13.11.2020 14:27

ParlerWo Donald Trump die Wahl trotz aller Zahlen und Fakten gewonnen hat

Facebook und Twitter setzen viel daran, Fake News auf ihren Plattformen zu bekämpfen. Ein neueres soziales Netzwerk wirbt allerdings damit, Posts nicht zu zensieren – und zieht damit Verschwörungstheoretiker an.

von
Dominique Zeier
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Parler ist ein soziales Netzwerk, das 2018 in Texas gegründet wurde.

Parler ist ein soziales Netzwerk, das 2018 in Texas gegründet wurde.

Screenshot Website
Es wirbt damit, seinen Nutzern Redefreiheit zu gewähren.

Es wirbt damit, seinen Nutzern Redefreiheit zu gewähren.

Parler
So haben sich viele Verschwörungstheoretiker auf der App eingefunden.

So haben sich viele Verschwörungstheoretiker auf der App eingefunden.

Parler

Darum gehts

  • Parler ist ein soziales Netzwerk, das Redefreiheit gewährt.

  • In den letzten Wochen hat es sich zu einem Nährboden für Anhänger der konservativen Partei der USA entwickelt.

  • Aber auch einige Verschwörungstheoretiker haben ihren Weg zu Parler gefunden.

  • So trenden beispielsweise Hashtags, die behaupten, dass es bei der US-Präsidentschaftswahl zu Wahlbetrug gekommen sei.

Social-Media-Plattformen wie Twitter oder Facebook haben im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl, währenddessen und im Nachhinein grossen Wert darauf gelegt, Falschinformationen so gut wie möglich einzudämmen und Posts mit fragwürdigen Informationen oder unbegründeten Aussagen zu kennzeichnen (20 Minuten berichtete). Darüber hinaus wurden in den vergangenen Monaten immer wieder Gruppen von Verschwörungstheoretikern oder Rechtsextremisten gesperrt. Doch die Angehörigen solcher Gruppen sind nicht einfach aus dem Internet verschwunden.

Viel eher mussten sie sich neue Orte suchen, an welchen sie ihre Meinungen offen kundtun können, ohne gesperrt oder gelabelt zu werden. Einen solchen Ort haben sie auf der Social-Media-Plattform Parler gefunden. Es handelt sich dabei um ein soziales Netzwerk, das sich selbst als nicht voreingenommen beschreibt und damit wirbt, Redefreiheit zu gewähren.

Acht Millionen Nutzer

Tatsächlich hat sich Parler, das 2018 in Texas gegründet wurde, in den USA in den letzten Tagen an die Spitze der am meisten gedownloadeten Gratis-Apps gehangelt. Allein am 9. November ist die App laut Cnet.com 800’000-mal im App Store und Google Play Store heruntergeladen worden. Über den Zeitraum zwischen dem 3. und dem 9. November hinweg wurde die App mehr als 2 Millionen Mal auf Smartphones installiert. Mittlerweile verzeichnet die Plattform rund 5 Millionen aktive Nutzer pro Tag und acht Millionen Nutzer insgesamt.

Seither hat sich das Netzwerk vor allem zu einem Sprachrohr der Anhänger der amerikanischen konservativen Partei entwickelt. Dies sei allerdings nicht mit Absicht geschehen, sagt der CEO und Gründer von Parler, John Matze. «Es stimmt, dass viele Nutzer Pro-Trump eingestellt sind. Das ist mir aber egal. Ich verurteile sie nicht für ihre Sichtweisen.» Ausserdem kritisierte er gegenüber Fox News die Tech-Unternehmen Twitter und Facebook scharf. Sie seien zu weit gegangen, indem sie die Posts des Präsidenten als potenziell unwahr gekennzeichnet hatten. Dies zeige, wie voreingenommen sie tatsächlich seien.

QAnon auf Parler

Dem stimmt auch die Politik-Influencerin Camille Wead, die unter dem Spitznamen «Blond Politician» bekannt ist, zu. Auch sie wirft den grossen Social-Media-Unternehmen vor, die Meinung von Trump-Anhängern zu unterdrücken. Daher hat sie einen Account auf Parler erstellt, welchem 100’000 Personen folgen. Auf Twitter und Facebook hat sie lediglich einige Hundert Follower.

Nicht überraschend ist auch, dass Parler zu einem Nährboden für Anhänger der Verschwörungsbewegung QAnon geworden ist. Diese sind der festen Überzeugung, dass der US-Präsident der Anführer eines Krieges gegen eine Geheimelite ist, die die Politik, die Wirtschaft und die Wissenschaft in allen Teilen der Welt manipuliert. Auf Twitter oder Facebook wurden in den letzten Monaten immer wieder Profile oder ganze Gruppen gesperrt, die diese Verschwörungstheorie verbreitet haben. Auf Parler dürfen sich die Anhänger aber frei austauschen.

Keine illegalen Inhalte

Ähnlich verhält es sich mit Posts, die behaupten, bei den US-Präsidentschaftswahlen sei es zu Wahlbetrug gekommen und der eigentliche Gewinner der Wahl sei nicht Joe Biden, sondern Donald Trump. Auf Parler wird offen zu einer Petition aufgerufen, die Unterschriften sammelt, um Untersuchungen in die Sache einzuleiten. Tatsächlich hat sich der Hashtag #StopTheSteal am Donnerstag bei Parler mit mehr als 100’000 Beiträgen zu einem der am meisten genutzten Hashtags entwickelt, wie Spiegel.de berichtet.

Ganz alles ist aber auch auf Parler nicht legal. Die Nutzungsbedingungen legen dar, dass man den Feed der Nutzer zwar nicht kuratiere, da man sich nicht anmasse, dafür qualifiziert zu sein. Allerdings werden keine Verbrechen, Zivildelikte oder anderen illegalen Aktionen geduldet. Ausserdem dürfen keine Beiträge im Auftrag von Terrororganisationen, Kinderpornografie oder Urheberrechtsverletzungen geteilt werden.

So erkennst du Fake News auf Social Media

Laut André Wolf, Kommunikationsexperte von Mimikama.at, können Fake News mithilfe einiger einfacher Tricks erkannt werden. Als Erstes muss der Absender einer Nachricht ermittelt werden. So kann man überprüfen, ob die Information von einer offiziellen Seite stammt oder nicht, und welche allfälligen Motivationen hinter dem Senden der Nachricht stecken könnten. Danach sollte man vergleichende Arbeit leisten. Oft reiche dafür eine einfache Google-Suche nach weiteren Informationen aus. Auch eine umgekehrte Bildersuche ist bei unsicherem Bildmaterial ratsam. Auf Social Media geht es schliesslich um Entschleunigung: Nutzer sollen sich stets fragen: Ist diese Mitteilung wirklich teilenswert? Und was oder wer steckt hinter der Information? Wer diese Fragen nicht beantworten kann, sollte eine Information möglichst nicht teilen. So könne man Fehlinformationen in einer ersten Instanz vorbeugen.

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91 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Chris

14.11.2020, 08:42

Das Thema Trump hat sich abgenutzt und die kommende Rezession wird den meisten das Handy eh aus der Hand nehmen.

Nic

14.11.2020, 02:05

Al Gore wahr in den Medien auch 30 Tage Präsident.

Peter Schwarz

13.11.2020, 18:11

Natürlich glauben Menschen an allen möglichen Unsinn. Denn je absurder ein Standpunkt ist, je besser schafft er Gemeinsamkeit. Diese wird dann gemeinsam verteidigt, ohne zu hinterfragen. An prominentester Stelle wären da die Religionen, gefolgt von politischer Ideologie, Esoterik usw. Somit glauben oder verbreiten rational gesehen wohl über 90% der Menschen FakeNews. Gefährlich wird es jedoch für die Demokratie, wenn eine dieser Gruppen, die Wahrheit für sich und die Definitionshoheit was als Meinung gelten und was zensiert werden soll übernimmt. Dieser Weg führt mit Sicherheit in Radikalität und Gesinnungsterror.