01.07.2017 17:56

Öffentlicher VerkehrDiese Ticket-Apps kommen nun auf den Markt

Verkehrsbetriebe kämpfen um die Vorherrschaft bei Ticket-Apps für Smartphones. Nun greift auch die SBB an. Der Kantönligeist entscheidet mit.

von
Stefan Ehrbar
1 / 5
Das Zugfahren wird einfacher. In Zukunft soll das Smartphone automatisch die Fahrten im öffentlichen Verkehr registrieren und danach zum günstigsten Preis verrechnen.

Das Zugfahren wird einfacher. In Zukunft soll das Smartphone automatisch die Fahrten im öffentlichen Verkehr registrieren und danach zum günstigsten Preis verrechnen.

Keystone/Christof Schuerpf
Zwei entsprechende Apps mit den Namen Fairtiq und Lezzgo sind zurzeit in der Testphase. Die SBB, die BLS und Postauto planen auf Basis der Lezzgo-App einen gemeinsamen Standard.

Zwei entsprechende Apps mit den Namen Fairtiq und Lezzgo sind zurzeit in der Testphase. Die SBB, die BLS und Postauto planen auf Basis der Lezzgo-App einen gemeinsamen Standard.

Keystone/Gaetan Bally
Die Funktionalitäten sollen auch in der SBB-App eingeführt werden, so der «Tages-Anzeiger». Vorerst sollen sie in der Preview-App freigeschaltet werden.

Die Funktionalitäten sollen auch in der SBB-App eingeführt werden, so der «Tages-Anzeiger». Vorerst sollen sie in der Preview-App freigeschaltet werden.

Keystone/Christian Beutler

Die SBB führt eine App ein, die automatisch die Reise im öffentlichen Verkehr registriert und das günstigste Ticket verrechnet, berichtet der «Tages-Anzeiger». Damit ist die Bahn nicht allein. Verschiedene Anbieter wollen mit ihrer Lösung die meisten Kunden gewinnen.

Zusammen unterwegs ist das «Trio Plus» mit SBB, der Berner Bahngesellschaft BLS und Postauto. Sie hat gemeinsame Standards erarbeit. Eine von der BLS entwickelte App namens Lezzgo gibt es bereits. Sie funktioniert in Teilen der Zentralschweiz, der Westschweiz und in Bern. Die Zusammenarbeit im Trio funktioniere sehr gut, sagt Andreas Kronawitter, der bei der BLS für die Entwicklung verantwortlich ist.

Nicht die Technik ist das Problem

Im Herbst soll Lezzgo in der ganzen Schweiz zur Verfügung stehen. Die härteste Konkurrenz ist die App Fairtiq, die zurzeit in der Ost- und Zentralschweiz und in Bern zur Verfügung steht. Beide Apps funktionieren nach einem ähnlichen System. Anhand von Daten des Handy-GPS, sonstigen Standortdaten und Informationen von Bewegungssensoren wird die Reise aufgezeichnet. Ist sie abgeschlossen, wird automatisch das günstigste Ticket verrechnet. Die Apps erkennen auch Umsteigevorgänge oder Pausen.

Technisch sind sie einsatzbereit. Probleme bereitet die Politik. Die Anbieter der Apps dürfen Tickets des «direkten Verkehrs» verkaufen, also etwa von Bern nach Zürich. Wenn Reisen innerhalb eines Tarifverbunds unternommen werden – zum Beispiel von Bern zum Wankdorf – oder innerhalb eines Verbunds umgestiegen wird, braucht es aber die Bewilligung des jeweiligen Verbunds.

Zürcher mit Sonderstellung

In der Schweiz gibt es 19 Verbünde. Mit einigen haben die Entwickler von Lezzgo und Fairtiq bereits Verträge abgeschlossen. Besserung soll es zudem mit der neuen Nova-Datenbank geben, an die alle Verkehrsunternehmen angeschlossen sind und über die die eigentlichen Verkäufe abgeschlossen werden. Der Bund will, dass mit Nova alle Betriebe für alle Strecken Tickets verkaufen dürfen. Diese Regelung muss noch freigegeben werden. Mit ihr müssten Entwickler nicht mehr mit jedem Verbund verhandeln – zumindest theoretisch.

Praktisch möchten App-Entwickler Provisionen erhalten, weil ihnen mit dem Ticketverkauf Kosten entstehen, etwa für Kreditkartentransaktionen. Und für Zürich und Genf gelten andere Regeln. Dort gibt es keine Tarif-, sondern Verkehrsverbünde. Die können völlig frei entscheiden, wer ihre Tickets und Abos zu welchen Konditionen verkaufen darf. Ohne diese beiden Verbünde zu integrieren, macht eine App wenig Sinn. Allein im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) findet fast die Hälfte des Regionalverkehrs statt.

Swisspass braucht es nicht

Der ZVV will selbst keine eigene App entwickeln. Ein Vertragsabschluss mit einem der Anbieter stehe kurz bevor, sagt Sprecher Stefan Kaufmann. Im Rahmen eines Tests mit eingeschränktem Sortiment und einer geschlossenen Nutzerguppe haben die Lezzgo-Macher zurzeit Zugriff auf das ZVV-Sortiment. Daraus könnten keine Schlüsse gezogen werden, sagt Kaufmann. Branchenkenner gehen aber davon aus, dass eher Lezzgo das Rennen macht.

Die SBB wiederum dürfte im Wesentlichen die Funktionalitäten von lezzgo in die eigene App einbauen. Das sei verständlich, sagt IT-Strategiechef Kronawitter von der BLS. Keinen direkten Zusammenhang haben die Apps mit dem Swisspass. In Zukunft sollen aber auch Abos wie das Halbtax oder das GA in die Apps integriert werden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.