03.07.2014 17:29

WM-Fazit

Diese Nati hat ihren Zenit noch vor sich

Am Donnerstag landete die Schweizer Nati in Zürich - enttäuscht nach dem Out im WM-Achtelfinal, aber auch stolz auf das Erreichte. Der Blick in die Zukunft stimmt zuversichtlich.

von
S. Compagno & E. Tedesco

Doch zuerst ein kurzer Blick zurück, genauer auf die 121. Minute in diesem denkwürdigen WM-Achtelfinal zwischen der Schweiz und Argentinien. Blerim Dzemaili trifft per Kopf den Pfosten, der Ball springt an sein Knie und von dort ins Aus. Argentinien bringt den 1:0-Vorsprung mit allem Glück der Welt über die Zeit. «El palo de Dios», der Pfosten Gottes, schreibt die argentinische Zeitung «Olé» und dankt dem Lieben Gott bzw. Papst Franziskus als seinem Stellvertreter auf Erden für die glückliche Fügung. Ein Kalauer, der deutlich macht, wie gross die Erleichterung am Rio de la Plata ist, gegen einen derart gut organisierten, unangenehmen Gegner im Turnier geblieben zu sein.

Unsere Nati hat an dieser WM eine eindrückliche Visitenkarte abgegeben. Ihr Ausscheiden kam zu früh. Doch statt dieser 121. Minute nachzutrauern, sollten wir den Blick nach vorn richten. Der abtretende Ottmar Hitzfeld überlässt seinem Nachfolger Vladimir Petkovic ein bestelltes Feld. Mit einem Altersdurchschnitt von 25 Jahren war die Schweiz die viertjüngste Mannschaft in Brasilien. Alle Leistungsträger bleiben an Bord. Anders als 2006 (Vogel) und 2010 (Huggel, Nkufo, Magnin) zeichnet sich dieses Mal kein Rücktritt ab. Die Achse der Mannschaft mit Goalie Diego Benaglio, Abwehrchef Steve von Bergen und den Mittelfeldpunchern Gökhan Inler und Valon Behrami ist rund 30 Jahre alt, wie auch Stephan Lichtsteiner. Diese Spieler werden vielleicht keine Weltmeisterschaft mehr im Vollbesitz ihrer Kräfte erleben, aber die Euro 2016 in Frankreich bleibt ein Ziel.

Der Rest ist jung, wild und sexy. Der wirblige Xherdan Shaqiri, der überragende Ricardo Rodriguez, der hochtalentierte Josip Drmic, sie alle sind noch keine 23 Jahre alt. Sie alle haben ihre besten Jahre noch vor sich.

Petkovic darf sich auf ein starkes Kollektiv freuen

Vladimir Petkovic übernimmt von Ottmar Hitzfeld ein funktionierendes Kollektiv. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie er damit umgeht. Petkovic gilt als Anhänger einer Dreierabwehr. So liess er bei YB spielen, so feierte er mit Lazio Rom den italienischen Cup-Sieg. Doch er wird sich hüten, alles auf den Kopf zu stellen. Das erste Länderspiel des schweizerisch-kroatischen Doppelbürgers wird am 8. September in Basel gegen England sein. Dann geht es schon um die EM-Qualifikation. Petkovic dürfte mit der gleichen Mannschaft auftreten, die am Dienstag die Argentinier an den Rand der Verzweiflung brachte.

Später aber wird er seine eigenen Ideen einfliessen lassen. Es sind Ideen eines offensiven, unterhaltsamen Fussballs, gespielt von einer technisch starken, taktisch hervorragend ausgebildeten Mannschaft. Die Tränen von São Paulo sind getrocknet, der Blick nach vorn ist hell und klar. Diese Nati hat uns nicht zum letzten Mal begeistert.

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