Aktualisiert 29.03.2020 16:13

Wegen CoronaDiese Schüler kämpfen gegen Abschlussprüfung

Eine Petition fordert die Absage der Abschlussprüfungen an Schweizer Mittelschulen. Für das Schüler-Anliegen wurden schon 24'000 Unterschriften gesammelt.

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nke
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Wegen des Coronavirus sind schweizweit die Schulen geschlossen. Besonders hart trifft das Mittelschüler, Gymnasiasten und Berufsschüler, die im Frühling ihren Abschluss machen wollen.

Wegen des Coronavirus sind schweizweit die Schulen geschlossen. Besonders hart trifft das Mittelschüler, Gymnasiasten und Berufsschüler, die im Frühling ihren Abschluss machen wollen.

Sebastian Kahnert
Dies betrifft auch Vysnan Saravanamuthu. Er sagt: «Die Schule ist, wie wir, überfordert mit der Situation und dem weiteren Vorgehen. Werden die Prüfungen verschoben? Müssen wir doch antraben? Niemand kann uns momentan Antwort geben.» Also hat er sich mit seiner Kollegin Damaris Weber und weiteren Mitschülern entschlossen, selbst aktiv zu werden.

Dies betrifft auch Vysnan Saravanamuthu. Er sagt: «Die Schule ist, wie wir, überfordert mit der Situation und dem weiteren Vorgehen. Werden die Prüfungen verschoben? Müssen wir doch antraben? Niemand kann uns momentan Antwort geben.» Also hat er sich mit seiner Kollegin Damaris Weber und weiteren Mitschülern entschlossen, selbst aktiv zu werden.

Joel Jayanadan
Gemeinsam starteten sie eine Onlinepetition für die Absage der Abschlussprüfungen. Die Petition hat schon nach weniger als einem Tag 24'000 Unterschriften. Und es werden immer mehr.

Gemeinsam starteten sie eine Onlinepetition für die Absage der Abschlussprüfungen. Die Petition hat schon nach weniger als einem Tag 24'000 Unterschriften. Und es werden immer mehr.

Wegen des Coronavirus sind schweizweit die Schulen geschlossen. Besonders hart trifft das Schüler von Mittelschulen, Gymnasiasten und Berufsschulen, die im Frühling ihren Abschluss machen wollen.

Dies hat eine Gruppe von Schülern der WMS Basel zum Anlass genommen, um in einer Petition die Absage aller Abschlussprüfungen zu fordern.

Verunsicherte Schüler

«Jetzt ist die wichtigste Phase in der Prüfungsvorbereitung», sagt Vysna Saravanamuthu, Mitinitiator der Petition, zu 20 Minuten. Und gerade jetzt sei die Schule geschlossen und alles sei unklar. «Die Schule ist, wie wir, überfordert mit der Situation und dem weiteren Vorgehen. Werden die Prüfungen verschoben? Müssen wir doch antraben? Niemand kann uns momentan Antwort geben», sagt der 18-Jährige. Also hat er sich mit seiner Kollegin Damaris Weber und weiteren Mitschülern entschlossen, selbst aktiv zu werden.

Auf Instagram erklären die Schüler, dass sie eine Durchführung der Prüfungen aus gesundheitlichen Gründen für falsch hielten. Zudem sei durch den Unterrichtsausfall die Prüfungsvorbereitung erschwert.

24'000 Unterschriften in einem Tag

Anstatt einer Abschlussprüfung lautet die Forderung der Schüler: «Jede Schülerin und jeder Schüler schweizweit erhält in diesem Jahr ein sogenanntes Durchschnittszeugnis. Hierfür wird ein Durchschnitt der letzten fünf oder sieben Semester errechnet und als Abschlussnote festgelegt. Bei einer erwünschten Verbesserung der Note kann eine mündliche Leistung in einzelnen Prüfungsfächern erbracht werden.»⁠

Zürcher Lehrer spricht Schülern Mut zu

Seit heute sind die Schulen schweizweit geschlossen. Seklehrer Sammy Frey (42) aus Zürich gibt Schülern Ratschläge, wie sie die schulfreie Zeit nutzen können.
(Video: P. Stirnemann)

Das Staatssekretariat für Forschung und Innovation (SBFI) hat die Petition zur Kenntnis genommen. Tiziana Fantini vom SBFI: «Die Verbundpartner der Berufsbildung sind momentan daran, eine Lösung für die Qualifikationsverfahren zu erarbeiten.»

Die Schüler waren überrascht, dass ihre Petition rasch auf grossen Anklang traf. «Wir erhielten sehr schnell um die 500 oder 600 Nachrichten, die uns zeigten, dass wir nicht allein sind», sagt Damaris Weber. «In weniger als einem Tag hatten wir bereits 24'000 Online-Unterschriften zusammen. Als Nächstes wollen wir in einem offenen Brief an den Bundesrat unsere Forderungen konkretisieren.»

Pragmatische Lösungen gefordert

Für die Forderungen der Schüler sieht die St. Galler Anwältin Senta Cottinelli eher geringe Chancen: «Dass auf Prüfungen gänzlich verzichtet wird, erachte ich aus rechtlicher Sicht als heikel und unwahrscheinlich. Einerseits bin ich überzeugt, dass nicht alle Schüler damit einverstanden wären, und andererseits könnte dies als eine Verletzung der Rechtsgleichheit eingestuft werden.»

Das Coronavirus schaffe aber eine noch nie da gewesene Situation, bezüglich derer man nun pragmatische und rechtlich korrekte Lösungen finden müsse. Sie empfiehlt den Bildungsinstitutionen, alternative Prüfungsformen zu suchen oder den Schülern allenfalls eine Auswahl von Prüfungsformen anzubieten. «Dies erfordert aber Aufwand, Pragmatismus und einen entsprechenden Willen aufseiten der Bildungsinstitutionen», sagt Cottinelli. Sie ist sich sicher, dass diese Situation auch bildungsrechtlich noch viele komplexe Fragen aufwerfen wird.

Cottinelli meint, dass auch die Bildungsinstitutionen vor grossen Herausforderungen und unter hohem Druck stehen würden: «Unüberlegte Handlungen und Äusserungen können in der derzeitigen Situation zu heftigen Gegenreaktionen führen.» Die Schüler wollen nicht auf ihren Forderungen beharren. Vysnan Saravanamuthu: «Wir sind offen für andere Vorschläge.»

Senta Cottinelli ist Rechtsanwältin, die sich auf Bildungsrecht spezialisiert hat. In ihrer Tätigkeit vertritt sie die Rechte und Anliegen von Schülern und Studenten sowie von Bildungsinstitutionen.

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