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CNN und Fox patzenDiese News waren zu schnell, um wahr zu sein

Blamage für CNN und Fox News: Die beiden US-Fernsehsender vermeldeten eine Niederlage für Obamas Gesundheitsreform vor dem Obersten Gericht. Auch ein Schweizer Medium lag daneben.

von
pbl

«De Schnäller isch de Gschwinder», lautete eine gut schweizerische Redensart. Man kann sie ohne weiteres auf die heutige Medienwelt übertragen – besonders auf Newsorgane, die rund um die Uhr «auf Sendung» sind. Alle wollen die ersten sein, die heisse Neuigkeiten vermelden können. Dieser Breaking-News-Wettlauf kann durchaus ins Auge gehen, wie die beiden US-Nachrichtensender CNN und Fox News am Donnerstag erleben mussten.

«Der Oberste Gerichtshof hat das Versicherungsobligatorium abgeschmettert», meldete CNN auf seiner Website, via Twitter und iPhone-Alarm, nachdem das Urteil des höchsten US-Justizorgans zur Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama publik geworden war. Konkurrent Fox News blendete auf dem Sender eine sinngemäss gleiche Meldung ein: «Oberstes Gericht beurteilt Obligatorium als verfassungswidrig.»

Sogar Obama soll aufgrund der Meldungen geglaubt haben, das Obligatorium sei gescheitert, schreibt die «Huffington Post». In Wirklichkeit wurde die gesamte Reform vom Supreme Court abgesegnet, inklusive Obligatorium. CNN brauchte 13 Minuten, um eine Korrektur zu verschicken. Hohn und Spott waren dem Sender aus Atlanta gewiss: «Wer betreut euren Twitter-Feed? Ein unbezahlter Praktikant mit Hintergedanken?» hiess es etwa.

Nur den Anfang gelesen

In einer Stellungnahme musste die CNN-Redaktion einräumen, dass sie nur den Anfang der Urteilsbegründung gelesen hatte. Dort hiess es, das Versicherungsobligatorium werde nicht durch die Handelsvollmacht gedeckt, die der US-Regierung durch die Verfassung gewährt wird. In der Folge allerdings argumentierte die Gerichtsmehrheit, das Obligatorium sei als Steuer durchaus verfassungskonform. «CNN bedauert, nicht die vollständige Begründung abgewartet zu haben», entschuldigte sich der Sender. Aber Warten ist eben keine Option.

Dabei kann der Pionier unter den 24-Stunden-Nachrichtenkanälen einen solchen Flop nicht gebrauchen. Die Einschaltquoten von CNN waren zuletzt so tief wie seit 20 Jahren nicht mehr. In Zeiten politischer Polarisierung «informieren» sich Amerikaner weniger über «neutrale» Medien wie CNN als solche mit politischer Schlagseite – zum Beispiel den rechtslastigen Fox News. Dessen Flop schlug denn auch weniger hohe Wellen. «Wunschdenken», war eine typische Reaktion – obwohl der Sender sich selber als «fair und ausgewogen» anpreist.

Der Stolperer von SF Online

Auch ein Schweizer Medium geriet beim Wettlauf um die schnellste «Obamacare»-Meldung ins Stolpern. «Oberster US-Gerichtshof erklärt Obamas Gesundheitsreform für Verfassungskonform, kassiert aber offenbar einzelne Teile davon», meldete das Schweizer Fernsehen sprachlich nicht ganz korrekt, dafür sehr schnell via iPhone-Push. Offenbar handelte es sich um einen vorbereiteten Text: SF Online ging wie viele Beobachter davon aus, dass die höchsten US-Richter die Reform nur teilweise gutheissen würden.

Knapp daneben ist auch vorbei, könnte man in diesem Fall sagen. Denn die Reform wurde mit Ausnahme eines Nebenaspekts in vollem Umfang bestätigt. Freuen über dieses Missgeschick können sich die Schweizer Verleger. Sie wehren sich dagegen, dass das gebührenfinanzierte Fernsehen im Internet Werbung platzieren kann. Mit der Teil-Falschmeldung hat SF Online nicht gerade Werbung in eigener Sache gemacht.

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