Wildhus-Süd: Diese Treppe kostet Steuerzahler 22’800 Franken
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Wildhus-SüdDiese Treppe kostet Steuerzahler 22’800 Franken

Beim Rastplatz Wildhus-Süd auf der Autobahn A1 hat das Astra kürzlich eine neue Treppe samt Handlauf realisiert. Ganz billig war die Sache nicht. Und nicht jeder scheint vom Nutzen überzeugt.

von
Tabea Waser
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Diese Treppe wurde im November und Dezember 2020 realisiert.

Diese Treppe wurde im November und Dezember 2020 realisiert.

Jérôme Jacky/Astra
In Auftrag gegeben hat sie das Bundesamt für Strassen (Astra)

In Auftrag gegeben hat sie das Bundesamt für Strassen (Astra)

Jérôme Jacky/Astra
Sie befindet sich beim Rastplatz Wildhus-Süd und führt zum WC-Hüsli. 

Sie befindet sich beim Rastplatz Wildhus-Süd und führt zum WC-Hüsli.

Google Street View

Darum gehts

  • Beim Rastplatz Wildhus-Süd wurde eine Treppe realisiert.

  • Diese führt zum WC.

  • Einen Weg gibt es schon lange. Nun hat man die Qual der Wahl.

  • Das Astra habe ein Bedürfnis erkannt und deshalb die Treppe realisiert.

  • Kostenpunkt: 22’800 Franken.

Mit dem Schlagwort «Luxus-Rastplatz» widmete der Regionalsender TVO am Sonntag dem Rastplatz Wildhus-Süd an der Autobahn A1 einen Beitrag. Konkret geht es um eine neue Treppe samt Handläufer aus Chromstahl, die das Bundesamt für Strassen (Astra) dort hat bauen lassen. Kostenpunkt: 22’800 Franken. Das liegt laut Astra im Rahmen dessen, was so ein Projekt eben kostet. Die Treppe führt zum WC-Häuschen. Direkt daneben ist ein Weg, der bereits seit rund 50 Jahren zur Toilette führt. Man hat neu also die Qual der Wahl.

Wie das Astra gegenüber 20 Minuten ausführt, wurde die Treppe im November/Dezember 2020 realisiert. Und zwar an der Stelle, wo es zuvor einen Trampelpfad gab, weil viele Personen eine Abkürzung zum WC nahmen und nicht den «offiziellen Weg» entlang liefen. «Dass der Trampelpfad häufig anstelle des bestehenden Weges benutzt wird, war uns schon länger bekannt. Wir haben daher überprüft, ob und wie wir auf das vorhandene Bedürfnis reagieren», so Astra-Sprecher Jérôme Jacky auf Anfrage. Der Entscheid zum Bau der Treppe wurde schliesslich Ende 2019 getroffen und für 2020 in die Planung aufgenommen.

Höhere Sicherheit

Gemeinsam mit den Partnern vom Nationalstrassenunterhalt (Gebietseinheit GE VI), die im Auftrag des Astra u. a. für den Betrieb des Rastplatzes zuständig ist, beobachte man die Nationalstrasseninfrastruktur laufend. Dazu gehören auch die Rastplätze. «Machen wir Potential zur Verbesserung einer Anlage aus, prüfen wir, ob und wie die Anlagen optimiert werden können», so Jacky. Und weiter: «Wir haben erkannt, dass der Trampelpfad beim Rastplatz Wildhus-Süd sehr rege genutzt wurde, weswegen wir uns für den Bau einer Treppe entschieden haben – die nun ebenfalls häufig genutzt wird. Weiter trägt die neu gebaute Treppe zur Erhöhung der Sicherheit auf der Anlage bei.»

Geldverschwendung?

Für Passanten vor Ort erschliesst sich der Nutzen der neuen Treppe nicht wirklich. «Das ist Geld zum Fenster herausgeworfen. Einfach unnötig», äussert sich ein Mann gegenüber dem Regionalsender. Mit seiner Meinung ist er nicht allein.

Und auch Thomas Fuchs, Geschäftsführer vom Bund der Steuerzahler Schweiz (BDS) kann der Sache wenig abgewinnen. Man sei dankbar, wenn Bürgerinnen und Bürger solche Vorfälle melden, damit diese Verschleuderung von Steuergeldern endlich gestoppt werden könne. «Einmal mehr muss davon ausgegangen werden, dass hier Schreibtischtäter am Werk waren, welche sich nie vor Ort informiert hatten», so Fuchs. Er fordere das Astra dazu auf, solchen Unsinn künftig zu unterlassen.

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Deine Meinung

191 Kommentare
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Sachverstand wo bist du

24.02.2021, 08:31

Das sich die Redaktion einer Zeitung mit einem solchen Artikel beschäftigt zeigt mal wieder wo wie heute stehen und was wir lesen dürfen. Wer schon einmal gebaut hat der kennt die Kosten für solch ein Projekt. Es muss ausgeschrieben werden von einem Planer, es werden Offerten eingeholt und verglichen, es wir geschaut welcher Unternehmer bauen kann vom Zeitfenster betrachtet. Dann kommen Camions mit Baugeräten Bagger usw. Das Material wie Beton die Stufen muss auch antransportiert werden. Erst dann geht das bauen los. Material aushub muss auch mit dem Camion abgeführt werden. Dann kommt der Geländerbauer macht ein Aufmass d.h bis dahin muss die Baustelle abgesichert werden nach Normen die der Staat auch nicht einfach ignorieren kann. Das kostet alles Geld. Im Klartext hoher Standart hohe kosten. Sollt aber auf dem Matsch Weg mal jemand ausrutschen und dauerhaft geschädigt bleiben sind die 22000 Chf nichts im Vergleich. Bitte Redaktionen macht eure Arbeit mal wieder Seriöser !

R. Aphi

24.02.2021, 08:11

Egal was gebaut wird, es gibt stets Leute die das Bauwerk gut finden und solche, die es unnötig finden. Wichtig finde ich dabei immer: Das Geld ist ja nicht weg, es wurde ja jemandem bezahlt. Die/Derjenige bezahlt damit ihre/seine Angestellten und das Material und am Ende auch Steuern. Das Geld bleibt im Umlauf und gerade in dieser eher herausfordernden wirtschaftlichen Lage gäbe es Dünmeres anzustellen als Geld auszugeben...

Freude herscht

23.02.2021, 08:58

Schön wurde dort eine Treppe gebaut. Habe den Trampelpfad auch sehr häufig benutzt. Deshalb finde ich, dass es absolut keine Geldverschwendung war. Im Gegenteil Bravo!!!