Aktualisiert 09.10.2019 13:01

Audi R8 Coupé«Diese Mafia hat mir mein Traumauto genommen»

Leser Alper Ates dachte, er habe den Deal seines Lebens gemacht. Doch in Wirklichkeit wurde er betrogen. Nun zahlt er monatlich für sein Traumauto, obwohl es längst weg ist.

von
juu
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Leser Alper Ates erfüllte sich im Februar 2018 einen Traum.

Leser Alper Ates erfüllte sich im Februar 2018 einen Traum.

privat
Er kaufte sich einen Audi R8 Coupé.

Er kaufte sich einen Audi R8 Coupé.

privat
Das Auto kostet neu rund 144'000 Euro (umgerechnet rund 157'000 Franken). Durch das Leasing zahlt er monatlich 2100 Euro (rund 2300 Franken).

Das Auto kostet neu rund 144'000 Euro (umgerechnet rund 157'000 Franken). Durch das Leasing zahlt er monatlich 2100 Euro (rund 2300 Franken).

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«Ich hätte nie gedacht, dass ich Betrügern auf den Leim gehe», sagt Alper Ates. Der Deutsche, der in Zürich arbeitet, erfüllte sich im Februar 2018 einen Traum und leaste sich den Sportwagen Audi R8 Coupé – direkt bei Audi. Für sein Traumauto zahlt er monatlich 2100 Euro (umgerechnet rund 2300 Franken). Um einen kleinen Zustupf zu haben und «Menschen eine Freude zu machen», inserierte er den Audi auf Ebay Kleinanzeigen.

«Im Juli meldete sich ein Mann namens S. B.* und machte mir ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte», erzählt Ates. Der Interessent bot ihm insgesamt 180'000 Euro (rund 196'200 Franken) für 24 Monate Fahrspass. Da B. kein deutscher Staatsbürger, sondern lediglich Kurzaufenthalter sei, könne er sich hier kein Auto leasen. Der 29-Jährige willigte in die Vermietung ein und die beiden einigten sich auf eine Ratenzahlung.

Vom Mieter und vom Audi fehlt jede Spur

Vor der Übergabe habe Ates einen gründlichen Hintergrundcheck beim potenziellen Mieter vorgenommen und einen Registerauszug angefordert. 20 Minuten liegen mehrere Unterlagen vor, in denen sich Mieter S. B. als Geschäftsführer einer Berliner Hotelverwaltung bezeichnet. Ein entsprechender Handelsregisterauszug bestätigt seine Tätigkeit. Am Tag der Abholung kopierte der Audi-Fahrer auch die ID von B. und verlangte eine Anzahlung in Höhe von 5000 Euro (rund 5450 Franken). Danach übergab er ihm das Fahrzeug. Dass er einem Betrüger aufgesessen ist, realisierte er erst Wochen später.

Als die Anzahlung und die erste Rate fällig waren, wurde Ates stutzig: «Ich habe vergeblich auf mein Geld gewartet. Seither blieben die Zahlungen aus. Er hielt sich nicht an die vertraglich geregelte Überweisung.» Stattdessen musste der Deutsche für B. bezahlen: «Ich bekam insgesamt drei Blitzer-Rechnungen. Ich musste auch noch für die Geschwindigkeitsüberschreitungen von dem Typen zahlen», sagt er. Alle Kontaktversuche an den «Mieter» schlugen fehl. Von B. und dem Audi fehlt seit dem Treffen im Juli jede Spur.

50'000 Euro Finderlohn

Der Detailhandelsfachmann zahlt seit mehr als einem Jahr nun die Rate für ein Auto, das er gar nicht mehr besitzt. «Die Versicherung von Audi sagt, dass es meine eigene Schuld sei. Deshalb zahlt sie nicht.» Auf Anfrage von 20 Minuten erklärt Audi, dass eine Weitervermietung untersagt sei: «In den Darlehensbedingungen steht klar, dass der Darlehensnehmer nicht befugt ist, über das Fahrzeug ohne Zustimmung der Bank zu verfügen oder dieses zu vermieten, soweit dadurch die Sicherheit beeinträchtigt wird», sagt Sprecherin Susanne Killian.

Wie es nun weitergehe und ob Ates den Audi komplett abzahlen müsse, dürfe sie aufgrund des Bankgeheimnisses nicht beantworten. Ates rechnet aber damit, dass er den Wagen vollumfänglich bezahlen muss. «Derzeit sind noch 115'000 Euro offen. Ich verblute durch das Abzahlen», so der 29-Jährige. Deshalb setzt er nun 50'000 Euro Finderlohn aus, wenn ihm jemand sein Auto zurückbringt.

Kriminelle Organisation vermutet

Mittlerweile hat Ates Anzeige gegen den vermeintlichen Interessenten eingereicht und einen Anwalt eingeschaltet. Der Fall liegt nun bei der Staatsanwaltschaft Berlin, da dort der Wohnort des mutmasslichen Betrügers ist. «Wir ermitteln derzeit in einem Betrugs-/Finanzdelikt. Das Verfahren ist noch offen», heisst es seitens der Staatsanwaltschaft.

Laut Ates ist der Beschuldigte untergetaucht. Er vermutet, dass er nicht allein handelte, sondern dass es sich um eine kriminelle Organisation handelt, die sich mit dieser Masche Luxusautos aneignet. Ob S. B. überhaupt der echte Name sei, wisse er nicht mit Sicherheit. Auch nicht, ob es weitere Geschädigte gebe. «Ich hoffe, dass dieser Mafia bald das Handwerk gelegt wird. Schliesslich hat sie mir mein Traumauto genommen», so Ates.

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