisten jedes Mal auf die Einhaltung der Massnahmen hinweisen müssen. Mit mässigem Erfolg, so Yerguz: «Kaum war die Patrouille weg, kam es wieder zu Gruppenbildungen.» Eine konsequente Verzeigung der Personen habe die Polizei aber nicht als geeignetes Mittel erachtet. Nach Ansicht der Polizei ist das das mildeste Mittel, um dem dortigen, räumlich sehr begrenzten Phänomen zu begegnen.

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Am Montag wurden die Sitzbänke vor den Haupteingängen des Bahnhof SBB in Basel entfernt.

Am Montag wurden die Sitzbänke vor den Haupteingängen des Bahnhof SBB in Basel entfernt.

20min-Community
Der gedeckte Vorplatz vor dem Bahnhof ist ein beliebter Aufenthaltsort für Menschen in prekären Lebenssituationen.

Der gedeckte Vorplatz vor dem Bahnhof ist ein beliebter Aufenthaltsort für Menschen in prekären Lebenssituationen.

Lukas Hausendorf
Ein Leser vermutet, dass die Entfernung der Sitzbänke damit zu tun hat. Im gleichen Zug seien Plakate mit der Überschrift «Verhaltensregeln für Basel» aufgehängt worden.

Ein Leser vermutet, dass die Entfernung der Sitzbänke damit zu tun hat. Im gleichen Zug seien Plakate mit der Überschrift «Verhaltensregeln für Basel» aufgehängt worden.

20min-Community

Sinan B., der am Montagmorgen beobachtete, wie die Sitzgelegenheiten demontiert wurden, sagt auf Anfrage von 20 Minuten jedoch, er habe sich schon gefragt, weshalb es fünf oder sechs Polizisten brauche, um die Bänke abzuschrauben. «Ich vermute, dass es sich um eine Aktion handelt, um die Bettler und die anderen Randständigen zu verdrängen.»

«Diese Leute sind der SBB und der Stadt einfach ein Dorn im Auge»

Leser Sinan B.

Das ganze sei eine Problembewältigung, sagt er. «Ich denke, diese Leute sind der SBB und der Stadt einfach ein Dorn im Auge.» Dass die Aktion mit der Einhaltung der Corona-Massnahmen zu tun habe, glaubt er nicht: «Im gleichen Augenblick wurden Plakate mit der Überschrift ‹Verhaltensregeln für Basel› aufgehängt.» Das Abschrauben der Bänke stehe also im Zusammenhang mit den Bettlern.

Das Justiz- und Sicherheitsdepartement weist diesen Vorwurf kategorisch zurück. «Die Polizei beantragte, die Bänke bis zum Ende der Covid-19-Massnahmen provisorisch abzumontieren», hält Yerguz fest. Ist das Virus weg, darf dort also wieder ohne Einschränkungen abgehangen werden.

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