Nicht nur Alpha, Delta und Lambda - Diese Sars-CoV-2-Varianten gibt es auch noch in der Schweiz
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Nicht nur Alpha, Delta und LambdaAll diese Sars-CoV-2-Varianten gibt es in der Schweiz – das wissen wir über sie

Das Coronavirus mutiert ständig. Es bilden sich immer neue Varianten heraus. Auch in der Schweiz sind weit mehr Mutanten als nur Alpha und Delta anzutreffen.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die Weltgesundheitsorganisation WHO listet derzeit elf Coronavirus-Varianten. 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO listet derzeit elf Coronavirus-Varianten.

REUTERS
Vier davon werden als besorgniserregend eingestuft («variants of concern»). Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar oder führen zu schwereren Erkrankungen.

Vier davon werden als besorgniserregend eingestuft («variants of concern»). Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar oder führen zu schwereren Erkrankungen.

Screenshot WHO
Vier weitere stehen unter Beobachtung («variants of interest»). Sie führen zu gehäuften Fällen oder treten in mehreren Ländern auf. Ein Überblick. 

Vier weitere stehen unter Beobachtung («variants of interest»). Sie führen zu gehäuften Fällen oder treten in mehreren Ländern auf. Ein Überblick.

Screenshot WHO

Darum gehts

  • In der Schweiz kursieren mehr Varianten als nur Alpha und Delta.

  • Das BAG listet derzeit acht verschiedene auf; die Lambda-Variante nicht mit einberechnet.

  • Das hat es mit den wenig thematisierten Mutanten auf sich.

Alpha, Beta, Gamma, Delta: Diese Coronavirus-Varianten (siehe Bildstrecke) sind uns mittlerweile bestens bekannt. Auch von der Lambda-Mutante dürften mittlerweile einige gehört haben. Nicht zuletzt, weil japanische Forschende sie, die bereits in der Schweiz nachgewiesen wurde, kürzlich als «eine potenzielle Bedrohung für die menschliche Gesellschaft» bezeichneten. Zwar beeilten sich Fachleute aus dem In- und Ausland damit, Entwarnung zu geben, doch: Die Variante war auf einen Schlag bekannt.

Was, wenn wir am Ende des Alphabets angekommen sind?

Seit Mai 2021 werden die Coronavirus-Varianten nicht mehr nach dem Ort des ersten Nachweises, sondern nach dem griechischen Alphabet benannt. Dieses verfügt über 24 Buchstaben. Elf davon hat die Weltgesundheitsorganisation WHO bereits Mutanten zugeteilt. Ob das reichen wird, ist offen: Expertinnen und Experten rechnen damit, dass noch weitere Sars-CoV-2-Varianten auftauchen werden. Wie es dann weitergeht, wird bereits diskutiert. Aktuell hoch im Kurs stehen die Namen von Sternbildern. Künftige Mutanten könnten also Namen wie «Zwilling», «Skorpion» oder «Widder» bekommen.

Die prominenten Mutanten sind jedoch nicht die einzigen, die hierzulande bereits nachgewiesen wurden. So listet das Bundesamt für Gesundheit neben ihnen auch noch eine Handvoll weitere Sars-CoV-2-Varianten auf, die bereits die Schweiz erreicht haben. Das ist über Kappa, Zeta, Eta und Iota bekannt:

Kappa

Bei Kappa (B.1.617.1) handelt es sich um einen Strang der im Herbst 2020 in Indien aufgetauchten Dreifach-Mutante (B.1.617), zu der auch Delta (B.1.617.2) gehört. Sie wurde erstmal im Oktober detektiert. Doch anders als Delta gilt Kappa nicht mehr als besorgniserregend, sondern steht lediglich unter Beobachtung. Die Herabstufung erfolgte im Mai 2021. Als Grund wurde ein geringeres Ansteckungsrisiko genannt. Eine verringerte Immunität und höhere Übertragbarkeit gegenüber der Ursprungsvariante sind aber weiterhin denkbar. Der dritte Strang, B.1.617.3, ist sogar ganz aus der Einstufung der WHO herausgenommen worden und trägt daher keinen Namen aus dem griechischen Alphabet. 15 Mal wurde die Variante bereits mittels vollständiger Genomsequenzierung in der Schweiz detektiert. Ein Mal tauchte sie zudem im Meldesystem auf.

Zeta

Die auch P.2 genannte Variante wurde erstmals im April 2020 in Brasilien – konkret im Bundesstaat Rio de Janeiro – entdeckt. In ersten Experimenten hatte sich gezeigt, dass nach einer Impfung die Neutralisierung der Antikörper reduziert war. Sie trägt zudem die gleiche Mutation wie Beta, Gamma und einige Alpha-Fälle: E484K. Diese Veränderung steht im Verdacht, die Immunantwort durch schützende Antikörper bei Geimpften und Genesenen zu verringern. Aussagekräftige Studien dazu, wie stark, stehen noch aus. Trotz Übereinstimmungen hat sich die Zeta-Variante unabhängig von der Gamma-Mutante entwickelt, die im November 2020 in der Gegend um Manaus herum entstand. Die WHO stuft Zeta als unter Beobachtung stehende Variante ein. In der Schweiz und in Liechtenstein spielt die Variante keine grosse Rolle: Über das Meldesystem wurde sie 32 Mal an das BAG gemeldet. In der systematischen Überwachung mittels Genomsequenzierung tauchte sie 19 Mal auf.

Eta

Die auch als B.1.525 bekannte Variante wurde erstmals im Dezember 2020 in mehreren Ländern Zentralafrikas registriert, etwa in Angola und Nigeria, aber auch in Grossbritannien. Eta kombiniert Eigenschaften von Alpha, Beta und Gamma. Laut Peter Bauer, Chief Genomic Officer des Diagnostik-Unternehmens Centogene, das die Variante im März 2021 auch schon in Deutschland nachgewiesen hat, ist es gut möglich, «dass sie ansteckender ist als andere Varianten, die jede für sich bereits eine höhere Infektionsrate aufweisen als der Wildtyp.» So sehen es auch die Fachleute der WHO, die die Mutante im März 2021 unter Beobachtung stellten. Eta wurde bislang in mehr als 19 Ländern nachgewiesen, etwa in Dänemark, Italien, Nigeria, Norwegen, Kanada und den USA. Allerdings setzte sich die Variante nirgendwo durch oder sorgte für ein grösseres Ausbruchsgeschehen – auch nicht in der Schweiz, wo sie laut BAG 45 Mal detektiert wurde.

Iota (B.1.526)

Erstmals nachgewiesen wurde Iota (B.1.526) im November 2020 in New York. Sie weist zwei bedenkliche Mutationen auf: E484K, die dem Virus helfen kann, Antikörper zu umgehen, und S477N, die dem Virus helfen kann, sich enger an menschliche Zellen zu binden. Tatsächlich breitete sich die Iota-Variante bis zum Frühjahr 2021 nachweislich in 48 der insgesamt 50 Bundesstaaten sowie in mindestens 18 Ländern weltweit aus. Seitdem in den USA aber die Delta-Variante auf dem Vormarsch ist, ist der Iota-Anteil dort stark zurückgegangen. In der Schweiz wurde Iota im Rahmen der Überwachung mittels systematischer Genomsequenzierung bislang zehnmal detektiert, zuletzt in der Kalenderwoche 30.

Mutanten haben eine Gemeinsamkeit

So unterschiedlich die verschiedenen in der Schweiz aufgetauchten Varianten sind: Sie haben miteinander gemein, dass sie am Infektionsgeschehen hierzulande keinen grossen Anteil haben (siehe Grafik). Während die Alpha-Variante zu Hochzeiten für rund 95 Prozent der hierzulande festgestellten Corona-Infektionen sorgte und die Delta-Variante mittlerweile für sogar mehr als 97 Prozent der Covid-19-Fälle in der Schweiz verantwortlich ist, tragen Kappa, Zeta, Eta und Iota genauso wie Beta und Gamma nur einen kleinen Teil dazu bei.

Trotz dieses eigentlich eindeutigen Bildes gibt sich BAG-Sprecher Daniel Dauwalder zurückhaltend. Ob eine der Varianten das Potenzial hat, Delta den Rang abzulaufen, vermag er nicht zu sagen: «Ein Schätzung ist nicht möglich.» Die bisherige Datenlage spreche aber nicht dafür, «dass davon auszugehen ist, dass eine der aktuell beobachteten Varianten gegenüber der Delta-Variante einen kompetitiven Vorteil hat». Die Erkenntnisse würden regelmässig mit in internationalen Fachgremien tätigen Expertinnen und Experten ausgewertet.

Die Grafik zeigt deutlich: Erst bestimmte die Alpha-Mutante das Pandemiegeschehen in der Schweiz, nun dominiert die Delta-Variante.  Die anderen Varianten spielen nur eine untergeordnete Rolle. 

Die Grafik zeigt deutlich: Erst bestimmte die Alpha-Mutante das Pandemiegeschehen in der Schweiz, nun dominiert die Delta-Variante. Die anderen Varianten spielen nur eine untergeordnete Rolle.

BAG (Überwachung) – Stand: 11.08.2021, 08.00h

Nicht erwähnt und nicht detektiert

Nicht in der Übersicht des Bundesamts für Gesundheit BAG aufgeführt ist die Lambda-Variante, die gemäss Dauwalder seit dem ersten Nachweis in der Schweiz am 5. April 21 Mal detektiert wurde. Warum die Mutante nicht wie die anderen im BAG-Dashboard aufgeführt ist, ist unklar. Einem internen Schreiben des BAG zufolge ist dies jedoch auch nicht geplant.

Ebenfalls nicht in der Übersicht aufgeführt sind die Varianten Epsilon (B.1.427 und B.1.429) und Theta (P.3). Hier liegt der Grund jedoch auf der Hand: Sie wurden bisher weder in der Schweiz noch in Liechtenstein nachgewiesen.

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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