Für mehr Frauen - Diese Versicherung schreibt Jobs nur noch in weiblicher Form aus
Publiziert

Für mehr Frauen Diese Versicherung schreibt Jobs nur noch in weiblicher Form aus

Bâloise benutzt bei Jobinseraten neuerdings nur noch die weibliche Formulierung. Frauen sollen sich dadurch mehr angesprochen fühlen. Das könnte aber dafür Männer abschrecken.

von
Barbara Scherer
1 / 9
Bei Stelleninseraten der Bâloise wird nur noch die weibliche Formulierung genutzt. 

Bei Stelleninseraten der Bâloise wird nur noch die weibliche Formulierung genutzt.

Screenshot Bâloise
Die Versicherung will so ein deutliches Zeichen dahingehend setzen, dass Bewerbungen von Frauen explizit erwünscht sind.

Die Versicherung will so ein deutliches Zeichen dahingehend setzen, dass Bewerbungen von Frauen explizit erwünscht sind.

Bâloise
Seit April wendet Bâloise diese neue Strategie an.

Seit April wendet Bâloise diese neue Strategie an.

Screenshot Bâloise

Darum gehts

  • Seit April schreibt die Versicherung Bâloise Jobs nur noch in weiblicher Form aus.

  • Damit will das Unternehmen signalisieren, dass Frauen ausdrücklich erwünscht sind.

  • Bei einigen Männern sorgt das für Verunsicherung.

Wirtschaftsinformatikerin, Werkstudentin oder Psychologin: Die Basler Versicherung Bâloise schreibt Jobs nur noch in weiblicher Form aus, wie ein Blick auf die Website zeigt. Dabei sind aber sowohl Männer als auch Frauen gesucht. Das signalisiert eine Klammer hinter der Ausschreibung mit der Abkürzung w/m.

Dabei handelt es sich um eine neue, seit April eingesetzte, Strategie, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. «Wir wollten damit ein deutliches Zeichen dafür setzen, dass Bewerbungen von Frauen nicht bloss akzeptiert, sondern explizit erwünscht sind», sagt Markus Giess, Leiter HR Services bei Bâloise zu 20 Minuten.

Der Entscheid, Jobs nur noch in weiblicher Form auszuschreiben, beruhe auf einer Untersuchung in der Deutschschweiz. Diese habe gezeigt, dass Frauen sich von weiblichen Jobbezeichnungen eher angesprochen fühlen.

Männliche und weibliche Form bei Lehrstellen

Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, dass Lehrstellen noch immer mit männlicher und weiblicher Form ausgeschrieben werden. «Bei den Ausbildungsstellen haben wir uns entschieden, nach wie vor in männlicher und weiblicher Form auszuschreiben, um explizit alle Geschlechter anzusprechen», erklärt Giess.

Bereits hat die Versicherung viele positive Rückmeldungen erhalten. Vereinzelt sei aber auch Kritik geübt worden. So seien einige Männer verunsichert gewesen durch die neue Formulierung in den Jobausschreibungen.

Für die Versicherung ist das aber kein Problem: Es seien immer spannende Gespräche daraus entstanden. «Wenn wir Alteingesessenes in der Arbeitswelt hinterfragen können und Gespräche darüber ermöglichen, empfinden wir dies für alle Seiten als bereichernd», so Giess.

Jobs müssen geschlechtsneutral ausgeschrieben werden

Rechtlich gesehen, sind die neuen Jobinserate der Baloise kein Problem. «Stellen müssen in der Schweiz geschlechtsneutral ausgeschrieben werden, dafür reicht eine Klammer mit der Abkürzung m und w», sagt Rechtsanwalt Boris Etter. Es sei aber zu empfehlen zusätzlich tg für Transgender oder d für Divers anzufügen. «Nur so fühlen sich wirklich alle Menschen von einem Inserat angesprochen», erklärt Etter.

Dass eine Stellenausschreibung in weiblicher Form attraktiver auf Frauen wirkt, kann sich Personalexpertin Anne Forster gut vorstellen. «Viele Menschen achten stark auf Job-Titel», erklärt Forster. Dass sich mehr Frauen aufgrund der neuen Strategie bewerben, bezweifelt Forster aber.

«Es stellt sich die Frage, warum nicht schon viel mehr Firmen Jobs so ausschreiben.» Bewerben sich nun tatsächlich mehr Frauen bei der Versicherung, sei das aber der Beweis, dass es sich auch für andere Unternehmen lohnt, die Strategie auszuprobieren.

Männer fühlen sich nicht mehr angesprochen

Jobs nur noch in weiblicher Form auszuschreiben, könnte auch dazu führen, dass sich Männer nicht mehr angesprochen fühlen, sagt Liza Engel, Personalchefin von Deloitte Schweiz: «Aber solche Männer werden vermutlich nicht mehr gesucht, wenn ein Unternehmen einen Kulturwandel beabsichtigt.»

Allgemein sei die neue Strategie der Bâloise nur eine punktuelle Massnahme, um die Vielfältigkeit in einem Unternehmen zu fördern. «Es braucht bei vielen Firmen einen grundlegenden Kulturwandel, damit sich mehr Frauen bewerben und Karriere machen», so Engel.

Wichtig dafür sei die Unterstützung aus der obersten Chefetage. Zudem brauche es auch erfolgreiche Frauen in einem Unternehmen, die als Vorbilder dienen.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

97 Kommentare