Aktualisiert 01.07.2019 14:35

Davos GR

Diese Schweizer Erfindung schwebt bald im Weltall

China hat bereits eine ganze Serie von Wettersatelliten ins Weltall befördert. 2020 nimmt einer dieser Satelliten auch ein Stückchen Schweiz mit.

von
juu
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Der FY-3E, ein chinesischer Wettersatellit, wird Ende 2020 in den Weltraum geschossen. In einer Höhe von 836 Kilometern wird er um die Erde kreisen und das neuste Experiment des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums und Weltstrahlungszentrums Davos (PMOD) an Bord haben.

Der FY-3E, ein chinesischer Wettersatellit, wird Ende 2020 in den Weltraum geschossen. In einer Höhe von 836 Kilometern wird er um die Erde kreisen und das neuste Experiment des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums und Weltstrahlungszentrums Davos (PMOD) an Bord haben.

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Ein Digital Absolute Radiometer, kurz «Dara». Die zwei Kästchen, die gemeinsam auf gerade einmal 3,2 Kilogramm kommen, haben es allerdings in sich.

Ein Digital Absolute Radiometer, kurz «Dara». Die zwei Kästchen, die gemeinsam auf gerade einmal 3,2 Kilogramm kommen, haben es allerdings in sich.

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Darin sollen 430 mechanische und rund 1300 elektronische Teile verbaut sein.

Darin sollen 430 mechanische und rund 1300 elektronische Teile verbaut sein.

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Ende 2020 wird ein chinesischer Wettersatellit in den Weltraum geschossen; die Chinesen haben bereits eine ganze FY-3-Serie ins All katapultiert. Doch einer von ihnen erregt auch hierzulande grosse Aufmerksamkeit: Der FY-3E. Der Wettersatellit ist nämlich nicht gänzlich «Made in China».

Denn auch das neuste Experiment des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums und Weltstrahlungszentrums Davos (PMOD) wird mit an Bord sein.

Dieser Umstand führte vergangene Woche mehrere chinesische Wissenschafter nach Davos. Allesamt wollten sie das Projekt des siebenköpfigen PMOD-Teams begutachten und abnehmen: Ein Digital Absolute Radiometer, kurz «Dara». Die zwei Kästchen, die gemeinsam auf gerade einmal 3,2 Kilogramm kommen, haben es allerdings in sich. Wie die «Südostschweiz» schreibt, sind darin 430 mechanische und 1300 elektronische Teile verbaut, die nächstes Jahr in einer Höhe von 836 Kilometern um die Erde kreisen werden.

Daten sind für Klimaforschung enorm wichtig

Doch was können die Kästchen? Vereinfacht gesagt kann «Dara» die totale Sonneneinstrahlung messen (siehe Box). Sprich, die Sonnenenergie, die auf die Erde trifft. «Durch diese Messungen wissen wir, wie viel Energie in das Klimasystem der Erde reinfliesst», erklärt Wolfgang Finsterle, Physiker und Projektleiter des Experiments gegenüber der Zeitung.

Da es sich bei der Sonneneinstrahlung um eine ausschlaggebende Klimavariable handle, seien die Daten, die das in der Schweiz entwickelte Radiometer bringen würde, von enormen Wert für die weltweite Wetter- und Klimaforschung. Darum ist es wichtig, dass alles reibungslos funktioniert. Laut Finsterle wurde «Dara» daher von den chinesischen Experten Millimeter genau untersucht.

Chinesen wollten «Dara» sofort mitnehmen

Dieser Test verlief positiv. Wie der Physiker gegenüber der «Südostschweiz» sagt, sollen die Forscher aus Übersee im Rahmen einer offiziellen Zeremonie zur Abnahmeprüfung angeboten haben, «Dara» gleich mitzunehmen. Doch das PMOD lehnte dankend ab. Finsterle: «Wir wollen das offiziell mit Papieren und Stempeln exportieren und werden das Paket demnächst per Kurier nach China schicken.» Von welchem chinesischen Weltraumbahnhof der Wettersatellit dann ins All startet, ist dem Schweizer Team aber noch nicht bekannt.

Was ist «Dara» eigentlich?

«Dara», das digitale absolute Radiometer, ist ein neuer Typ eines absoluten Radiometers zur Messung der totalen Sonneneinstrahlung. Absolute Radiometer basieren auf elektrisch kalibrierten Wärmestromwandlern und verwenden mehrere Schwarzkörperhohlräume als Sensorelemente. Das «Dara»-Instrument wird drei solcher Hohlräume aufnehmen. Das Messprinzip basiert auf der Differenz der elektrischen Leistung, die erforderlich ist, um einen konstanten Wärmefluss bei geöffnetem oder geschlossenem Hohlraumverschluss aufrechtzuerhalten. Die Leistungsdifferenz zwischen diesen beiden Phasen wird dann als Gesamtsonneneintrag angesehen.

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