Aston Martin plant Protest - «Diese Regelungen machen den Sport kaputt» – Netz tobt wegen Fall Vettel
Publiziert

Aston Martin plant Protest«Diese Regelungen machen den Sport kaputt» – Netz tobt wegen Fall Vettel

Sebastian Vettel wurde beim GP Ungarn nachträglich wegen zu wenig Benzin im Tank disqualifiziert. Der Fall sorgt bei Aston Martin und im Netz für hitzige Gemüter.

von
Florian Gnägi
1 / 5
Da war die Welt für Vettel noch in Ordnung. Der Deutsche jubelte über seinen zweiten Platz beim GP von Ungarn.

Da war die Welt für Vettel noch in Ordnung. Der Deutsche jubelte über seinen zweiten Platz beim GP von Ungarn.

Getty Images
Der Podestplatz wurde dem Deutschen aber noch am späten Sonntag-Abend wieder entrissen.

Der Podestplatz wurde dem Deutschen aber noch am späten Sonntag-Abend wieder entrissen.

REUTERS
Die FIA disqualifiziert Vettel, weil er statt des geforderten Minimums von einem Liter Treibstoff im Tank am Ende des Rennens nur 0,3 Liter drin hatte.

Die FIA disqualifiziert Vettel, weil er statt des geforderten Minimums von einem Liter Treibstoff im Tank am Ende des Rennens nur 0,3 Liter drin hatte.

Pool via REUTERS

Darum gehts

  • Sebastian Vettel holt sich beim GP von Ungarn den 2. Platz, wird aber nachträglich disqualifiziert.

  • Die FIA annulliert Vettels Podestplatz, weil er gegen Rennschluss zu wenig Benzin im Tank gehabt haben soll.

  • Der Fall Vettel sorgt im Formel-1-Zirkus und in den sozialen Medien für grosses Unverständnis.

  • Aston Martin plant, Protest gegen die Disqualifikation einzulegen.

Es hätte nach dem zweiten Platz beim GP von Aserbaidschan sein zweites Podest in der aktuellen Weltmeisterschaft sein können. Doch der Jubel über die Egalisierung seines besten Saisonresultats blieb Sebastian Vettel wenige Stunden nach dem Rennen in Ungarn im Hals stecken.

Sonntag um ca. 22:00 Uhr verkündet die FIA das Urteil, das die Formel-1-Welt wohl noch einige Tage beschäftigen wird. Vettel wird nachträglich für das Rennen am Hungaroring disqualifiziert, weil sein Bolide am Schluss des Rennens statt des geforderten Minimums von einem Liter Treibstoff im Tank am Ende des Rennens nur 0,3 Liter drin gehabt haben soll und dadurch die Rennleitung keine Probe zur Kontrolle mehr entnehmen konnte.

Die Härte des Entscheides des internationalen Automobilverbandes vermag Aussenstehende zu überraschen, besonders wenn man den Fall Vettel mit dem Vergehen von Lewis Hamilton vergleicht, der vor zwei Wochen beim GP Silverstone seinen ärgsten Rivalen um den Weltmeistertitel Max Verstappen mit einem äusserst unsportlichen Manöver aus dem Rennen crashte und dafür bloss eine Zehn-Sekunden-Strafe erhielt. Während Vettel mit seinem fast leeren Tank keine anderen Fahrer direkt beeinträchtigte, konnte man beim Crash von Verstappen von Glück reden, dass er das Ganze unverletzt überstand.

Aston Martin plant Protest – Vettel schweigt

Vettels Rennstall Aston Martin reagiert nach dem Hammer-Verdikt postwendend mit einer Pressemitteilung, in der die Briten schreiben: «Der Verlust von 18 Punkten ist für das Team enttäuschend, schmälert aber nicht die ansonsten makellose Fahrt von Sebastian. Heute haben wir gezeigt, dass unser Auto eine starke Rennpace hat.»

Aston Martin reagierte auch bei den Rennkommissaren und hinterlegte eine Absichtserklärung für einen Protest. «Ich kann bestätigen, dass wir vorhaben, einen Protest einzureichen», offenbarte Vettels Teamchef Otmar Szafnauer gegenüber «Motorsport Total». «Sobald wir mehr wissen und sagen können, ob es dafür eine Grundlage gibt, werden wir protestieren. Wenn es keine Grundlage gibt, dann nicht. Aber dafür haben wir jetzt 96 Stunden Zeit.»

Der britische Rennstall zeigt sich überzeugt davon, dass Vettel genug Sprit im Tank gehabt habe: «Nach unseren Berechnungen sollten sich noch 1,44 Liter Benzin im Auto befinden. Und zwar nachdem die 300 Milliliter an Probe entnommen wurden», meinte Szafnauer am Sonntagabend.

Vettel droht Strafe wegen Regenbogen-Shirt

Als ob die Disqualifikation für Vettel nicht schon hart genug wäre, droht dem Wahl-Thurgauer nun noch weiteres Ungemach wegen einer Solidaritätsaktion zu der LGBTQ-Bewegung. Der frühere Ferrari-Pilot trug wie Valtteri Bottas, Carlos Sainz, Esteban Ocon und Lance Stroll unmittelbar vor dem Rennen am Hungaroring bei der ungarischen Hymne ein Regenbogen-T-Shirt mit der Aufschrift «Same Love», was für ihn nun womöglich negative Konsequenzen haben könnte. «Ich soll vielleicht eine Strafe bekommen wegen des T-Shirts», erklärte Vettel dazu gegenüber «Sky». Offiziell ist bislang nur bekannt, dass die betreffenden Fahrer von der FIA eine Verwarnung erhalten haben.

Noch keine Reaktion gab es von Vettel bislang auf seine Disqualifikation. Sehr wohl darauf reagiert haben derweil zahlreiche Motorsport-Fans auf Social Media. Einige setzen die Strafe der FIA sogar in einen Kontext mit dem Regenbogen-Statement des Deutschen.

«Diese Regelungen und Bestrafungen machen den Sport kaputt»

Für Unverständnis sorgte bei einigen Beobachtern des Formel-1-Zirkus auch die Relation zu der Strafe, die Lewis Hamilton vor wenigen Wochen für seinen Crash mit Max Verstappen beim GP Silverstone erhielt. Der Weltmeister ist nach dem Ausschluss von Vettel ein weiterer Profiteur, da er nun den zweiten Platz des Deutschen in Ungarn erbt und gleichzeitig auch wieder die Führung im Gesamtklassement vor seinem niederländischen Rivalen übernimmt.

Ein Twitter-User schreibt «Manche Fahrer dürfen das halbe Feld aus dem Rennen katapultieren und bekommen fünf Plätze Strafe im nächsten Rennen. Andere haben bisschen wenig Benzin im Tank und werden disqualifiziert. Wahnsinn! Diese Regelungen und Bestrafungen machen den Sport kaputt.»

Im Netz häufen sich die Statements, die die Disqualifikation Vettels als «schlechtes Zeichen für die Formel 1» deuten. Ein User schreibt, es tue weh zu sehen, was aus diesem Sport geworden sei. Ein anderer meint dazu lapidar: «Früher musste man in die Box um zu tanken, heute wird man disqualifiziert wenn man am Ende zu wenig im Tank hat.»

Für Stirnrunzeln sorgte in den sozialen Medien auch die Reaktion von Vettels früherem Arbeitgeber Ferrari, die einen Tweet absetzten, bei dem sie die Disqualifikation des Aston-Martin-Piloten (notabene ohne dessen namentliche Erwähnung) trocken damit kommentierten, dass ihr Schützling Carlos Sainz nun aufs Podest vorrückt. Aston Martin selbst kommentierte dann darunter mit einem Gif «Ich bin Sebastian Vettel».

Ein weiterer Twitter-User bringt sogar Vettels politische Gesinnung ins Spiel und schreibt «Vettel hat auf Öko gemacht und zu wenig Sprit im Tank, Folge Disqualifikation beim Ungarn GP?!». Der Deutsche offenbarte zuletzt in einem Interview, dass er die Grünen wählen würde und wurde deswegen mit Kritik überschüttet, da die Formel 1 nicht gerade bekannt dafür ist, viel für eine positive Ökobilanz zu tun.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

72 Kommentare