Grossbank mit Skandalserie: Diese Probleme muss der neue CS-Chef jetzt lösen

Publiziert

Grossbank mit SkandalserieDiese Probleme muss der neue CS-Chef jetzt lösen

Das Investmentbanking der Credit Suisse ist eine grosse Baustelle. Doch der neue CEO der Bank muss vor allem die Unternehmenskultur ändern. Experten fordern ein Ende von Boni-Exzessen.

von
Fabian Pöschl
1 / 8
Die Schweizer Grossbank Credit Suisse (CS) bekommt ab August einen neuen CEO.

Die Schweizer Grossbank Credit Suisse (CS) bekommt ab August einen neuen CEO.

20min/Matthias Spicher
Ulrich Körner übernimmt …

Ulrich Körner übernimmt …

UBS
… von Thomas Gottstein (2. v. r.).

… von Thomas Gottstein (2. v. r.).

AFP

Darum gehts

  • Die Credit Suisse bekommt einen neuen Chef.

  • Dieser hat es bei der serbelnden Grossbank mit vielen Baustellen zu tun.

  • Der neue Chef ist nicht als grosser Motivator bekannt, er soll einen arroganten Umgang haben.

Die Credit Suisse (CS) hat am Donnerstag mit einem Chefwechsel überrascht. Nach zwei Jahren als CEO übergibt Thomas Gottstein an seinen Nachfolger Ulrich Körner, derzeit noch Chef der Asset-Management-Division. Körner führt ab August die Bank, bei der es zuletzt zahlreiche Skandale gab.

Ob Beschattungen von Top-Managern, Milliardenverluste mit Finanzvehikeln oder dubiose Geschäfte mit Kriminellen – immer wieder gabs negative Schlagzeilen rund um die Grossbank. Nach dem jüngsten Milliardenverlust im zweiten Quartal kündete die CS nun einen Sparkurs an, um wieder auf Kurs zu kommen.

«Eine Herkulesaufgabe»

Ist Körner die richtige Wahl dafür? Da gibt es laut dem pensionierten Wirtschaftsprofessor Hans Geiger viele Fragezeichen. «Es ist eine Herkulesaufgabe», sagt Geiger. Das grösste Problem der CS auf strategischer Ebene ist laut Geiger das Investmentbanking, das am meisten Kapital und Personal verbrauchte, mit dem die Bank langfristig aber nie Geld verdiente. Dieses Geschäft will der neue Chef nun stutzen.

Doch bei der CS brauche es auch Veränderung auf kultureller Ebene. Geiger fordert eine neue Risikokultur. «Die Vorgesetzten haben bei den Skandalen nicht hin- oder gar weggeschaut», so Geiger. Körner brauche dafür Durchsetzungskraft, um unangenehme Entscheidungen zu treffen, andererseits müssten die rund 50’000 Angestellten der CS dazu gebracht werden, dass sie für ihren neuen Chef durchs Feuer gehen.

Das ist Ulrich Körner

Ulrich Körner (59), geboren in Deutschland, besitzt auch die Schweizer Staatsbürgerschaft. Der HSG-Absolvent begann seine Karriere als Wirtschaftsprüfer in Zürich. Er arbeitete über zehn Jahre bei der Credit Suisse (CS), bis er zur UBS ging. Nach über zehn Jahren wechselte Körner 2021 wieder zur CS und übernahm die Chefposition des Asset-Managements.

Auch Reputationsexperte Bernhard Bauhofer von der Beratungsagentur Sparring Partners sagt auf Anfrage: «Die exzessiven Bonizahlungen, die toxische Unternehmenskultur, es braucht einen fundamentalen Kulturwandel bei der CS», so Bauhofer.

Bauhofer ist skeptisch, ob der Neue der Richtige ist. Körner habe ein ähnliches Profil wie sein Vorgänger, sei ein Bankenurgestein, sei aber auch Teil der Kultur, die die Probleme verursachte. Zudem sei Körner nicht als grosser Kommunikator bekannt. «Deshalb ist fraglich, ob er die Leute beim Wiederaufbau um sich scharen kann», so Bauhofer.

Interviews mit Körner sind rar. Die «Bilanz» beschreibt ihn so: «Körner gilt als fachlich top, ist wegen seines oft arroganten Umgangs mit Menschen aber nur schwer für die Rolle der obersten Gallionsfigur zu vermitteln.»

Ist Ulrich Körner die richtige Wahl der CS?

Mit fast 60 Jahren könne es auch sein, dass ihm die Kraft für die Aufgabe fehle. Er brauche deshalb die Unterstützung des Managements und Verwaltungsrats. «Wenn es politische Grabenkämpfe gibt, wird er es nicht schaffen», so Bauhofer. 

Für die CS wäre das fatal. «Die traditionsreiche Bank ist in einem schlimmen Zustand, selbst die UBS hofft, dass die CS überlebt», so Bauhofer. Der Schweizer Bankplatz sei auf zwei grosse Aushängeschilder angewiesen.

«Es braucht ein Ende des Casino-Bankings»

Auch Finanzprofessor Marc Chesney ist skeptisch. Alfred Escher, der Gründer der CS, sei ein Unternehmer gewesen, der strategische Investitionen machte, so Chesney. «Er ist Risiken eingegangen und haftete dafür. Heute liegen die Probleme der CS tief, ohne Staatsgarantie wäre sie wahrscheinlich schon lange bankrott.»

Es brauche ein Ende des Casino-Bankings, das die Superreichen immer reicher werden lasse. Die Bank müsse sich stattdessen für grüne Investitionen einsetzen, um die globale Erderwärmung und den Verlust der Biodiversität zu begrenzen. Chesney ist aber skeptisch, dass es dazu kommt. «Davon sind Grossbanken noch weit weg.»

Chesney sagt: «Körner ist ein weiterer Manager, der von riesigen Entlöhnungen profitieren wird. Wenn die CS wirklich Kosten sparen möchte, sollte sie die Entlöhnung der Manager stutzen, als ständig Leute zu entlassen.»

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

33 Kommentare