Rettungsaktion wegen Hitze: Diese Vögel sollten Sie vom Boden aufheben
Aktualisiert

Rettungsaktion wegen HitzeDiese Vögel sollten Sie vom Boden aufheben

Weil es in den Nestern der Mauersegler fast 50 Grad heiss wird, verlassen sie diese zu früh. Für Finder der Vögel gibt es nun eine Hotline.

von
mwa
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Aufgrund der Hitze im Juli 2019 purzeln die kleinen Mauersegler zu früh aus ihren teilweise 50 Grad heissen Nestern.

Aufgrund der Hitze im Juli 2019 purzeln die kleinen Mauersegler zu früh aus ihren teilweise 50 Grad heissen Nestern.

Voliere-Gesellschaft St. Gallen
Da sie erst Anfang August fähig sind zu fliegen, bittet die Voliere-Gesellschaft St.Gallen, gefundene Vögel zu melden.

Da sie erst Anfang August fähig sind zu fliegen, bittet die Voliere-Gesellschaft St.Gallen, gefundene Vögel zu melden.

Voliere-Gesellschaft St. Gallen
Sie werden dann so lange betreut, bis sie im Alter von 43 Tagen flugfähig in die Freiheit entlassen werden.

Sie werden dann so lange betreut, bis sie im Alter von 43 Tagen flugfähig in die Freiheit entlassen werden.

Klaus Roggel/Wikipedia

«Die Hitze ist für die Tiere wirklich unerträglich», sagt Christian Müller, Präsident der Voliere-Gesellschaft St. Gallen. In den Nestern der Mauersegler wird es momentan bis zu 50 Grad heiss. Die Tiere verlassen ihr Gehege deshalb verfrüht. «Sie sind erst Anfang August, also in etwa 10 Tagen flugfähig.» Die Vögel würden deshalb einfach am Boden liegen und könnten sich selbst nicht mehr in Sicherheit bringen. Um die Tiere vor dem Tod zu bewahren, bietet die Voliere-Gesellschaft Hilfe (siehe Box).

Mauersegler sind hoch geschützte Tiere und müssen in einer solchen Situation in eine spezialisierte Station zur Pflege gebracht werden: «Sie ernähren sich von Grillen und Bienenmaden. Das weiss wohl kaum jemand einfach so», sagt Müller.

Schlafen in der Luft

Das Einzigartige an den Vögeln: Mauersegler leben ausschliesslich in der Luft. Ihr Körperbau sei darauf ausgelegt ein Leben im Dauerflug zu führen. «Freiwillig landen sie nie auf dem Boden, sondern nur an steilen Wänden, von denen sie sich einfach fallen lassen können», heisst es in einer Broschüre der Stadt St. Gallen. Nahrung, Wasser und Nistmaterial sammeln sie fliegend.

Auch ihren Schlaf finden sie in der Luft. Sie steigen dazu in eine wärmere Luftschicht in rund 1000 bis 3000 Metern Höhe und kehren am frühen Morgen wieder in ihre Kolonie zurück. Auch wenn sie durch Windströmungen 50 Kilometer versetzt wurden, verlieren sie die Orientierung nicht: «Das liegt in ihren Genen. Sie richten sich an Magnetfeldern und Sternen aus», so Müller.

Stadt schützt Nistplätze

Von der Stadt St. Gallen werden die Mauersegler aktiv geschützt: Die Bauverwaltung hat die Nistplätze erfassen lassen und weist auf ihrer Internetseite darauf hin, dass diese weder Bausubstanzen beschädigen noch Schmutzspuren hinterlassen. Um den Erhalt der Nistplätze auch während Bauarbeiten sicherzustellen, bietet die Stadt eine kostenlose Beratung an. Gemeinsam mit den Bauherren und Architekten soll eine Lösung gefunden werden, die Langstreckenzieher ohne grössere Kosten oder Einschränkungen zu schützen.

Mauersegler in Not

Die Voliere-Gesellschaft St.Gallen bittet, gefundene Mauersegler unter der Nummer 079 623 90 42 zu melden, oder sie in die Voliere im Stadtpark St. Gallen zu bringen. Alternativ können die Tiere auch von Mitarbeitenden abgeholt werden.

Die jüngsten Mauersegler werden in Legekästen gebracht, wo andere Mütter sie füttern und grossziehen. Wichtig dabei ist, dass die Tiere genau gleich alt sind, wie die schon vorhandenen Jungtiere.

Die älteren Mauersegler werden zu einer Rettungsstation in Zürich gebracht. Dort werden sie gefüttert und erhalten Flug-Training. Wenn sie 43 Tage alt sind, können sie in die Freiheit entlassen werden.

Für Regionen ausserhalb von St.Gallen, Appenzell und Thurgau gibt es keine einheitliche Telefonnummer. Wer verletzte Vögel bzw. Mauersegler findet, kann dies aber unter der Telefonnummer 041 462 97 00 der Vogelwarte Sempach melden. Diese wird den Anrufer an die nächst gelegene Pflegestation verweisen.

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