Lotto-Jackpot: Diese Millionäre machten alles falsch
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Lotto-JackpotDiese Millionäre machten alles falsch

Viele Schweizer fordern ihr Glück heraus: Der Lotto-Jackpot ist so hoch wie nie. Gewinner sind aber gut beraten, diese Geschichten gescheiterter Millionäre zu studieren.

von
num

Gegen 700'000 Lottoscheine werden bis zur Ziehung von heute Mittwoch abgegeben - der höchste Jackpot in der Schweizer Lottogeschichte wartet auf einen Gewinner: 36 Millionen Franken.

Doch bringt der Gewinn der Millionen wirklich Glück mit sich? In der Schweiz verhalten sich die Lotto-Gewinner auffallend unauffällig und bleiben meist anonym. Swisslos zerrt die Gewinner nicht - wie im angelsächsischen Raum üblich - vor die Kameras; kein Foto mit riesigem Check und obligater Champagner-Dusche erscheint in den Zeitungen.

Geschichten über zerstörte Existenzen gibt es aus der ganzen Welt. Einer sticht dabei hervor: Jack Whittaker, heute ein gramerfüllter 67-Jähriger, gewann vor zwölf Jahren 315 Millionen Dollar - und musste danach mitansehen, wie Gier, Drogen und seine Familie sein Leben verätzten.

«Wünschte, ich hätte das Los zerrissen»

Er wurde mehrfach verhaftet - wegen Trunkenheit am Steuer oder Drohungen -, wurde verklagt, bestohlen, betrogen und fünf Jahre nach dem Gewinn von seiner Frau verlassen. Der Freund seiner 17-jährigen Enkelin starb an einer Drogenüberdosis, sie selbst fiel wenige Monate später ebenfalls den Drogen zum Opfer. Der dritte Todesfall betraf schliesslich die Mutter seiner Enkelin, Whittakers Tochter, die aus bislang ungeklärten Gründen starb.

Whittaker sagt heute zu seinem Lottogewinn: «Ich wünschte, ich hätte das Los damals zerrissen.» Er habe keine Freunde mehr und sei kaltherzig geworden. Manchmal trifft das vermeintliche Glück auch Teenager: Die 16-jährige Callie Rogers gewann umgerechnet rund 2,8 Millionen Franken in England.

Sie verjubelte es für Ferien und Häuser, ging auf exzessive Shopping-Trips, verschenkte es an Freunde - und liess sich ihre Brüste vergrössern. Sechs Jahre später war sie pleite, zweifache Mutter und muss Schulden zurückzahlen. Sie sagt: «Mein Leben ist ein Chaos und da jetzt alles weg ist, kann ich hoffentlich glücklich werden. Das Geld hat mein Leben ruiniert.»

Schweizer Gewinner spielt immer noch

Das wohl bekannteste Beispiel aus Deutschland ist «Lotto-Lothar», ein Arbeitsloser, der sich nach seinem Gewinn 1994 der Masslosigkeit nicht erwehren konnte: Orgien auf Mallorca, teure Autos, Casino-Besuche - schliesslich der Tod durch Leberzirrhose.

Und in der Schweiz? Hier ist vor allem Werner Bruni bekannt, der erste Schweizer Lottomillionär, der 1979 1,7 Millionen gewann. Nach sieben Jahren war er pleite. Bis heute spielt er mit den gleichen Zahlen Lotto. Nicht um Millionen zu gewinnen, das will er nicht mehr, sondern «für ein Sackgeld».

Ein anderer Schweizer Lotto-Millionär, der heute nicht mehr öffentlich sprechen will, kaufte sich von seinem Gewinn als erste Investition - ein Toupet.

Doch dann wäre noch Luke Pittard zu erwähnen, ein Angestellter bei McDonald's. Er gewann umgerechnet rund 1,7 Millionen Franken. Er machte eine Reise, heiratete und kaufte sich ein Haus, lebte von den Zinsen. Und heuerte wieder bei McDonald's an - das Leben als Millionär war ihm zu langweilig geworden.

Kinder nicht immer informiert

Eine Mitarbeitern von loterie romande sagt: «Wir garantieren den Gewinnern Anonymität und raten ihnen zur Diskretion.» Während Ehepartner sich über den unverhofften Geldsegen gegenseitig informierten, so würden Kinder nicht immer über den Millionengewinn informiert. «Jugendliche, die noch nie gearbeitet haben, könnten versucht sein, ihre Schule abzubrechen», erklärte sie die Zurückhaltung. «Wir raten ihnen dazu, sich Zeit zu lassen, Distanz zu gewinnen, gut zu überlegen und dann Prioritäten zu setzen», sagte die Mitarbeiterin weiter. Die meisten Schweizer Gewinner investierten ins Wohnen. Oder sie verbesserten ihren Lebensstil, allerdings ohne allzu drastische Änderungen. Oft würden Lottogewinner das Geld auch für mehr vermehrtes Reisen verwenden oder ihre Familien beschenken.

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