Klimawandel: Diese Skigebiete gibt es 2100 wohl nicht mehr
Aktualisiert

KlimawandelDiese Skigebiete gibt es 2100 wohl nicht mehr

Geht der Klimawandel ungebremst weiter, droht vielen Schweizer Skigebieten das Aus. Eine Karte zeigt, welche Orte betroffen sind.

von
Nikolai Thelitz
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Wird der Klimawandel nicht gebremst, droht Skigebieten unter 1200 Höhenmetern das Aus. Die rot markierten Gebiete wären vollständig betroffen, die gelben nur teilweise.

Wird der Klimawandel nicht gebremst, droht Skigebieten unter 1200 Höhenmetern das Aus. Die rot markierten Gebiete wären vollständig betroffen, die gelben nur teilweise.

Screenshot Spiegel Online
Das Skigebiet Charmey beispielsweise hatte diesen Winter mit Schneemangel zu kämpfen, die Lifte fuhren nur 50 Tage lang.

Das Skigebiet Charmey beispielsweise hatte diesen Winter mit Schneemangel zu kämpfen, die Lifte fuhren nur 50 Tage lang.

Keystone/leo Duperrex
Stattdessen wurde in Charmey auch mitten im Winter gewandert. Das Skigebiet überlegt sich nun ernsthaft, auf den Sommertourismus umzusatteln.

Stattdessen wurde in Charmey auch mitten im Winter gewandert. Das Skigebiet überlegt sich nun ernsthaft, auf den Sommertourismus umzusatteln.

Keystone/leo Duperrex

Der Schnee liess diesen Winter in der Schweiz auf sich warten. Auch im Skigebiet Charmey im Kanton Freiburg gab es im Dezember nur einzelne weisse Flecken. Die örtliche Bergbahn nahm es mit Humor und veröffentlichte ein originelles Video. Darauf zu sehen ist ein Weihnachtsmann, der sich vom Fehlen der weissen Unterlage nicht beirren lässt und stattdessen fröhlich auf der grünen Piste Ski fährt. Ein Skilift-Mitarbeiter wünscht sich von ihm Schnee. «Der wird schon noch kommen», verspricht der Weihnachtsmann.

Dem Schneemangel mit Humor begegnet

In Charmey FR liegt derzeit kaum Schnee. Das thematisiert die örtliche Seilbahn mit einem originellen Video.

Der Schnee kam in Charmey zwar noch, aber viel weniger als in den Vorjahren. Das Fazit nach der Saison: Nicht einmal 50 Tage lang waren die Skilifte in Betrieb, es fiel schlicht zu wenig Schnee. Im Schnitt der letzten Jahre waren es noch 61 Tage.

Skigebiet will sich auf die Sommersaison konzentrieren

«Es gab so wenig Schnee, dass wir unser Boardercross-Angebot nie anbieten und zwei Pisten gar nie präparieren konnten», sagt Skilift-Betreiber Sébastien Jacquat der «Tribune de Genève». Stattdessen habe man auf die Gastronomie-Angebote für Wanderer gesetzt. Nach der Saison überlegen sich die Betreiber nun ernsthaft, aus dem Wintersportgeschäft auszusteigen und sich auf die Sommersaison zu konzentrieren.

Viele Schweizer Skigebiete könnten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ebenfalls zu diesem Schritt gezwungen sein, wie eine neue Studie der ETH Lausanne und des SLF zeigt. Die Skisaison wird laut den erhobenen Klimadaten immer kürzer. Besonders Skigebiete, die unter 1200 Höhenmetern liegen, dürften bis 2100 verschwinden.

Kein Naturschnee mehr unter 1200 Metern

Die Forscher hatten die Schneemengen in verschiedenen Szenarien bis zum Jahr 2100 simuliert. Selbst falls es gelänge, die Erderwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, würde die Schneemenge um 30 Prozent sinken. «Macht die Menschheit beim CO2-Ausstoss jedoch weiter wie bisher, könnte bis Ende des Jahrhunderts in den Alpen sogar 70 Prozent weniger Schnee liegen», sagen die Forscher zu «Spiegel Online».

Besonders stark betroffen von den prognostizierten Veränderungen seien Höhen unter 1200 Metern. Bis Ende des Jahrhunderts werde es in diesen Höhenlagen kaum noch eine geschlossene Schneedecke geben. Wintersport werde es in den betroffenen Skigebieten kaum mehr geben – zumindest nicht auf Naturschnee.

In der Schweiz sind die Voralpen betroffen

«Mit Kunstschnee kann es durchaus möglich sein, Gebiete unter 1200 Metern weiterzubetreiben», sagt der SLF-Forscher Sebastian Schlögl. Doch ob das tatsächlich gelinge, hänge von vielen Faktoren ab, etwa der Hangausrichtung. Ein Problem ist auch, dass gängige Schneekanonen erst bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt funktionieren.

«Spiegel Online» nahm diese Studie zum Anlass, eine Karte der Alpen zu erstellen und hervorzuheben, welche Skigebiete vom Klimawandel besonders betroffen wären. In der Schweiz würde es vor allem Skiregionen in den Voralpen treffen, so zum Beispiel das Hörnli im Zürcher Oberland oder der Skilift Riffenmatt im Kanton Bern. Viele Destinationen im Wallis und im Bündnerland wären hingegen weiterhin wintersporttauglich.

Sehen Sie in der Bildstrecke, welche Gebiete betroffen wären. Rot markiert sind Skigebiete, die komplett unterhalb von 1200 Metern liegen. Gelb sind jene, die teilweise unter, teilweise über 1200 Metern liegen. Die grünen Skigebiete liegen komplett über 1200 Metern über Meer. Übrigens: Das eingangs erwähnte Skigebiet Charmey, das sich bereits jetzt die Schliessung überlegt, ist gelb.

Eine interaktive Karte mit Suchfunktion nach Ihrem Skigebiet finden Sie auf Spiegel Online.

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