Aktualisiert 15.01.2020 09:35

Top oder Flop? Diese Treppe wird mit Strom beheizt

In der Berner Gemeinde Ittigen sorgt eine Outdoor-Heizung dafür, dass eine öffentliche Treppe schnee- und eisfrei bleibt. Nicht alle sind begeistert davon.

von
miw

Manch einem Hund aus Worblaufen ist der Gang über die Treppe zuwider. (Video: 20m/ miw)

Die Gemeinde Ittigen BE macht es sich bequem: Um eine Treppe im dazugehörigen Worblaufen nicht enteisen oder vom Schnee befreien zu müssen, wird diese unterirdisch elektrisch geheizt. Im Boden sind Drähte verkabelt, die an kalten Tagen mit Strom aufgeheizt werden. Sinkt das Thermometer auf unter drei Grad, springt die Heizung sofort an.

Zwar wird dank der Installation Muskelkraft gespart, doch belastet der unterirdische Ofen die Gemeindekasse: Wie die «Berner Zeitung» berichtet, kostete der demokratisch gutgeheissene Bau der Anlage rund 93'000 Franken. Stets kommen weitere Ausgaben dazu – bis zu 10'000 Kilowattstunden Strom fliessen Winter für Winter durch die Gosteli-Treppe. Und auch würden immer mal wieder Reparaturkosten anfallen, sagt ein Mitglied des Tiefbauamts zu 20 Minuten: «An manchen Stellen musste der Boden aufgerissen werden, um die Heizung zu flicken.»

«Nicht sonderlich nachhaltig»

So freuen sich nicht alle Anwohner und Steuerzahler der Gemeinde über die Hightech-Treppe: «Ich bin gegen jegliche Art von Verschwendung», meint so ein Passant zu 20 Minuten. Und eine Anwohnerin sagt: «Man kann diese Heizung hinterfragen, sowohl ökologisch wie auch wirtschaftlich.» Auch für den 21-jährigen Michael ist klar: «Diese Treppe ist nicht sonderlich nachhaltig.»

Hunde vernehmen Stromstösse an Pfoten

Auch manch einem Hund ist die Treppe ein Dorn im Auge: Durch kleine Ritze im Boden spüren sensible Vierbeiner elektrische Stösse an ihren Pfötchen – viele von ihnen verweigern deshalb den Gang über die Stufen. Damit Herrchen und Frauchen keinen Umweg machen müssen, wurde an beiden Enden der Treppe nachträglich ein Knopf installiert. Wird dieser gedrückt, setzt die Treppenheizung für fünf Minuten aus. «So kann ich ohne Probleme mit meinem Hund hoch- und runterspazieren», sagt ein betroffener Hündeler.

Dank dieser Funktion begrüsse er die Bodenheizung nun, sagt der Mann. «An kalten Tagen würde das sonst zu einer gefährlichen Rutschpartie.» Und auch ein einheimisches Ehepaar, das auf dem Weg zum Bahnhof ist, findet die Investition der Gemeinde gelungen. Doch für den Mann ist klar: «So einen Luxus kann sich nur eine Gemeinde leisten, die reich ist.»

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