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Die Helden von BukarestDiese Nati hat sich bereits unsterblich gemacht – und es ist noch nicht vorbei

Mit einer heroischen Leistung hat sich die Nati den Einzug in den Viertelfinal der EM erkämpft. Die goldene Generation hat abgeliefert, was die Fans sich seit Jahren erhofft haben.

von
Tobias Wedermann
(Bukarest)

Hier wurde Yann Sommer zum Helden von Bukarest.

SRF

Darum gehts

  • Weltmeister Frankreich wurde im Penaltyschiessen ausgeschaltet.

  • Die Schweizer Nati ist zum ersten Mal seit der WM 1954 in einem Viertelfinal eines grossen Turniers.

  • Die Leistung der Nati? Überragend.

«Wir müssen mehr laufen, mehr Zweikämpfe gewinnen und über uns hinauswachsen», forderte Nati-Trainer Vladimir Petkovic rund 24 Stunden vor dem EM-Achtelfinal gegen Weltmeister Frankreich. Und die Mannschaft setzte am Montagabend in Bukarest alles so um – und noch viel mehr. Die Schweiz spulte knapp fünf Kilometer mehr ab als Frankreich. Captain Granit Xhaka und Remo Freuler spielten im Zentrum überragend gut. So hatte Xhaka beispielsweise in der ersten Halbzeit nur einen Fehlpass – lieferte über das komplette Spiel Statistiken von Weltklasseformat ab.

Haris Seferovic zeigte mit einem Doppelpack seine herausragenden Stürmer-Qualitäten und wurde bei seiner Auswechslung mit Sprechchören gefeiert. Manuel Akanji, Nico Elvedi, Silvan Widmer und in der zweiten Halbzeit auch Kevin Mbabu verteidigten die Weltstar-Offensive Frankreichs gemeinsam, wie man es kaum besser machen kann. Steven Zuber lieferte den vierten Goal-Assist in Folge an diesem Turnier – EM-Rekord! Und Yann Sommer? Parierte mehrmals brillant.

Das Spiel war wie die ersten Wochen der EM eine Achterbahn der Emotionen. Mit einem 1:0 ging es in die Pause. Es waren 45 Minuten, die die Schweiz träumen liessen. Vom Sieg gegen das grosse Frankreich, vom Bezwingen des Achtelfinal-Fluchs und dass diese Schweizer Nationalmannschaft in der Hauptstadt Rumäniens Geschichte schreibt. Und dann kamen vier rabenschwarze Minuten. Ricardo Rodriguez verschoss einen Penalty in der 55. Minute, Frankreichs Stürmerstar Karim Benzema glich zwei Minuten später aus und in der 59. Minute traf er auch noch zur 2:1-Führung für die Franzosen. Mit einem Traumtor zum 3:1 beendete Paul Pogba vermeintlich alle Schweizer Träume.

Das Geschichtsbuch ist noch nicht geschlossen

Doch diese Schweizer Nationalmannschaft zeigte Charakter, Kampf und Herz. Sie gab nicht auf und schaffte die Sensation: Petkovic wechselte alles an Offensivkraft ein, was er auf der Bank hatte. Dank Seferovic und später Gavranovic in der 90. Minute glich die Schweiz gegen Frankreich zum 3:3 aus. Verlängerung. Das Stadion tobte. Die Schweizer Nati hatte mit ihrer Leistung die Herzen der rumänischen Fans erobert.

Captain Granit Xhaka packte sich die Mannschaft, bildete einen Kreis: «Wir haben verdient, Geschichte zu schreiben. Konzentriert, ruhig – wir machen das», so der Nati-Anführer. Es war klar: Nun werden Helden geboren. Und der Held hiess Yann Sommer, der im Penaltyschiessen den Elfmeter von Superstar Kylian Mbappé parierte. Ekstase pur beim Schweizer Team auf dem Feld – in der Schweizer Heimat herrschte auf den Strassen, bei den Public Viewings oder nur in den Wohnzimmern Ausnahmezustand.

Diese Nati hat am Montagabend, 28. Juni 2021, Geschichte geschrieben. Diese Generation von Spielern, die seit Jahren als goldene Generation betitelt wird, hat nun wirklich abgeliefert und sich schon jetzt unsterblich gemacht. Das Geschichtsbuch ist aber noch nicht geschlossen. Jetzt wartet Spanien am Freitag um 18 Uhr in St. Petersburg im Viertelfinal.

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