Der König in Zürich spricht: «Diese Seifenoper fürs Volk»
Aktualisiert

Der König in Zürich spricht«Diese Seifenoper fürs Volk»

Wieso nach England schauen, wenn ein Monarch um die Ecke wohnt? Der Zürcher König Peter Kraska über die Hochzeit von William und Kate und seine Nachfolge.

von
Joel Bedetti

20 Minuten Online: Peter Johannes Kraska rex, Herrscher über das ZEN- und A-ZENtrische Weltreich, König in Zürich, wie geht es Euch?

Herrscher über das ZEN- und A-ZENtrische Weltreich: Dem Wetter entsprechend: gut. Am 21. Februar haben Wir mit grosser Genugtuung 20 Minuten entnehmen können, dass das Bundesgericht Unserem jahrelangen Bemühen endlich Folge leistete: Aus Schwarzfahrern wurden Weissfahrer.

Am 29. April heiraten Kate und William. Seid Ihr eingeladen?

Nein.

Beleidigt?

Sicher nicht. Zur Hochzeit von Prince Andrew mit Sarah Ferguson im Jahre 1986 hatten Wir vorgesehen, dem Hochzeitspaar zwei IWC-Uhren mit Unserem Wappen auf den Zifferblättern zu schenken. Der Buckingham Palace liess Uns jedoch durch den britischen Botschafter zu Bern ausrichten, von unbekannter Seite nehme die britische Krone keine Geschenke entgegen.

Werdet Ihr die Hochzeit am 29. April trotzdem verfolgen, am Fernsehen vielleicht?

Eher nicht.

Werden wenigstens Euer Organ, die «Offiziellen Hochnachrichten der Krone», etwas vermelden?

Kaum. Wenn alles so ablaufen sollte, wie es dem britischen Protokoll entspricht, übernimmt das für Uns eh die dafür zuständige Regenbogenpresse. Wenn nicht, wäre das eine Meldung wert.

Wenn Ihr eine Ehe anstreben würdet, würde auch Zürich mal in den Genuss einer königlichen Hochzeit kommen. Keine Lust?

Diese Seifenoper fürs Volk, die Ehe als lebenslängliches Zwangskorsett, überlassen Wir gerne den übriggebliebenen, grossen Adelshäusern, die sich offensichtlich bemüssigt fühlen, ihre Daseinsberechtigung durch den Abklatsch kleinstbürgerlicher Wertvorstellungen zu dokumentieren. Mit Unserer Monarchie hat das nichts gemein - Unsere Monarchie ist eine Geistesmonarchie.

Die Ehe zwischen Kate und William besiegelt auch ein mögliches Thronfolgerpaar. Ihr seid 65 Jahre alt und seid seit 1980 auf dem Thron. Wie steht es um Eure Nachfolge?

Nun, es sind der Anwärter/innen viele. Für Uns gilt es herauszufinden, welche oder welcher am besten dazu befähigt ist, in Unserem Sinne Unser Erbe weiterzuführen.

Der König

Peter Kraska, 65, wurde 1980 im Alternativen Jugendzentrum als König des Dadaismus auf den Thron gehoben. Seither hat er sich vor allem als Schwarzfahrer auf sich aufmerksam gemacht. Ausserdem wollte er das Kunsthaus Zürich betreiben, als dieses nach einer Dada-Ausstellung im Jahr 2000 zwei von ihm kreierte Glasplatten verlor.

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