18.04.2019 19:50

56% weniger Prämien

Diese Öko-Zückerli kriegen Fahrer von E-Autos

Wer ein Elektroauto fährt, kann bei der Versicherung von einem massiven Ökorabatt profitieren. Je nach Kanton gibts noch andere Zückerli.

von
Dominic Benz
1 / 26
Fahrer von E-Autos zahlen teils über die Hälfte weniger als Besitzer von Benzin- oder Dieselwagen. Das zeigt eine Analyse der Vergleichsplattform Comparis.

Fahrer von E-Autos zahlen teils über die Hälfte weniger als Besitzer von Benzin- oder Dieselwagen. Das zeigt eine Analyse der Vergleichsplattform Comparis.

Thomas Frey
Ein hoher Ökorabatt heisst jedoch nicht, dass die Prämien für E-Autos automatisch günstiger ausfallen. «Die Höhe der Prämie beeinflussen viele Faktoren wie etwa die Kosten des Grundtarifs bei den jeweiligen Versicherungen», sagt Andrea Auer, Mobilitätsexpertin bei Comparis, zu 20 Minuten.

Ein hoher Ökorabatt heisst jedoch nicht, dass die Prämien für E-Autos automatisch günstiger ausfallen. «Die Höhe der Prämie beeinflussen viele Faktoren wie etwa die Kosten des Grundtarifs bei den jeweiligen Versicherungen», sagt Andrea Auer, Mobilitätsexpertin bei Comparis, zu 20 Minuten.

AP/Christof Stache
Dennoch: Wer die Versicherung für sein E-Auto optimiert, der kann viel Geld sparen. Den grössten Preisunterschied gibt es bei der Zurich.

Dennoch: Wer die Versicherung für sein E-Auto optimiert, der kann viel Geld sparen. Den grössten Preisunterschied gibt es bei der Zurich.

Keystone/Ennio Leanza

Elektroautos boomen. Das ist auch den Versicherern nicht entgangen. Sie locken Kunden mit grosszügigen Ökorabatten bei den Prämien an. Fahrer von E-Autos zahlen teils über die Hälfte weniger als Besitzer von Benzin- oder Dieselwagen. Das zeigt eine Analyse der Vergleichsplattform Comparis.

Ein hoher Ökorabatt heisst jedoch nicht, dass die Prämien für E-Autos automatisch günstiger ausfallen. «Die Höhe der Prämie beeinflussen viele Faktoren wie etwa der Grundtarif für den Fahrzeugtyp», sagt Andrea Auer, Mobilitätsexpertin bei Comparis, zu 20 Minuten.

Öko-Bonus bei Zurich am grössten

Dennoch: Wer die Versicherung für sein E-Auto optimiert, kann viel Geld sparen. Den grössten Preisunterschied gibt es bei der Zurich: Beim optimalsten Angebot unter Berücksichtigung aller risikorelevanten Faktoren zahlt der Besitzer eines eGolf von Volkswagen 729.50 Franken. Die Prämie kostet damit 56 Prozent weniger als beim Golf TDI mit Diesel und 50 Prozent weniger als beim Benziner Golf TSI.

Auch die Vaudoise und die Mobiliar vergeben grosszügige Ökorabatte von bis zur 46 Prozent (siehe Übersicht in der Bildergalerie). Keinen Ökorabatt für die untersuchten Autos gibt es bei der Axa. Die Prämie für den Diesel-Golf kostet gar 1 Prozent mehr, beim Benziner sind es 3 Prozent obendrauf.

Strategische Überlegungen

Doch warum vergeben Versicherer so grosszügige Ökorabatte? Bei der Zurich gibt man sich umweltbewusst. «Zurich Schweiz gibt seit Jahren Prämienrabatte für Elektrofahrzeuge, weil wir uns für Innovationen einsetzen und uns mit verschiedenen Massnahmen wie nachhaltigen Investments für das Klima engagieren», teilte der Konzern mit.

Laut Mobilitätsexpertin Auer liegen die Gründe unter anderem beim Risikotarif: «Ökofahrer generieren statistisch weniger Schäden.» Daneben spielten auch strategische Überlegungen eine Rolle. «Versicherer richten ihre Geschäftspolitik zunehmend auf nachhaltige Kriterien aus.»

«Autokauf muss persönlichen Bedürfnissen entsprechen»

Auer betont, dass man bei einem E-Auto zwar je nach Anbieter von tieferen Prämien profitieren kann. «In einem Schadenfall gelten jedoch in der Regel für alle Versicherten dieselben Bedingungen und Leistungen.» Ob der Ökorabatt letztlich Fahrer mit einem Verbrennungsmotor benachteilige, müsse jeder für sich entscheiden. «Ein Autokauf muss in erster Linie den persönlichen Bedürfnissen entsprechen», so Auer.

Prämien sind aber nicht die einzigen Zückerli für Fahrer von E-Autos. Je nach Kanton fallen die Motorfahrzeugsteuern tiefer aus. Laut Touring Club Schweiz (TCS) zahlen Halter eines Tesla Model S in Freiburg, Genf, Glarus, Nidwalden, Obwalden, Solothurn oder Zürich gar keine Steuern. Zum Vergleich: In Genf belaufen sich die Abgaben für einen Porsche 911 Carrera mit Benzin 2043 Franken, für den Benziner Golf-TSI 157 Franken.

Nicht immer Vorteile für Öko-Auto

Trotz Öko-Rabattsystem können die Steuern für E-Autos je nach Kanton aber auch höher ausfallen (siehe Box). Der Grund: Die Kantone berücksichtigen für die Besteuerung Faktoren wie Motorart, Hubraum, Gewicht oder CO2-Ausstoss unterschiedlich. Da etwa der Kanton Schwyz Leistung und Gewicht eines Autos höher gewichtet, sind die Steuern für der Tesla bei 1364 Franken. Der Golf TSI wird mit 382 Franken besteuert.

Hohe Öko-Rabatte als Nachteil für den Kanton

Laut Touring Club Schweiz (TCS) ist es eine politische Debatte, welche Auto-Merkmale künftig bei der Besteuerung berücksichtigt werden sollen. Fahrer von E-Autos gänzlich von den Steuern zu befreien, könnte aber für die Kantone langfristig grosse Nachteile haben. «Wenn sich die E-Mobilität durchsetzt, dann fallen grosse Summen weg, die man etwa für den Strassenunterhalt braucht», sagt TCS-Sprecher Lukas Reinhardt auf Anfrage. Laut Comparis sind zwar erst 1,6 Prozent der neu in Verkehr gesetzten Fahrzeuge in der Schweiz reine Elektrofahrzeuge (Stand Juni 2018). Die Zahl dürfte aber weiter steigen. 2017 ist der Anteil um 40 Prozent gestiegen.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.