Niederländischer Premier: «Diese Unruhen haben nichts mit dem Kampf für Freiheit zu tun»
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Niederländischer Premier«Diese Unruhen haben nichts mit dem Kampf für Freiheit zu tun»

Nach landesweiten Protesten gegen Ausgangssperren im Kampf gegen Corona ist der niederländische Premierminister Rutte empört. Die Ausschreitungen waren vielerorts äusserst brutal. Die Polizei rechnet mit weiteren Unruhen.

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Bilder aus Eindhoven vom Sonntag, 24. Januar. 

Bilder aus Eindhoven vom Sonntag, 24. Januar.

AFP
In der fünftgrössten Stadt im Land kam es am Sonntag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

In der fünftgrössten Stadt im Land kam es am Sonntag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.

Rob Engelaar/ANP/dpa
Diese gingen gegen die nächtlichen Ausgangssperren im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf die Strassen. 

Diese gingen gegen die nächtlichen Ausgangssperren im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf die Strassen.

Rob Engelaar/ANP/dpa

«Was ist in diese Leute gefahren?» Mit diesen Worten empört sich der niederländische Premierminister Mark Rutte über die Demonstranten, die am Sonntag gegen die nächtlichen Ausgangssperren im Kampf gegen die Corona-Pandemie in zahlreichen Städten im Land auf die Strasse gingen und krawallierten (20 Minuten berichtete).

«Diese Unruhen sind kriminelle Gewalt und haben nichts mit dem Kampf für Freiheit zu tun», so Rutte in einer ersten Reaktion am Montag, «Wir müssen den Kampf gegen das Virus gewinnen. Nur so können wir unsere Freiheit zurückgewinnen», so Rutte weiter.

Corona-Leugner, Fussball-Hooligans und Neo-Nazis

99 Prozent der Bürger würden verstehen, dass Massnahmen wie Ausgangssperren notwendig seien und sich auch daran halten. An Massnahmen wie Ausgangssperren will er nicht rütteln. «Es ist das Virus, das uns die Freiheit nimmt.» Die Polizei sprach von den schlimmsten Krawallen in 40 Jahren. Sie rechnet mit weiteren Unruhen in den kommenden Tagen.

Zu den Protesten gegen die Ausganssperren war vor allem über die sozialen Netzwerke aufgerufen worden. Die Polizei geht in ersten Analysen davon aus, dass unterschiedliche Gruppierungen sich an der Gewalt beteilig hatten. Dazu gehörten Corona-Leugner, Fussball-Hooligans und Neo-Nazis.

Steine gegen Spital, Böller gegen Polizeipferde

In rund zehn Städten war es am Abend zu gewaltsamen Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen – sogar die Militärpolizei kam zum Einsatz, etwa in Roermond und in der südöstlichen Provinz Limburg an der deutschen Grenze. Grosse Unruhen wurden auch aus Tilburg, Stein, Den Haag, und Apeldoorn gemeldet.

In Amsterdam ging die Polizei mit Pferden, Hunden und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. In Enschede schleuderten Randalierer Steine gegen ein Krankenhaus. Mancherorts wurde mit Böllern gegen Polizeipferde geschossen. Auch Journalisten wurden angegriffen.

Besonders heftig waren die Krawalle in Eindhoven, im Osten des Landes. Der Bahnhof wurde demoliert, Läden geplündert. Golfbälle wurden gegen Polizisten geworfen und Barrikaden aus Velos errichtet. «Hooligans kamen aus allen Ecken des Landes, sie hatten sich über die sozialen Medien verabredet», sagte der Bürgermeister von Eindhoven, John Jorritsma. «Wenn man auf diese Weise das Land in Brand steckt, dann ähnelt das einem Bürgerkrieg.»

«Das tut jeder Faser meines Körpers weh»

Am Morgen danach sagte Jorritsma: «Eindhoven - das ich seit Jahren baue, eine Stadt der Technologie, des Designs, der Kreativität und der Sozialpolitik - wird jetzt als Stadt des Bürgerkriegs bezeichnet. Das tut jeder Faser meines Körpers weh.»

Die Ausschreitungen hatten am Sonntagnachmittag in Amsterdam und Eindhoven begonnen. Mit Wasserwerfern und Tränengas hatte die Polizei zuvor verbotene Demonstrationen aufgelöst. Am Abend kurz vor Beginn der Ausgangssperre um 21 Uhr hatten sich die Unruhen dann auf andere Städte im ganzen Land ausgeweitet. Erst gegen Mitternacht hatte die Polizei die Lage unter Kontrolle.

Die Niederlande befinden sich bereits seit Mitte Dezember im Lockdown. Am Samstagabend war erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie die Ausgangssperre in Kraft getreten. Bis zunächst 9. Februar sind Geschäfte, Schulen und Gaststätten geschlossen, persönliche Kontakte stark eingeschränkt.

(gux)

Deine Meinung

574 Kommentare
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haha

26.01.2021, 12:26

An alle, die solche mutwilligen Zerstörungen gut heissen und solche Chaoten stützen: Wie wäre es, wenn man das mit EUREM Auto machen würde? Würdet ihr nicht mehr so toll finden, gell. Denkt mal an die Unbeteiligten, die wegen diesen Demonstranten kein Auto mehr haben und nicht nur an euch. Fremdes Eigentum zerstören gehört sich nicht.

Steuerzahler

26.01.2021, 12:11

Da müssen wohl wieder ein paar unverbesserliche ihren Frust auf Kosten der Allgemeinheit ablassen

ist mir neu

26.01.2021, 11:28

Mir ist neu, dass man einfach so fremdes Eigentum zerstören darf, nur weil man gegen Massnahmen ist.