Stephanie Egger: Diese Schweizerin tritt und würgt sich erfolgreich durch die Kampfsport-Szene

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Stephanie EggerDiese Schweizerin tritt und würgt sich erfolgreich durch die Kampfsport-Szene

Die 34-jährige Stephanie Egger betreibt seit sechs Jahren die Kampfsportart MMA. Seit zwei Jahren verdient die St. Gallerin damit ihren Lebensunterhalt.  

von
Adrian Hunziker

Stephanie Egger erzählt von ihren Erfahrungen in der MMA. 

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Die St. Gallerin Stephanie Egger verdient mit der Kampfsportart MMA ihren Lebensunterhalt.

  • Die 34-Jährige kämpft in der weltberühmten UFC um Geld und Ehre. 

  • Sie sagt, dass in der UFC Frauen und Männer gleichberechtigt sind. 

Stephanie Egger ist Kampfsportlerin, seit sechs Jahren macht sie MMA (Mixed Martial Arts). Das Ziel in diesem Sport ist es, die Gegnerin zur Aufgabe zu zwingen via K. o. durch einen Aufgabegriff oder Punkte. Zum Abschalten vom vielen Training geht die 34-Jährige mit dem Hund in den Wald spazieren, sie geniesst die Natur oder sie geht ins Kino und hilft im Restaurant der Schwester aus.

Egger macht seit zwei Jahren professionell Kampfsport, verdient damit ihren Lebensunterhalt und ist in der UFC, der berühmtesten MMA-Liga der Welt, gut unterwegs. Erst dreimal hat sie einen Kampf verloren, zweimal nach Punkten. In einem der gefürchteten Würgegriffe befand sie sich selbst im Ring noch nie, nur im Training. Egger beschreibt es so: «Man bekommt keine Luft, man muss per Abklopfen aufgeben oder man wird bewusstlos. Man kann dagegen ankämpfen, dafür gibt es diverse Techniken.»

Dass es bei einem Würgegriff schnell geht, kann der Schreiberling, der sich nur schwer zum Selbstversuch überreden liess, bestätigen (siehe Video oben). Es ist eine effiziente Technik, um die Gegnerin zur Aufgabe zu zwingen, dass weiss auch Egger, die dadurch zwei Kämpfe gewann. 

Frauen und Männer sind gleichgestellt

Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer ist es befremdend, zwei kämpfenden Frauen zuzusehen, der Kampfsport scheint immer noch eine Männerdomäne. Nicht in der UFC, bestätigt Egger. Zwar betreiben mehr Männer MMA, aber die Kämpferinnen sind im Aufwind. «Das sieht man daran, dass auch Frauen den Hauptkampf an einem Event bestreiten. Das Level wird stetig höher, das auch, weil man Geld verdienen kann, das lockt die Leute an. Es wird immer mehr Frauen geben, die diese Sportart ausüben», ist sich Egger sicher. Und sie legt eins drauf: «In der UFC sind die Frauen mit Männern gleichgestellt, auch was das Gehalt betrifft. Wichtig ist, dass gute Kämpfe geliefert werden und dass man vermarktbar ist.»

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MMA-Fighterin Stephanie Egger zeigt einen Kick für die Kamera. 

MMA-Fighterin Stephanie Egger zeigt einen Kick für die Kamera. 

20min/Taddeo Cerletti
Die 34-Jährige macht seit zwei Jahren professionell Kampfsport. 

Die 34-Jährige macht seit zwei Jahren professionell Kampfsport. 

20min/Taddeo Cerletti
Die St. Gallerin ist erfolgreich und erhofft sich bald einen Titelkampf. 

Die St. Gallerin ist erfolgreich und erhofft sich bald einen Titelkampf. 

20min/Taddeo Cerletti

Egger, deren Bruder Mike Egger SVP-Nationalrat ist, fasziniert MMA, weil es vielfältig ist, man sich immer auf neue Gegnerinnen einstellen muss und es mental auch sehr anspruchsvoll sei. Sie begann bereits mit fünf Jahren mit dem Judo, übte den Sport jahrelang aus. Sie war aber oft verletzt, hatte Hüftprobleme und musste operiert werden. Das Training machte ihr immer weniger Spass. Danach  wechselte sie vor sechs Jahren zum MMA. «Der Reiz ist: Man hat viel mehr Möglichkeiten.» Ihr Judo-Background kommt ihr dabei zugute. «Ich mag es, die Gegnerinnen zu werfen und am Boden zu finalisieren. Das ist meine Stärke.» Zudem hat Egger, seit sie MMA betreibt, noch keine schlimme Verletzung davongetragen. 

Sie ist bisher gar so gut, dass sie in ihren elf UFC-Kämpfen keine schlimmen Schläge hat einstecken müssen. «Es ist das, was ich am liebsten mache. Jetzt verdiene ich damit meinen Lebensunterhalt, was Klasse ist, da ich nicht mehr die Doppelbelastungen mit Arbeiten und Training habe. Ich kann mich voll aufs MMA konzentrieren. » Egger, die pro Woche zwischen 25 und 30 Stunden trainiert, weiss, dass sie MMA nicht ewig professionell machen kann, sie ist bereits 34 Jahre alt, was für eine Spitzensportlerin relativ alt ist. 

Darum sagt sie: «Ich bin in einem Alter, bei dem viele sagen, es geht bald zu Ende. Ich fühle mich aber sehr fit, sogar fitter als noch in jüngeren Jahren. Ein paar Jahre möchte ich schon noch machen, aber man weiss halt nie.» Egger kann aktuell nicht sagen, wann ihr nächster Kampf ansteht. Die UFC-Kampf-Bilanz der St. Gallerin steht offiziell bei 8:3 – in ihrem Kopf lautet sie aber 8:2. Wie das?

Hohe Sieg-Gage ging flöten

Rückblick auf ihren vorletzten Kampf: Dort sagte ihre Gegnerin aus, Egger habe getappt – also mit der Hand auf den Arm geschlagen – als Egger sich in einem Arm-Bar (der Arm wird mit voller Kraft überdehnt) befunden hatte. Die 34-Jährige sagt aber, dass dem nicht so war. Die Brasilianerin habe einfach aufgehört. «Eine Regel ist: Der Schiri muss den Kampf unterbrechen, das kann niemand selber machen», sagt Egger bestimmt. Nichtsdestotrotz war der Kampf unterbrochen und die Schiedsrichter sahen sich das Replay-Video an, auf dem nichts zu sehen war. Nur ein Judge behauptete, den Tapp Eggers gesehen zu haben, die andere beiden nicht. Trotzdem bekam die Brasilianerin den Sieg zugesprochen.  

Das war Anfang August, die Niederlage hat Egger noch nicht ganz verarbeitet. «Ich war froh, dass ich drei Wochen später wieder einen Kampf hatte und den gewinnen konnte.» Das spricht für den Kampfgeist der Fighterin. Sie hat sich mit ihrer damaligen Gegnerin nicht ausgesprochen, würde aber gerne nochmals gegen sie kämpfen – schliesslich gingen Egger auch mehrere Tausend Franken Sieg-Gage durch die Lappen.

Sie ist bereit, aktuell so viele Fights wie möglich zu bestreiten. Eigentlich kämpft sie in der Bantam-Gewichtsklasse bis 61 kg, ist aber auch schon auf Federgewicht (bis 66 kg) ausgewichen. Das grosse Ziel der St. Gallerin ist ein Titelkampf. Dieser sollte drinliegen, wenn sie noch gegen weitere Top-Gegnerinnen gewinnen sollte. Der eine oder andere Würgegriff darf dabei nicht fehlen. 

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