08.01.2020 18:55

Pelz-Mode in Luzern

«Diese Tiere werden lebend gehäutet»

Der Zürcher Tierschutz entlarvt einmal mehr Läden, die echte Pelze aus Qualzucht verkaufen. Aufgefallen sind auch zwei Geschäfte aus Luzern.

von
Daniela Gigor
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Der Zürcher Tierschutz hat sich im November das Sortiment von Kofler im Bahnhof in Luzern genauer angesehen.

Der Zürcher Tierschutz hat sich im November das Sortiment von Kofler im Bahnhof in Luzern genauer angesehen.

kofler.ch
Der Pelzkragen an dieser Jacke stammt von einem Marderhund.

Der Pelzkragen an dieser Jacke stammt von einem Marderhund.

Zürcher Tierschutz
Das Tier, das dafür sein Fell lassen musste, wurde in China in einem Käfig mit Gitterböden gehalten.

Das Tier, das dafür sein Fell lassen musste, wurde in China in einem Käfig mit Gitterböden gehalten.

Zürcher Tierschutz

Im November 2019 hat der Zürcher Tierschutz eine Ladenrecherche durchgeführt. Aus 18 Läden in fünf Städten wurden 307 Pelzartikel wie Jackenkrägen, Bommelmützen und andere Accessoires auf die Deklarationspflicht von Tierart, Herkunft und Gewinnungsart untersucht.

Unabhängig vom Tierschutz machte sich 20 Minuten im November in Luzern ebenfalls auf die Suche nach modischen Artikeln mit echten Pelzen. Auffällig: Dabei sind dieselben Läden ins Auge gestochen. Bei Kofler Mode an der Pilatusstrasse wird immer noch Echtpelz verkauft, wie ein Augenschein vor Ort zeigt.

Pelze von Marderhunden oder Kojoten

Bereits 2018 berichtete 20 Minuten darüber, dass das Modehaus die Pelzdeklarationen missachtete. Dies hat sich in der Zwischenzeit zwar geändert, aber nach wie vor wurden dort Winterjacken verkauft, deren Kragen oder Kapuzen mit echten Pelzen versehen waren. Auf der Deklaration dazu war zu lesen, dass der Pelz von Marderhunden aus China stammt, die in Käfigen mit Gitterboden gehalten wurden. Ebenfalls wurden Gilets aus Kaninchenfellen angeboten. Deren Herkunft war nicht näher deklariert.

Der Zürcher Tierschutz fand bei seinen Tests bei Kofler im Bahnhof Luzern ebenfalls Produkte mit Pelzen aus China, Spanien und Finnland. Bei Gränicher stellte die Tierschützer Pelz-Produkte mit Waschbär aus China und Fuchs aus Finnland fest. 20 Minuten fand im Herrengeschäft an der Pilatusstrasse viele Pelze von Kojoten aus sogenannter «Wild- oder Fallenjagd» aus Kanada.

«In China werden Tiere teilweise lebend gehäutet»

Für ihre Testergebnisse findet Nadja Brodmann, Geschäftsleiterin des Zürcher Tierschutzes deutliche Worte: «Es ist enttäuschend und skandalös, dass viele Pelze aus China stammen. Dies ist die brutalste Tierhaltung, die man sich vorstellen kann. Die Tiere werden teilweise gar lebend gehäutet.» Es sei ernüchternd, dass diese Ignoranz immer noch vorhanden sei. Diese Geschäfte würden scheinbar keine ethische Unternehmensphilosophie verfolgen.

Auf Anfrage von 20 Minuten sagte Olivier Bachmann, Verwaltungsratspräsident der Kofler AG: «Wir lassen uns nicht auf Diskussionen ein.» Auch gegenüber dem Zürcher Tierschutz nahm von Kofler niemand Stellung. Michael Arabiano, Verwaltungsrat bei Gränicher schrieb dem Tierschutz: «Wir fahren unser Sortiment mit Pelzartikeln seit einigen Jahren kontinuierlich herrunter, werden jedoch auch Herbst/Winter 2019 vereinzelte Artikel mit Pelzbesatz im Sortiment führen.» Das Thema werde laufend behandelt und er wünsche sich noch mehr Transparenz seitens der Hersteller. Das Tragen von Pelzen sei jedoch ein individueller Entscheid der Kundschaft, den Gränicher respektieren wolle.

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