09.03.2020 08:55

«Meiden Sie Stosszeiten»Diese Pendler müssen weiter in die vollen Züge

Der Bundesrat rät, dass Pendler wegen des Coronavirus Stosszeiten meiden. Das wird für Verkäufer, Pflegerinnen oder Schüler schwierig.

von
juu/pam
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Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG, betonte: «Wichtig ist wirklich, die Stosszeiten zu meiden, da sollen so gut wie möglich auch die Arbeitgeber mithelfen.»

Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG, betonte: «Wichtig ist wirklich, die Stosszeiten zu meiden, da sollen so gut wie möglich auch die Arbeitgeber mithelfen.»

Keystone/Marcel Bieri
Sich regelmässig die Hände zu waschen oder aufs Händeschütteln zu verzichten, reicht nicht mehr: Am Freitag stellte Gesundheitsminister Alain Berset neue Empfehlungen im Kampf gegen das Coronavirus vor.

Sich regelmässig die Hände zu waschen oder aufs Händeschütteln zu verzichten, reicht nicht mehr: Am Freitag stellte Gesundheitsminister Alain Berset neue Empfehlungen im Kampf gegen das Coronavirus vor.

Corrado Pardini, Leiter Sektion Industrie der Gewerkschaft Unia, fordert nun: «Jetzt müssen alle am gleichen Strick ziehen.» Überall dort, wo eine Flexibilisierung möglich sei, müssten Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden einen individuellen Arbeitsbeginn und Feierabend gewähren. «Pendler sollen dann zur Arbeit, wann sie wollen.»

Corrado Pardini, Leiter Sektion Industrie der Gewerkschaft Unia, fordert nun: «Jetzt müssen alle am gleichen Strick ziehen.» Überall dort, wo eine Flexibilisierung möglich sei, müssten Arbeitgeber ihren Mitarbeitenden einen individuellen Arbeitsbeginn und Feierabend gewähren. «Pendler sollen dann zur Arbeit, wann sie wollen.»

Keystone/Walter Bieri

Vermeiden Sie Reisen zu Stosszeiten: Mit dieser Empfehlung schaltete der Bundesrat im Kampf gegen das Coronavirus einen Gang höher. Zudem sollten Pendler auch ausreichend Abstand halten im Zug, Bus oder Tram. Während Gewerkschaften forderten, dass Firmen sich flexibel zeigen, wenn die Angestellten eine Stunde später zur Arbeit erscheinen, erklärte der Arbeitgeberverband: «Die Arbeitgeber sollen wann immer möglich flexible Arbeitsmodelle zulassen.» Doch der Verband betonte sogleich auch: «Für viele Tätigkeiten sind die Möglichkeiten aber wegen naturgemäss fixer Arbeits- und Öffnungszeiten limitiert.»

Diese Beschäftigten können dem täglichen Pendlerstrom nicht ausweichen:

Schüler und Studentinnen

Home-Office ist für Schülerinnen und Lehrer eher schwer umsetzbar. «Leider ermöglicht mir meine Schule keinerlei Möglichkeiten, und ich bin gezwungen, in den Pendelzeiten zu reisen», so ein Fachhochschüler. Er fände eine Massnahme bezüglich Schule angebracht, da gerade auch einige Junge mit dem Virus angesteckt worden seien.

Schülerin Jessica aus Sumiswald ergänzt: «Wie soll man denn das Pendeln um die Stosszeiten vermeiden, wenn man ins Gymnasium und deshalb den Zug nehmen muss?» Und Studentin Lea findet: «Als Student hat man gar keine Wahl. Die Vorlesungen beginnen um acht Uhr, dann bin ich halt voll im Puff drin ...» Während am Politikwissenschaftlichen Seminar der Uni Zürich nun Podcasts der Vorlesungen angeboten werden, müssen sich Pendler, die an die ZHAW nach Winterthur reisen, noch gedulden: «Eine Task-Force prüft derzeit, wie man die neuen Empfehlungen umsetzen kann», so Sprecherin Ilona Ammann.

Detailhandel

«Ich werde weiter pendeln. Ich arbeite im Verkauf und bei uns ist es leider unmöglich, den Stosszeiten auszuweichen», stellt Noemie fest, die von Lyss nach Biel zur Arbeit reist. «Die Planung und somit auch die Arbeitszeiten im Verkauf müssen bleiben, da wir an Öffnungszeiten gebunden sind», erklärt die Migros, betont aber auch, dass es viele verschiedene Jobs gebe, die nicht von Stosszeiten betroffen seien. Bei Aldi heisst es auf Anfrage, ein Grossteil der Verkaufsmitarbeitenden arbeite Teilzeit, was eine grössere Flexibilität ermögliche. «Zudem gelten in den meisten unserer Filialen Öffnungszeiten von 7 Uhr bis 20 Uhr, was dazu beiträgt, dass die meisten unserer Mitarbeitenden etwas ausserhalb der üblichen Stosszeiten ihren Arbeits- und Heimweg antreten.»

Öffentlicher Dienst

Schwierigkeiten, die Empfehlungen des Bundesrates umzusetzen, könnten auch Angestellte im öffentlichen Dienst haben. «Ich pendle jeden Tag mit Bus und Bahn nach Bern zur Arbeit. Ich arbeite im öffentlichen Dienst und habe feste Ansprechzeiten. Ich habe keine Wahl und muss weiter in vollen Zügen und Bussen pendeln», sagt eine Verwaltungsangestellte. Beim Bundespersonalamt heisst es, man habe die Departemente auf die Empfehlungen hin sensibilisiert. In einem Infobrief vom Freitag heisst es, die bestehenden Möglichkeiten betreffend flexiblen Arbeitszeiten, mobilem Arbeiten sowie Home-Office seien «im Sinne der Empfehlungen zu nutzen». Darüber entscheiden, ob die Angestellten auch später im Büro erscheinen können, müssen jedoch die einzelnen Departemente.

Gesundheitswesen

«Ich arbeite in der Langzeitpflege und kann meine Arbeitszeiten nicht ändern oder meine Arbeit von zu Hause aus erledigen», sagt Leserin Marina. Am Morgen sei sie zwar früh unterwegs, am Abend komme sie jedoch immer in den Stossverkehr. Das sie kaum Alternativen habe, halte sie sich an regelmässiges Händewaschen. Ähnlich dürfte es jenen Mitarbeitern in den Spitälern gehen, die derzeit wegen des Coronavirus gefordert sind. Andere Pendler, die ebenfalls wenig Spielraum haben, setzen auf ein 1.-Klass-Upgrade: Ich nehme den frühesten Zug und leiste mir ein Erstklassbillett von Zofingen nach Stettbach.»

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