Schon unter Druck: Diese Probleme müssen die ZSC Lions lösen
Aktualisiert

Schon unter DruckDiese Probleme müssen die ZSC Lions lösen

Beim ersten Playoff-Heimspiel stehen die ZSC Lions bereits unter Druck. Für die Zürcher wird es anspruchsvoll, da sie in Spiel 1 zu viele Baustellen offenbarten.

von
Marcel Allemann
1 / 12
Der EVZ gewinnt das erste Playoff-Duell gegen die ZSC Lions 4:1.

Der EVZ gewinnt das erste Playoff-Duell gegen die ZSC Lions 4:1.

Keystone/Flueeler
Viktor Stalberg (im Bild), Raphael Diaz, Carl Klingberg und Roe Garret (Empty-Netter) schiessen die Zentralschweizer zum Sieg.

Viktor Stalberg (im Bild), Raphael Diaz, Carl Klingberg und Roe Garret (Empty-Netter) schiessen die Zentralschweizer zum Sieg.

Keystone/Flueeler
Frust beim ZSC: Auf dem Eis kann nur Ronalds Kenins (1:3) überzeugen.

Frust beim ZSC: Auf dem Eis kann nur Ronalds Kenins (1:3) überzeugen.

Keystone/Flueeler

1. Spielkultur: Jahrelang fluchten die Gegenspieler der anderen Vereine, wenn die ZSC Lions zu Gast waren. Denn die Zürcher liefen ihnen in der Offensivzone um die Ohren, bewegten ihre Beine und Stöcke, kreisten herum, liessen den Puck laufen. Stress pur also für die Verteidiger, die oft nichts anderes tun konnten, als hinterherzueilen, und dennoch meistens einen Schritt zu spät waren. Doch das war einmal. Die ZSC Lions haben nicht nur ihre Siegermentalität verloren, sondern in den letzten anderthalb Jahren auch gleich noch ihre Spielkultur. Heute ist keiner mehr gestresst, wenn die Zürcher kommen.

2. Defensive: Einst stellten die ZSC Lions die beste Verteidigung im Land. Damals war Mathias Seger Nati-Captain, Severin Blindenbacher bei bester Gesundheit und der beste Verteidiger der Liga. In ihrem Sog wurde auch Patrick Geering immer besser. Stand heute: Ausser Geering reicht keiner den höchsten Ansprüchen und kann permanent einen gepflegten Spielaufbau orchestrieren. Am zweitbesten macht das aktuell der noch völlig unerfahrene Youngster Tim Berni (18). Kevin Klein ist zwar ein gerade im Playoff wichtiger Muskelbrocken, aber auch immer wieder mal für knackige Puckverluste gut. Seger spielte am Samstag in Zug zwar sehr passabel, aber gehört eben der Ü40-Fraktion an. Bei Samuel Guerra, Dave Sutter und Phil Baltisberger ist es indes schon ein Erfolg, wenn sie ihre Fehlerquote halbwegs tief halten können.

3. Offensive: In den letzten vier Spielen haben die ZSC Lions jeweils ein Tor pro Partie erzielt. So kann man keine Spiele gewinnen, schon gar nicht gegen Zug. Ernsthafte Torgefahr geht eigentlich nur von Fredrik Pettersson aus, solche heraufbeschwören können allenfalls noch Pius Suter und Roman Wick. Das ist viel zu dünn.

4. Disziplin: «Wir haben uns das Leben selber schwer gemacht», ärgerte sich Captain Geering nach der 1:4-Playoffauftakt-Niederlage in Zug und sprach dabei die zu vielen Strafen an. Besonders ärgerlich sind solche bei vermeidbaren Vergehen wie Stockschlägen, Halten oder Haken, die am Samstag sechs der acht Zwei-Minuten-Strafen ausmachten. Sie deuten nicht auf Härte hin, sondern darauf, dass man entweder zu langsam ist oder ohne Disziplin.

5. Teambalance: Jahrelang waren die ZSC Lions (zumindest auf dem Papier) gemeinsam mit Bern das am besten ausbalancierte Team. Das war einmal. Nachdem sich Robert Nilsson, Severin Blindenbacher und Christian Marti verletzt abgemeldet haben, erst recht. Viele wie Inti Pestoni, Fabrice Herzog, Ronalds Kenins, Drew Shore, Mike Künzle und Samuel Guerra haben zuletzt beim ZSC konstant an Marktwert verloren. Und auch die Brüder Phil und Chris Baltisberger überzeugen derzeit nicht. Der EVZ verfügt inzwischen über mehr Tiefe und hat die heisseren Spieler im Kader.

6. Ausländer: Drew Shore ist ein Totalausfall. Linden Vey bislang eine grosse Enttäuschung. Genauso Lauri Korpikoski. Mattias Sjögren ist verletzt, aber auch sonst vom Naturell her keiner, der die aktuellen Probleme der ZSC Lions lösen kann. Das kann auch Pascal Pelletier nicht, der eigentlich für das Farmteam GCK Lions vorgesehen ist. Brauchbar bis gut sind einzig Kevin Klein und Fredrik Pettersson. Das ist gegen eine Mannschaft wie Zug mit vier starken Söldnern (Stalberg, Roe, McIntyre, Klingberg) zu wenig.

7. Selbstvertrauen: Die Zuger sind als Vize-Meister und Quali-Zweiter mit viel Selbstverständnis und Selbstvertrauen unterwegs. Das spürt man. Anders die ZSC Lions. Nach einer verkorksten Saison müssen sie sich diese Elemente erst erarbeiten. Ob die Zeit dafür im Playoff noch reicht?

Noch ist es für die ZSC Lions nicht zu spät. Der Playoff-Modus macht dies möglich. Aber derzeit gibt es nicht viel, was für sie spricht.

Deine Meinung