Dritte Welle gebrochen - Diese Lockerungen sind jetzt in Sicht
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Dritte Welle gebrochenDiese Lockerungen sind jetzt in Sicht

Quarantäne, Restaurants, Homeoffice-Pflicht: Der Druck auf den Bundesrat, weiter zu lockern, steigt. Angesichts der rückläufigen Zahlen liege dies drin, sagen Politiker.

von
Pascal Michel
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Bisher unterstehen Geimpfte noch der Quarantänepflicht, wenn sie aus einem Risikogebiet zurückkehren.

Bisher unterstehen Geimpfte noch der Quarantänepflicht, wenn sie aus einem Risikogebiet zurückkehren.

20min/Taddeo Cerletti
Eine Änderung fasst der Bundesrat an seiner Sitzung am Mittwoch ins Auge.

Eine Änderung fasst der Bundesrat an seiner Sitzung am Mittwoch ins Auge.

20min/Celia Nogler
Fabio Regazzi vom Gewerbeverband fordert, dass neben den Terrassen auch Restaurant-Innenräume wieder aufsperren können.

Fabio Regazzi vom Gewerbeverband fordert, dass neben den Terrassen auch Restaurant-Innenräume wieder aufsperren können.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Mit den sinkenden Zahlen wird der Ruf nach weiteren Lockerungen laut.

  • Gewerbe-Präsident Fabio Regazzi sagt: «Jetzt muss der Bundesrat lockern.»

  • Zur Debatte dürften am Mittwoch im Bundesrat auch die Quarantäne-Regeln stehen.

Fallzahlen, Hospitalisierungen, Todesfälle sowie positive Tests: Bei den wichtigen Indikatoren für das aktuelle Infektionsgeschehen meldet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen rückläufigen Trend. Jüngst bestätigte die Taskforce, dass man in den eigenen Modellen die positive Entwicklung, wie sie sich derzeit abzeichnet, nicht erwartet hatte.

Vorsichtig optimistisch gibt sich auch GLP-Nationalrat Martin Bäumle in seinem Modell: Mit dem aktuellen Trend habe man die dritte Welle klar gebrochen. Dank dem Wetter habe man «den Höhepunkt der Viralität leicht überschritten». Die Viralität umfasst die Zahl der ansteckenden Personen.

Dies erhöht den Druck auf den Bundesrat, an seiner Sitzung vom Mittwoch weitere Lockerungen in Aussicht zu stellen. Sogar Martin Ackermann, Präsident der Covid-Taskforce, erklärte in der «NZZ am Sonntag»: «Der Spielraum wird zunehmend grösser.»

Folgende Punkte dürften zur Diskussion stehen:

Quarantäne-Regeln
Wer aus einem Risikoland in die Schweiz einreist, muss für zehn Tage in Quarantäne. Das gilt auch für die über eine Million vollständig geimpften Personen in der Schweiz. Dies könnte sich bald ändern: Der Bundesrat diskutiere demnächst über die Rücknahme von Einschränkungen wie der Reisequarantäne, heisst es beim BAG. Eine andere konkrete Lockerung hatte der Bundesrat den Kantonen bereits vorgeschlagen: Genesene sollen statt wie bisher drei neu sechs Monate von der Test- und Quarantänepflicht befreit werden und ein Flugzeug ohne Nachweis eines negativen Tests betreten dürfen, heisst es in einem Dokument des BAG.

Nicolo Paganini, Präsident des Tourismusverbands hofft, dass der Bundesrat auch bei der Anerkennung von ausländischen Impfpässen vorwärts macht. «Solange wir Tests und, bei gewissen Herkunftsländern, Quarantäne auch für Geimpfte verlangen, machen diese Gäste keine Ferien bei uns», sagt er zu 20 Minuten. Mit der Lancierung eines «Grünen Passes», der Reisen ermöglichen soll, ist bisher Österreich vorgeprescht, das den Pass Ende Mai einführen will.

Homeoffice-Pflicht
Seit dem 18. Januar gilt die Pflicht, wenn immer möglich von zu Hause aus zu arbeiten. Diese Regelung könnte nun im Bundesrat zur Diskussion stehen. Fabio Regazzi, Präsident des Gewerbeverbands, sagt zu 20 Minuten: «Der Homeoffice-Zwang, der gerade KMUs schadet und kaum etwas bewirkt hat, muss fallen.» Auch generell sei klar, dass der Bundesrat die sich entspannende Situation nicht ignorieren könne: «Jetzt muss der Bundesrat lockern.» Mit der fortschreitenden Impfung und der positiven Entwicklung der Indikatoren gebe es keine Rechtfertigungen mehr für Einschränkungen.

Restaurant-Innenräume
Regazzi fordert, dass neben den Terrassen auch Restaurant-Innenräume wieder aufsperren können. «Mit den Schutzkonzepten ist das mit vertretbarem Risiko möglich», sagt er. Seit der Öffnung der Fitnessstudios habe man gesehen, dass Innenräume mit Schutzkonzepten kein erhöhtes Ansteckungsrisiko darstellten. «Die Zahlen gehen in die richtige Richtung. Ich sehe keinen Grund, warum der Bundesrat den Wirten jetzt nicht dieselben Öffnungen zugestehen soll wie den Fitnesscentern.» Alles andere sei diskriminierend, sagt Regazzi.

Noch weiter geht SVP-Nationalrat Thomas Matter. In einem Youtube-Video fordert er nicht nur die Auflösung der Taskforce, sondern ruft den Bundesrat dazu auf, «subito» alles aufzumachen.

Nicht zu früh aufmachen

Gesundheitspolitikerin Katharina Prelicz-Huber (Grüne) mahnt noch zu Geduld: Zwar sei die aktuelle Entwicklung erfreulich und man trete in die Stufe 2 von Alain Bersets Phasenmodell ein (Stabilisierungsphase). Man müsse aber vorsichtig bleiben und dürfe nicht zu früh alles aufmachen. «Nicht, dass kurz bevor sich alle Impfwilligen impfen lassen konnten, eine neue Ansteckungswelle kommt.» Eine Anpassung der Homeoffice-Pflicht oder die Öffnung von einem kleinen Teil der Restaurant-Innenräume ist für Prelicz aber denkbar.

Für Taskforce-Chef Martin Ackermann ist es dafür noch zu früh: «Begegnungen in Innenräumen ohne Masken stellen das grösste Infektionsrisiko dar. Das Risiko wird kleiner werden, wenn noch mehr Menschen geimpft sind und weniger Viren zirkulieren», sagte er der «NZZ am Sonntag».

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