«Taking a knee» in Basel: «Diese Polizei-Geste ist ein Bekenntnis zum Schutz des Rechtsstaats»
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«Taking a knee» in Basel«Diese Polizei-Geste ist ein Bekenntnis zum Schutz des Rechtsstaats»

Am Samstagnachmittag demonstrierten in Basel rund 5000 Personen gegen Rassismus. Die Kundgebung war unbewilligt. Zwei niederkniende Polizisten sorgen am Folgetag für Gesprächsstoff.

von
Oliver Braams

5000 Personen waren in Basel unterwegs.

Keystone

Darum gehts

  • Am Samstagnachmittag demonstrierten in Basel rund 5000 Personen gegen Rassismus.
  • Die Polizei verhielt sich trotz der überschrittenen Personengrenze zurückhaltend.
  • Einige Polizisten gingen gemeinsam mit den Demonstranten auf die Knie.
  • In Sozialen Medien wird rege über das Verhalten der Polizei debattiert.

Gut 5000 Menschen haben sich am Samstagnachmittag in Basel zu einer unbewilligten Kundgebung gegen Rassismus versammelt. Unter dem Slogan «Black Lives Matter» protestierten die Anwesenden auf dem Barfüsserplatz gegen Diskriminierung und Polizeigewalt gegen Schwarze.

Während der Kundgebung kam es auch zu spontanen Solidaritätsbekundungen zwischen Polizei und Demonstranten. So gingen einzelne Polizisten gemeinsam mit den Teilnehmern der Demo auf die Knie, um so dem bei einem Polizeieinsatz getöteten George Floyd Respekt zu erweisen.

Nicht alle finden den Auftritt der Polizei gelungen

Die Demonstration wie auch die Geste der Polizisten gaben auf sozialen Medien zu reden. Einigen Kommentaren auf Twitter zufolge habe die Polizei kapituliert und biete so ein trauriges Bild. Vertreter der Basler SVP forderten noch während der Demonstration die Auflösung der Versammlung, da die Personengrenze von 300 überschritten wurde. Den Ansatz der Deeskalation und Sensibilisierung auf die Verhaltensrichtlinien des Bundesrates bezeichnen sie als Degradierung.

Von anderen Personen wird die Zurückhaltung der Basler Kantonspolizei in den Sozialen Netzwerken gefeiert. «So geht Deeskalation», schreibt jemand auf Twitter, «Respekt».

Die Kundgebung verlief im Übrigen «absolut friedlich und ohne Sachbeschädigungen», wie Toprak Yerguz, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt.

Einsatzleitung wusste, dass es zum «Taking a knee» kommen könnte

Yerguz verrät auch, dass die Einsatzleitung aufgrund der Berichterstattung über die weltweiten Kundgebungen bereits im Vorfeld annahm, dass die «Taking a knee»-Geste mit grosser Wahrscheinlichkeit auch in Basel vollzogen würde.

«Die Einsatzleitung hat es den einzelnen Polizistinnen und Polizisten überlassen, bei der Geste mitzumachen», so Yerguz, «und das haben einige getan.» Denn: «Die Betroffenheit über die Vorkommnisse in den USA ist auch bei vielen Polizistinnen und Polizisten gross.»

Ob die Polizisten nicht neutral sein sollten? Yerguz: «Mit einer Geste den Standpunkt gegen Diskriminierung und missbräuchliche exzessive Polizeigewalt zu unterstützen, ist keine Verletzung der politischen Neutralität eines Polizisten.» Im Gegenteil: «Es ist das Bekenntnis zum Schutz des Rechtsstaats. Und das ist der ursprünglichste Sinn der Polizei.‬»

US-Footballer

«Taking a knee»

Seit 2016 protestieren Afroamerikanische Football-Spieler der NFL gegen Rassismus, indem sie während dem Abspielen der Nationalhymne der Vereinigten Staaten vor den Spielen nicht stehen, sondern knien. Das Abspielen der Nationalhymne wird erst seit 2009 gemacht. Die NFL hat das aufgrund eines Vertrags mit dem Verteidigungsministerium der USA eingeführt. Der Spieler Colin Kaepernick der San Francisco 49ers begründete 2016 sein Niederknien damit, dass die USA Schwarze unterdrücke.

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