Zoo Zürich – Diese Tiere können das Geschlecht wechseln
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Zoo Zürich Diese Tiere können das Geschlecht wechseln

Lange ging man davon aus, dass das Geschlecht, wenn es mal festgelegt ist, fix ist. Dem ist nicht so. Gewisse Individuen können im Erwachsenenalter noch das Geschlecht wechseln.

von
Shila Ochsner
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Das biologische Geschlecht ist nicht immer durch die Gene bestimmt. Einige Fischarten können auch im ausgewachsenen Alter ihr biologisches Geschlecht ändern. 

Das biologische Geschlecht ist nicht immer durch die Gene bestimmt. Einige Fischarten können auch im ausgewachsenen Alter ihr biologisches Geschlecht ändern.

Zoo Zürich/Enzo Franchini
Bei Galapagos-Riesenschildkröten bestimmt die Bruttemperatur das Geschlecht der Jungtiere.

Bei Galapagos-Riesenschildkröten bestimmt die Bruttemperatur das Geschlecht der Jungtiere.

Zoo Zürich/Enzo Franchini
Das Gleiche gilt für die Aldabra-Riesenschildkröten.

Das Gleiche gilt für die Aldabra-Riesenschildkröten.

Zoo Zürich/Enzo Franchini

Darum gehts

Bei Säugetieren wird das biologische Geschlecht durch die Gene festgelegt. Bei vielen Fischarten und Reptilien ist diese Bestimmung flexibler, wie der Zoo Zürich am Mittwoch in einer Mitteilung schreibt. So bestimmt zum Beispiel bei vielen Schildkröten und Krokodilen die Bruttemperatur das Geschlecht der Jungtiere.

Einige Fischarten können das Geschlecht sogar wechseln. Wie es in der Mitteilung weiter heisst, ist die bisher beste Erklärung für die Fähigkeit zu diesem Wechsel die Idee vom Grössenvorteil. So ist eine Geschlechtsumwandlung dann sinnvoll, wenn es für ein Geschlecht von Vorteil ist, klein zu sein, während es für das andere Geschlecht vorteilhaft ist, gross zu sein. Die Umwandlung des Geschlechts erfolgt meist innert weniger Tagen oder Wochen. Dabei ändert der Fisch sein Verhalten, Aussehen und seine Anatomie.

Weibchen wird Männchen

Ob der Wechsel vom Männchen zum Weibchen, umgekehrt oder sogar in beide Richtungen abläuft, hängt dabei vor allem von der Sozialstruktur des Fisches ab. In Fischgruppen, wie den Fahnenbarschen, in denen grosse, dominante und aggressive Männchen Reviere beanspruchen und kleine Männchen von der Fortpflanzung ausgeschlossen sind, ist eine Geschlechtsumwandlung von Weibchen zu Männchen sinnvoll.

Wenn alle Tiere ihr Leben als Weibchen beginnen, können sich alle Individuen mit dem dominanten Männchen fortpflanzen. Stirbt das dominante Männchen, übernimmt das grösste Weibchen seine Rolle und wandelt sich in ein Männchen um. Diese Art der Geschlechtsumwandlung ist unter den Fischen am weitesten verbreitet.

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Bei den Sechsstreifen-Lippfischen,…

Bei den Sechsstreifen-Lippfischen,…

Zoo Zürich/Enzo Franchini
den Flammen-Fahnenbarschen…

den Flammen-Fahnenbarschen…

Zoo Zürich/Enzo Franchini
oder den Putzerfischen können die Weibchen zu Männchen werden. 

oder den Putzerfischen können die Weibchen zu Männchen werden.

Zoo Zürich/Enzo Franchini

Männchen wird Weibchen

Bei monogam lebenden Fischen wie zum Beispiel dem Clownfisch ist die Situation umgekehrt. Hier ist es von Vorteil, wenn das Weibchen grösser ist als das Männchen. Ein grösseres Weibchen kann mehr Eier legen. Die Spermienmenge beim Männchen hingegen spielt eine untergeordnete Rolle, da es im Verhältnis immer ungleich mehr Spermien pro Männchen gibt als Eier pro Weibchen.

Clownfische leben in kleinen Gruppen, in denen das grösste Mitglied ein Weibchen ist und das zweitgrösste das dominante Männchen. Alle anderen Mitglieder sind Männchen und pflanzen sich nicht fort. Stirbt das Weibchen, übernimmt ihr Partner ihre Rolle und das grösste verbleibende Männchen wird seinerseits Partner des neuen Weibchens. In einer biologischen Version der Geschichte von «Finding Nemo» würde sich Papa Marlin nach dem Tod seiner Frau Coral also einfach in ein Weibchen verwandeln.

Unter den im Zoo gezeigten Fischen können männliche Falsche Clown-Anemonenfische zu Weibchen werden.

Unter den im Zoo gezeigten Fischen können männliche Falsche Clown-Anemonenfische zu Weibchen werden.

Zoo Zürich/Enzo Franchini

Freie Geschlechtswahl

Ein noch komplexerer Geschlechterwechsel hat sich bei einigen Arten wie zum Beispiel den Korallengrundeln entwickelt. Diese sind sehr sesshaft und haben dadurch nur wenige potenzielle Partner zur Verfügung. Gleichzeitig gehen sie wegen vieler Fressfeinde ein grosses Risiko bei der Suche nach Partnern ein. Hier können sowohl Weibchen als auch Männchen ihr Geschlecht wechseln. So ist garantiert, dass zwei beliebig aufeinandertreffende Fische ein heterosexuelles Paar bilden können. Dieser Vorgang ist jedoch nur von wenigen Arten bekannt.

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